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Fußball regional Matze Knop im CZ-Interview: Mit "dicker Hose" zum EM-Titel
Sport Fußball regional Matze Knop im CZ-Interview: Mit "dicker Hose" zum EM-Titel
17:52 09.06.2016
Matze Knop Quelle: Stephan Pick
Celle Stadt

In Ihrem Bühnenprogramm „Diagnose dicke Hose“ geht es darum, die Bescheidenheit abzulegen und nicht mit seinen Vorzügen zu geizen. Wie sehr enttäuscht es Sie vor diesem Hintergrund, dass bei der bevorstehenden Fußball-EM in Frankreich solche Charakterköpfe wie Franck Ribéry, Arjen Robben oder auch Trainer Louis van Gaal nicht dabei sind?

Ja, sehr. Das sind natürlich Typen, die fehlen. Vor allem für Ribéry tut es mir leid, dass er in seinem eigenen Land nicht dabei sein kann. Er ist ja aus der Nationalmannschaft zurückgetreten. Das war vielleicht ein Fehler, wenn man jetzt sieht, dass er bei Bayern nach langer Verletzung seinen zweiten Frühling wiedergefunden hat. Ich glaube die Franzosen könnten ihn in der Form, in der er jetzt gerade ist, sehr gut gebrauchen. Ribéry habe ich ja auch auch schon öfter parodiert, daher ist es in doppelter Hinsicht bitter. Louis van Gaal bietet natürlich auch immer reichlich Reizpunkte. Wobei ich nicht weiß, ob EM und van Gaal zusammenpassen. Da war ja mal was, als er sich nicht qualifiziert hat (lacht).

Ribéry, Robben und van Gaal sind ja bekannte Parodien von Ihnen. Haben Sie ein wenig Angst, dass Ihnen bei der EM das Futter ausgehen könnte?

Nein, da bin ich ganz entspannt. Ich habe vor Kurzem einen EM-Song aufgenommen, der „Win the Trophy“ heißt. In dem Video parodiere ich Mats Hummels, Cristiano Ronaldo und, ganz neu, Zlatan Ibrahimovic. Ich hoffe natürlich, dass Ibrahimovic mit seinen Schweden lange dabei ist, damit wir genug Material von ihm bekommen. Er ist natürlich ein Typ, der durch sein Auftreten und seine Aussagen einiges liefert. Abgesehen von Ibrahimovic sind bei dem Turnier aber auch weitere Typen dabei, mit denen ich was anfangen kann. Daher mache ich mir da keine ernsthaften Sorgen.

Wie hört es sich denn an, wenn Sie die Legende Zlatan imitieren?

Er spricht ja leider kein Deutsch. Nun bin ich aber ein deutscher Comedian. Also müssen wir den Charakteren auch immer etwas Deutsches geben. Da verliert sich natürlich immer ein bisschen die Echtheit. Aber es wäre auch schade, wenn man solch einen Typen nicht parodieren würde. Ibrahimovic ist ja gebürtiger Bosnier und hat ein etwas härteres Timbre in der Stimme. Ich muss halt mal schauen. Schwedisch kann ich leider nicht sprechen, daher denke ich, dass ich das in Englisch machen werde. Er spricht ja auch ein bisschen Französisch. Am Ende wird es bestimmt ein Kauderwelsch, was dabei herauskommt.

Können Sie uns am Telefon schon eine Kostprobe geben?

Noch nicht so richtig. Bis jetzt hab ich ihn nur für das Video gemacht. Also nur visuell und nicht stimmlich. Meistens kann ich die Personen ja auf Knopfdruck parodieren. Bei Zlatan kann ich damit leider noch nicht dienen. Das gibt es dann erst während der EM.

Apropos Knopfdruck. Bei der EM sind ja auch ein paar Exoten dabei. Was würde eigentlich Ungarns Ex-Nationaltrainer Lothar Matthäus dazu sagen, dass ausgerechnet sein ehemaliger Rivale Andreas Möller als Co-Trainer der Ungarn bei der EM antritt?

Knop (als Matthäus): Das ist natürlich eine Riesensauerei, dass ein Lothar Matthäus eben nicht dort sitzt, wo jetzt ein Andi Möller sitzt. Da muss man ganz ehrlich sagen, dass ein Lothar Matthäus das auf jeden Fall verdient hätte. Zumal ein Lothar Matthäus immer Leitwolf war und auch immer noch Leitwolf ist. Ich gönne es natürlich dem Andi Möller, auch wenn er natürlich vom Fußball überhaupt keine Ahnung hat, im Vergleich zu einem Lothar Matthäus. Und von daher gehe ich fest davon aus, dass spätestens bei der Weltmeisterschaft in Russland ein Lothar Matthäus Trainer sein wird. Entweder von Spanien oder von Italien oder von England. Ich gebe mich mit den Kleinen nicht zufrieden.

Im DFB-Team haben Sie neben Coach Joachim Löw mit Mats Hummels und Mesut Özil bisher nur zwei Parodien. Sind Ihnen die Spieler zu langweilig?

Das klingt so hart. Aber ein bisschen mehr Personality bei dem ein oder anderen fände ich nicht schlecht. Sowohl rein optisch als auch in den Aussagen. In einer Mannschaft will man seine Kollegen natürlich auch nicht reinreiten oder unnötige Unruhe reinbringen. Als Comedian würde ich mir jedoch wünschen, dass der ein oder andere Spieler hin und wieder auch mal einen Ausraster kriegt oder vielleicht mal irgend etwas Lustiges passiert. Zum Beispiel, dass mal einer im Foyer vom Hotel an die Blume pinkelt. Daher will ich nicht ausschließen, dass ich bei der EM noch den ein oder anderen DFB-Spieler aufgreife. Aber das hängt auch ein wenig von den aktuellen Geschehnissen ab.

Sie waren bereits bei der WM 1998 in Frankreich vor Ort. Welchen Spieler aus dem damaligen Kader hätten Sie aus Sicht des Parodisten gern heute im Team. Mit dabei waren unter anderem Spieler wie Kahn, Jeremies oder auch Matthäus?

Oli Kahn ist natürlich perfekt, um ihn zu parodieren, und Jeremies hatte natürlich eine legendäre Frisur damals. Mit so einer „Frise“ musst du auch erstmal auflaufen. Das wäre aus heutiger Sicht natürlich ein Typ gewesen, den man gut gebrauchen könnte in dieser ganzen Sportler- und Fußballerriege. Aber es war damals auch eine andere Zeit. Das darf man nicht vergessen. Da gab es nicht so viele Medien. Es wurde nicht jede Aussage 20 Mal umgedreht. Und da hat sich dann der ein oder andere Spieler auch mal getraut, einen rauszuhauen. Heutzutage muss man hohe Strafen zahlen, wenn man sich zu kritisch äußert. Da überlegt man sich natürlich jedes Wort zweimal. Ich hoffe natürlich trotzdem, dass bei der EM mit dem ein oder anderen auch mal die Gäule durchgehen.

Den Herrn Bundestrainer kennen Sie ja ganz gut. Wie schätzt Jogi Löw denn seinen EM-Kader ein und was sagt er über die Gegner in der Vorrunde?

Knop (als Joachim Löw): Ja klar, also ich denk eben, dass mer die beschten Spieler dann auch letztlich nominiert haben, klar. Für Marco Reus tuts mir sagen mer mal eben dann auch högscht, högscht Leid, högscht. Aber ich denke, dass wir auf jeden Fall mit dem Kader auch gut aufgschtellt sind. Das wir eben dann auch, sagen mer mal, mmh, ja klar, auf jeden Fall die Vorrunde nicht nur überstehen, sondern auch dominieren werden. Klar, die Ukraine isch eben ein Gegner, den müssen wir schlagen. Nordirland isch eben dann auch mehr als machbar. Bleiben am Ende eben dann nur die Polen. Aber der Lewandowski beschäftigt sich auch mehr mit sich selbst als mit seiner Mannschaft. Der will ja auch schon wieder wechseln und von daher bin ich dann sicher, dass wir das Spiel gegen die Polen dann auch knapp, aber deutlich mit 8:2 gewinnen.

Wenn Sie Zuschauer beim Fußball sind, sind Sie dann eher Choleriker oder Analytiker?

Es kommt immer auf die Emotionalität an. Wenn ich mir ein Bundesliga-Spiel anschaue, dann bin ich eher analytisch, weil ich dann meistens gar nicht unbedingt nur für eine Mannschaft bin. Bei der Nationalmannschaft bin ich aber schon eher emotional. Da sitze ich auch schon einmal vorm Fernseher und werde laut. Da fiebere ich einfach mehr mit und die Emotionen kochen hoch. Es variiert also.

Am 4. November kommen Sie mit ihrem Bühnenprogramm „Diagnose dicke Hose“ in die CD-Kaserne nach Celle. Ist Deutschland dann amtierender Europameister?

Aber sicher doch. Ich hab mir ja die Mannschaften, die dabei sind, genau angeschaut. Die Engländer werden immer so hochgejubelt. Aber es sind am Ende die Engländer. Wir haben es ja beim Eurovision Songcontest gesehen, dass die jetzt schon versuchen, Australien ins Rennen zu schicken, damit die Queen über Umwege mal den Titel holt. Aber das hat ja wieder nicht geklappt. Spanien ist sicherlich immer stark, hat aber den Zenit überschritten und ist im Umbruch. Frankreich muss man mit dem Heimvorteil auf jeden Fall auf dem Zettel haben, die waren schon bei der WM stark. Belgien ist so eine Wundertüte, für viele ein Geheimfavorit. Aber am Ende zählt auch die Erfahrung. Wir haben diese in unserer Mannschaft, und gepaart mit den neuen jungen Spielern haben wir sehr gute Chancen, Europameister zu werden.

Von Sebastian Nickel