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Fußball regional Mike Hanke zwischen „Held und Depp“
Sport Fußball regional Mike Hanke zwischen „Held und Depp“
20:37 23.11.2010
Von Christoph Zimmer
Mike Hanke Quelle: Fremdfotos / Texte Eingesandt
Hannover

Wer nach dem Spiel einen fröhlichen Mike Hanke erwartet hatte, der wurde enttäuscht, was aber nicht an der großen Möglichkeit lag, die der ehemalige Nationalspieler wenige Augenblicke nach seiner Einwechslung leichtfertig vergeben hatte. Der finstere Gesichtsausdruck war vor allem deshalb so verwunderlich, weil Hanke in der ersten Minute der Nachspielzeit seine Mannschaft von Hannover 96 zu einem aufregenden 3:2 gegen den sinnsuchenden Hamburger SV geschossen hatte. „Wenn ich treffe, bin ich der Held“, entfuhr es Hanke, „wenn nicht, bin ich der Depp. Das ist traurig.“

Von der Vergänglichkeit des Glücks in der bunten und lauten Fußballwelt kann wohl niemand in Hannover so viel berichten wie Hanke, der im vergangenen Herbst noch den aberwitzigen Traum von der Rückkehr in die Nationalmannschaft hatte – und in dieser Spielzeit in der Bedeutungslosigkeit der Bundesliga verschwunden ist, irgendwo zwischen Bank und Tribüne. Von dem Glanz vergangenen Tage ist wenig übriggeblieben. Die Wirklichkeit sieht so aus, dass er sich gegen Hamburg nur wegen der großen Verletzungssorgen in der Anfangsformation wiederfand und es vorher gerade einmal auf zwei Einwechslungen und 57 Spielminuten gebracht hat.

Das liegt einerseits an den flinken Sturmkollegen, den aus Norwegen verpflichteten Didier Ya Konan und Mohammed Abdellaoue, die besser in die von Mirko Slomka, Hannovers Trainer, verordnete Kontertaktik passen als Hanke, der wuchtige Strafraumspieler. Andererseits steht er sich dank einer grandiosen Selbstüberschätzung aber immer wieder selbst im Weg, weshalb sie den Großverdiener eigentlich schon im Sommer loswerden wollten.

Daran hat sich wenig geändert, das sieht Hanke selbst ähnlich, auch wenn er gegen Hamburg angedeutet hat, dass er für den Tabellenvierten durchaus wertvoll sein kann. „Für die Mannschaft läuft es in dieser Saison sehr gut“, sagte er mit leiser Stimme. „Mit meiner Situation bin ich natürlich nicht zufrieden. Daran wird auch das Tor wenig ändern.“

Genauso wenig wird es wohl die Meinung der Verantwortlichen beeinflussen, Hanke, dessen Vertrag nach dieser Saison ausläuft, am liebsten noch in der Winterpause abzugeben. Danach hörten sich auch die Aussagen des Trainers nach dem ersten Saisontor von Hanke an. „Dafür steht er im Kader“, hielt sich Slomka zurück und ließ die Frage offen: wie lange noch. Der Vertrag von Slomka soll demnächst übrigens verlängert werden.