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Fußball regional Neun Monate Zwangspause für kleine Kicker
Sport Fußball regional Neun Monate Zwangspause für kleine Kicker
10:30 08.02.2014
Von Heiko Hartung
Celle Stadt

Ein Vereinswechsel von drei Jugendkickern sorgt derzeit für Aufregung im Fußballkreis Celle. Die U13-Kreisligaspieler der SG Eldingen/Höfer/Hohne sind Ende des Jahres aus ihrem bisherigen Klub ausgetreten und haben sich dem VfL Westercelle angeschlossen. Weil auch die Wechselfrist bis zum 31. Januar eingehalten wurde, gingen die Zwölfjährigen davon aus, nach der Winterpause für ihren neuen Verein in der Rückrunde auflaufen zu können. Doch daraus wird nichts.

„Die Verantwortlichen der SG haben die Freigabe verweigert. Das zieht eine sechsmonatige Sperre über das Saisonende hinaus nach sich“, erklärt Matthias Paschke, Abteilungsleiter der Westerceller. Weil die neue Spielzeit erst nach den Sommerferien beginnt, bedeutet das: Die D-Jugendlichen können erst in rund neun Monaten wieder in einem Pflichtspiel gegen den Ball treten.

Auch wenn der SG rein rechtlich nichts vorzuwerfen ist, reagiert Paschke mit Unverständnis auf die Weigerung: „So etwas habe ich in den letzten 15 Jahren noch nie erlebt. Da dürfen Kinder aus vereinspolitischen Gründen ihrem Hobby bis zum Sommer nicht nachgehen“, sagt Paschke und fragt: „Sollte ein Verein nicht im Interesse eines Kindes handeln?“ Schließlich hätten sich die Kinder bewusst für eine sportlich stärkere Mannschaft entschieden. „Dieser Entwicklungsschritt wurde ihnen verwehrt. Die Verlierer sind eindeutig die Kinder.“

Bei der Spielgemeinschaft sieht man die Sache naturgemäß anders: „Westercelle spielt in derselben Liga wie unsere Mannschaft. Eine größere sportliche Perspektive kann ich bei einem Wechsel zum jetzigen Zeitpunkt nicht erkennen“, entgegnet Arne Schweitzer, Vorsitzender der SG Eldingen. „Ein Wechsel im Sommer wäre kein Problem gewesen. Wir erwarten aber von den Kindern und den Eltern eine Verlässlichkeit, die mehr als ein halbes Jahr hält“, so Schweitzer. Man habe es sich nicht leicht gemacht und lange über den Fall diskutiert, schließlich sei aber eine – wenn auch knappe – Mehrheitsentscheidung gefallen.

Das talentierte Trio gehörte laut Schweitzer zu den Leistungsträgern der SG-Mannschaft. „Das reißt eine große Lücke, die auch unsere zweite Mannschaft betrifft, aus der wir jetzt den Kader der U13 auffüllen müssen.“

Ein weiterer Fakt, an dem sich die SG-Verantwortlichen reiben: Neuer Trainer der Jungen beim VfL ist Jonas Sieme. Der ist aber auch gleichzeitig Kreisauswahltrainer der Drei. Schweitzers Verdacht: Sieme sucht sich bereits in der Winterpause die „beste Truppe“ für sein Westerceller Team zusammen. Ein Vorwurf, den Paschke von sich weist: „Als absolute Ausnahme ist Sieme wegen einer beruflich bedingten spontanen Absage des bisherigen Coaches bei der U13 eingesprungen.“

Zusätzliche Brisanz bekommt der Fall dadurch, dass einer der drei „Abtrünnigen“ der Sohn des SG-Trainers Peter Nacke ist. „Ich sitze zwischen den Stühlen“, sagt der 45-Jährige. Einerseits sieht er seine eigene Truppe durch die Austritte „extrem geschwächt“. Andererseits sagt er: „Wenn sich die Spieler weiterentwickeln wollen, müssen sie irgendwann vom Dorfverein zu einem Klub mit höheren Ambitionen gehen. Und letztlich entscheiden die Kinder über den Zeitpunkt. Man kann sie zu nichts zwingen. Und die Drei wollten unbedingt sofort nach Westercelle.“

Die gute Nachricht in dem verzwickten Fall: Nacke senior will der SG als Trainer treu bleiben. „Auch wenn mein Sohn wechselt: Ich kann den Rest doch nicht im Stich lassen.“ Und auch vonseiten der SG Eldingen/Höfer/Hohne ist das Tischtuch nicht zerschnitten: „Das Vertrauen zum Trainer ist da. Wir freuen uns, wenn er weitermacht“, so Schweitzer.

Die Freude bei den gesperrten Spielern hält sich jedoch in Grenzen. Ihr neuer Coach Sieme versucht ihnen Mut zu machen: „Wir werden die Drei mit vielen Freundschaftsspielen bei Laune halten.“