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Fußball regional MTV Eintracht Celle ohne Glück gegen Spelle
Sport Fußball regional MTV Eintracht Celle ohne Glück gegen Spelle
07:14 13.11.2017
Von Oliver Schreiber
Quelle: Michael Schäfer
Celle Stadt

Direkt nach dem Abpfiff stapfte Malte Marquardt sofort vom Platz. Voller Wut, kein Blick nach links, kein Blick nach rechts. Nur schnell weg. „Nie im Leben Elfmeter“ zischte der Innenverteidiger des Fußball-Oberligisten MTV Eintracht Celle und marschierte schnurstracks Richtung Kabine, um sich selbst vor unbedachten Worten Richtung Schiedsrichter Marco Gewecke und einer daraus möglicherweise resultierenden persönlichen Strafe zu schützen. Der hatte in der 84. Minute nach einem Zweikampf im Strafraum zwischen ihm und Christoph Ahrens, pfeilschneller Außenbahnspieler des SC Spelle-Venhaus, auf den Punkt gezeigt. Das anschließende Elfmetertor zum 1:2 durch Torjäger Sascha Wald besiegelte die vierte Niederlage in Folge für den sich tapfer wehrenden Aufsteiger gegen den neuen Spitzenreiter. „So einen Elfer bekommst du eben gegen dich, wenn du unten stehst“, meinte MTVE-Cheftrainer Hilger Wirtz.

Unterm Strich ging der Sieg für die spielstarken und durch die Bank technisch versierten Gäste aus dem Grenzgebiet zu Nordrhein-Westfalen zwar in Ordnung, aber ein Punktgewinn für die Celler wäre an diesem ungemütlichen November-Nachmittag vor rund 250 Zuschauern in der Immobilien-Wilharm-Arena absolut verdient gewesen. „Das ist bitter, wir sind natürlich riesig enttäuscht. Das war ein sehr gutes Oberliga-Spiel, vor allem angesichts der Bedingungen. Wir haben Spelle einen tollen Kampf geliefert – aber wir sind leider nicht belohnt worden“, erklärte Wirtz.

Sein Gegenüber atmete tief durch. „Celle hat uns alles abverlangt. Wenn wir uns in der zweiten Halbzeit nicht gesteigert hätten, hätten wir hier wohl nichts geholt. Wir sind heilfroh, dass wir hier mit drei Punkten nach Hause fahren“, sagte Spelles Coach Sebastian Röttger bei der Pressekonferenz.

Das durften die hoch gehandelten Emsländer in der Tat sein. Ohne diesen umstrittenen Strafstoß hätte es vermutlich ein Remis gegeben. Die Entscheidung des Referees war insofern unverständlich, als dass er zuvor bei Zweikämpfen im Grenzbereich zum Foul äußerst großzügig war und das Spiel laufen ließ. Doch in dieser 84. Minute änderte sich dies – sehr zum Leidwesen der Blau-Weißen. Spelles Ahrens lief nach einem tollen Steilpass Richtung Tor, Marquardt wollte ihm den Weg versperren, beide streckten ihre Schulter heraus, um den Kontrahenten „wegzuchecken“. Mit einem eindeutigen Sieg für den robusteren Marquardt, der aber zum Verlierer wurde. Schiri Gewecke schaute kurz zu seinem Assistenten an der Linie – und beide waren sich einig: Elfmeter für Spelle. Den verwandelte Wald. Doppeltes Pech: MTVE-Keeper Christof Rienass, der nach der Oberschenkel-Verletzung von Andreas Mikroulis in der 73. Minute eingewechselt worden war und sein Comeback nach langer Verletzungspause feierte, war noch dran am Ball, doch die Kugel „flutschte“ hinter ihm ins Netz.

Dieses Gegentor passte irgendwie zur momentanen Situation der unerfahrenen Eintracht-Elf. Alles versucht, alles „reingeworfen“ – und alles verloren.

Wirtz hatte sich entschieden, das bewährte 4-2-3-1-System umzustellen. Hinten ließ er mit Marquardt, Lars Borchert und Routinier Christopher Nachtwey im Zentrum eine Dreierkette auflaufen, die bei gegnerischem Ballbesitz durch die Außenspieler Daniel Ruchatz und Yannik Ehlers zur Fünfer-Formation mutierte. Davor räumten Tim Struwe und Bastian Stech auf der „Doppel-Sechs“ tüchtig ab. Diese veränderte Taktik verlieh den Cellern mehr Stabilität, Spelle hatte im ersten Durchgang nur eine Chance. Die hatte es aber in sich, Steffen Menke traf aus zwölf Metern nur die Latte.

In der Offensive setzten die Hausherren immer wieder Nadelstiche, allerdings nur selten mit akuter Torgefahr. Außer in der 43. Minute. Da flog eine Ehlers-Ecke an Freund und Feind vorbei bis zu Adrian Zöfelt, der aus kurzer Distanz zur 1:0-Führung vollstreckte.

Der Favorit reagierte. Mit Ahrens wechselte Trainer Röttger den Matchwinner ein. Nach einem Stellungsfehler von Ehlers flankte der Wirbelwind mustergültig in den Strafraum auf Jan Elpermann, der die Flanke gekonnt per Kopf in die Maschen setzte. Zudem erzielten die Speller noch zwei Abseitstore, hier hatte Eintracht Glück.

Und erneut Pech, als ein Speller Abwehrspieler nach einem Steilpass auf dem rutschigen Geläuf ausrutschte und Tim Runge dadurch frei aufs Tor zulief. Er wurde aber leider wegen eines angeblichen Foulspiels zurückgepfiffen. Warum, bleibt das Geheimnis des Schiedsrichters. Dies wäre die große Chance zum 2:0 gewesen. Stattdessen fiel wenig später der Ausgleich – und schließlich kurz vor Ultimo das entscheidende 1:2. „Der Abstand zum rettenden Ufer ist natürlich schon groß. Aber es gibt keinen Grund, den Kopf in den Sand zu stecken“, so Wirtz. Oder wie es Olli Kahn formulieren würde: Es geht weiter, immer weiter. Aber hoffentlich mit besseren Ergebnissen.