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Fußball regional Nur beim HSV: Chaos ist auch 2017 Programm
Sport Fußball regional Nur beim HSV: Chaos ist auch 2017 Programm
20:18 23.12.2016
Von Oliver Schreiber
Hamburger SV
Hamburg

Januar

Der HSV will mit aller Macht den ersten Bundesliga-Abstieg vermeiden. Investor Klaus-Michael Kühne stellt weitere 100 Millionen Euro zur Verfügung, damit der Klub endlich einen neuen Innenverteidiger und einen neuen Sechser verpflichtet. Problem: Der neue Vorstandsvorsitzende Heribert Bruchhagen findet einfach keinen neuen Sportchef, der diese Transfers realisieren kann. Kurzerhand bittet Bruchhagen den früheren Sportdirektor, Ex-Spieler, ehemaligen Vorstandsboss, zukünftigen Aufsichtsratsvorsitzenden und Trainer in spe Dietmar Beiersdorfer, nun doch wieder den Posten des Sportchefs zu übernehmen.

Beiersdorfer willigt ein und geht auf große Einkaufstour: Er holt sechs Stürmer. Dummerweise ist das Geld danach alle. „An den Innenverteidiger und den Sechser hatte ich irgendwie nicht mehr gedacht. Mein Einkaufszettel ist mir leider aus meinem Rucksack gestohlen worden. Ist aber auch egal. Unsere Spielphilosophie sieht ja eh Offensivfußball vor, da brauchen wir keine defensiven Leute, die alles zerstören.“

Seinem Vorgesetzten wird es zu bunt. Er feuert Beiersdorfer, will ihn aber als Chauffeur behalten: Bruchhagen: „Der Didi ist halt so nett“. Beiersdorfer lehnt allerdings ab – er hat nämlich ein neues Jobangebot.

Februar

Beiersdorfer übernimmt von Wolfgang Lidle den Vorsitz beim TuS Celle FC. „Hier haben Trainer-Rauswürfe sowie Entlassungen von Sportvorständen und Geschäftsführern Tradition. Hier fühle ich mich wohl, hier kann ich alle drei Wochen einen Neuanfang starten“, frohlockt Beiersdorfer. Dessen Ex-Klub HSV kommt einfach nicht in die Spur. Es fehlen ein Innenverteidiger und ein Sechser, die für Stabilität in der Defensive sorgen.

März

Nach der Heim-Niederlage gegen Borussia Mönchengladbach zieht Bruchhagen die Reißleine und feuert Trainer Markus Gisdol. Bei der Suche nach einem Nachfolger wird der HSV schnell fündig: Beiersdorfer soll‘s richten. „Diese Variante hatten wir noch gar nicht, glaube ich. Irgendwas muss er ja können“, erläutert Bruchhagen diese nur für Hamburger Verhältnisse völlig nachvollziehbare Entscheidung. Beiersdorfer ist Feuer und Flamme, legt sein Amt beim TuS FC nieder und coacht die Truppe.

April

Auch mit dem beliebten Didi als Cheftrainer wird es nicht besser. Nach der 13:14-Niederlage im Derby gegen Werder Bremen wirft Beiersdorfer wieder das Handtuch. „In diesem Kader fehlen mindestens noch ein Innenverteidiger und ein Sechser. Welcher Ahnungslose ist denn hier für die Einkaufspolitik zuständig?“, zürnt Beiersdorfer.

Bruchhagen begibt sich erneut auf Trainersuche. Stolz verkündet er nach einigen Tagen die Verpflichtung von Bruno Labbadia. „Einen geeigneteren Mann hätte ich gar nicht finden können. Der ist immerhin Hamburger des Jahres 2015“, freut sich Bruchhagen.

Nach dem dezenten Hinweis des neuen Aufsichtsratsvorsitzenden Lotto King Karl, dass Labbadia schon zweimal HSV-Trainer war und noch immer auf der Gehaltsliste steht, rudert Bruchhagen zurück. „Ich bin bei meinen monatelangen Recherchen auf der Liste der ehemaligen Trainer der vergangenen 20 Jahre nur bis zum Buchstaben F gekommen. War der wirklich schon mal hier? Wenn ich das gewusst hätte, hätte ich natürlich einen Trainer geholt, der den HSV noch nicht kennt und frischen Wind reingebracht hätte. Zum Beispiel einen Mirko Slomka. Oder einen erfahrenen Haudegen wie Felix Magath, Armin Veh, Huub Stevens, Klaus Toppmöller, Bert van Marwijk oder Martin Jol. Aber gut, jetzt versuchen wir es halt wieder mit dem Bruno“, erklärt Bruchhagen.

Mai

Labbadia schlägt als Trainer voll ein und hievt den HSV mit einem Kraftakt noch auf den Relegationsplatz. Gegner ist Hannover 96. Die ziehen ihre Teilnahme zurück, als sie erfahren, dass Schiedsrichter Manuel Gräfe beide Relegationsspiele leiten soll. „Da können wir uns das Ganze gleich sparen. Außerdem ist dieser Dino eh unsterblich“, heißt es aus Hannover. So verbleibt der HSV erneut in der Bundesliga.

Juni

Lotto King Karl tritt vom Posten als Aufsichtsratsvorsitzender zurück, nachdem immer wieder Interna aus konspirativen Sitzungen an die Öffentlichkeit dringen. Man vermutet seinen Stellvertreter, das HSV-Maskottchen „Hermann“, hinter den Indiskretionen. Zumal niemand genau weiß, wer unter dem Dinosaurier-Kostüm steckt. Lotto King Karls Nachfolger wird Kult-Fan „Helm-Peter“.

Bruchhagen wird das alles zu viel. Entnervt sucht er das Weite – sprich: Er zieht das Rentnerdasein in seinem Heimatort doch wieder vor. „Wenn ich es recht überlege: So schlimm ist Harsewinkel nun auch wieder nicht ...“

Juli

Aufsichtsratschef „Helm-Peter“ bemerkt, dass nach Bruchhagens Demission nicht nur ein Vorstandsboss fehlt, sondern seit Februar auch ein Sportdirektor. Das war beim HSV schon gar keinem mehr aufgefallen. „Helm-Peter“ übernimmt kurzerhand beide Jobs und übergibt die Führung des Aufsichtsrats an Didi Beiersdorfer. „Diesen Job beim HSV hatte er noch nicht, glaube ich“, so der „Helm-Peter“.

August

Investor Kühne startet einen letzten Versuch, dem Dino wieder Leben einzuhauchen. Er verkauft sein Logistik-Imperium für fünf Milliarden Euro und pumpt den kompletten Erlös in den HSV. Bedingung: Es müssen endlich ein neuer Innenverteidiger und ein neuer Sechser her.

„Helm-Peter“ und sein Berater Beiersdorfer begeben sich auf die Suche. Doch sie blitzen sowohl bei Jerome Boateng („Ich habe leider wenig Zeit, muss mich um meine Brillen-Kollektion kümmern“), Mats Hummels („Irgendwie passt der HSV nicht so ganz in meinen Karriereplan“) und Sami Khedira („Ich wollte meine Karriere noch nicht so früh beenden“) ab. Daraufhin entscheiden sich beide kurzerhand für sieben weitere Offensivkräfte. Vom Rest der Kühne-Milliarden werden Abfindungen für ehemalige Trainer, Sportdirektoren und Vorstandsvorsitzende bezahlt.

September

Der HSV findet sich zu Anfang der Saison obligatorisch im Tabellenkeller wieder. Die Defensive wackelt bedenklich. „Die sportliche Führung hat es versäumt, einen Innenverteidiger und einen Sechser zu verpflichten. Das ist Versagen auf ganz hohem Niveau“, motzt der Aufsichtsratsvorsitzende Beiersdorfer, feuert daraufhin Vorstands- und Sportchef „Helm-Peter“ und übernimmt dessen Ämter.

Investor Kühne kapituliert, macht die Schatulle dicht und ändert sein Testament. Alleinerbe seines Vermögens wird der FC St. Pauli.

Oktober

Beiersdorfer bemerkt, dass er laut Satzung gar nicht alle seine aktuellen drei Ämter bekleiden darf und tritt als Aufsichtsratsvorsitzender zurück. Sein Nachfolger wird Dittsche, der sich gleich mit einer „Weltidee“ einführt: Er ernennt Maskottchen „Hermann“ zum neuen Sportchef.

Und endlich wird auch das Geheimnis gelüftet, wer sich unter dem Dino-Kostüm verbirgt. Es ist der ehemalige Sportchef Peter Knäbel. „Didi hatte mich zwar damals als Sportchef beurlaubt, aber mir stattdessen diesen Job gegeben. Das hatte er wohl vergessen. Super, jetzt kann ich beide Jobs in Personalunion erledigen“, so Knäbel.

Vereinsikone Uwe Seeler verzweifelt und ist mit den Nerven am Ende. „Uns Uwe“ kündigt seine HSV-Mitgliedschaft und schließt sich Werder Bremen an.

November

Nach einer Siegesserie im November klettert der HSV auf Platz 13 in der Tabelle. Der Vorsprung auf den Relegationsplatz beträgt stolze acht Punkte. Labbadia wird daraufhin entlassen. „Unser Saisonziel Relegationsplatz war durch die jüngsten Erfolge akut gefährdet. Ich war praktisch zum Handeln gezwungen“, erklärt Beiersdorfer. Labbadias Nachfolger auf der Trainerbank wird Sportchef Peter Knäbel. „Ich will nur ganz sichergehen, dass wir bis zur Winterpause keine Punkte mehr holen, damit wir den Relegationsplatz nicht aus den Augen verlieren“, erläutert Beiersdorfer.

Dezember

Nach einer Niederlagenserie unter Knäbel fällt der HSV wieder auf den Relegationsplatz zurück. Beiersdorfer frohlockt, aber die Fans haben die Schnauze voll. Die HSV-Supporters besetzen die Geschäftsstelle und verfrachten sämtliche Mitarbeiter auf ein Schiff Richtung Madagaskar. Die Supporters nehmen Kontakt zum HFC Falke auf. Der Klub, der von enttäuschten HSV-Fans aus Protest gegen die Ausgliederung der HSV-Profifußballer aus dem Gesamtverein 2014 neu gegründet worden war, übernimmt die Amtsgeschäfte.

Gleichzeitig wird der HSV-Kader komplett durch den des Kreisligisten HFC ersetzt. Einziges Problem: Es mangelt an Innenverteidigern und Sechsern. Aber dafür wird der HSV bestimmt eine Lösung finden ...