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Fußball regional Ostermann: „Soziale Kompetenz wird wichtiger“
Sport Fußball regional Ostermann: „Soziale Kompetenz wird wichtiger“
14:12 23.12.2011
Von Jürgen Poestges
Hartmut Ostermann, der Vorsitzende des - Kreissportbundes Celle, ist mit dem Sport-Jahr 2011 - zufrieden: Quelle: Peter M¸ller
Celle Stadt

„Ich denk, es war ein gutes Jahr“, singt Reinhard Mey – und das meint auch Hartmut Ostermann, der Vorsitzende des Kreissportbundes (KSB) Celle. „Wir haben so einiges auf den Weg gebracht im Jahr 2011“, sagt er im vorweihnachtlichen Gespräch in der Sportredaktion der Celleschen Zeitung.

Die Konferenz des Sports in der Stadt Celle meint er da zum Beispiel. „Das war eine gute Sache, dass die Verwaltung da alle an einen Tisch gerufen hat. Und ich finde, das sollte ein regelmäßiges Treffen werden, mindestens ein Mal im Jahr. Das ist praktizierte Transparenz, wenn die Verwaltung und die Vereine offen miteinander reden.“ Dass dann so „nebenbei“ noch die von der Politik vorgegebene Summe von 63.000 Euro gewährleistet wurde, sei umso besser.

Gleichzeitig seien auf diesem Wege auch die verschiedensten Vereine zusammen gekommen. „Da ist dann mal über den Tellerrand des eigenen Vereines hinweg geschaut worden, es wurde für die Probleme von anderen sensibilisiert.“

Allerdings: „Die Vorgabe der Einsparsumme durch die Politik war der falsche Weg. Auch der Sport ist bereit, sich einzubringen, wenn die Kasse kneift. Aber ich halte es für falsch, da schon mit einer Summe in die Gespräche zu gehen.“

Positiv bewertet Ostermann auch, dass nun im März eine weitere Konferenz des Sports geplant ist, in der es um das sogenannte „Celler Modell“ gehen soll. „Damit gibt man den Vereinen mehr Eigenverantwortung. Es soll allerdings auf jeden Fall so geregelt werden, dass sowohl der Verein als auch die Kommune davon profitieren“, erklärt er zu dem Modell, bei dem die Vereine einen bestimmten Betrag erhalten und damit bestimmte Tätigkeiten auf Sportplätzen in eigener Regie übernehmen. Ostermann: „Das hat auch den Vorteil, das Vereine für bestimmte Maßnahmen Zuschüsse beantragen können, was einer Kommune nicht möglich ist.“

Ein weiteres wichtiges Feld ist die Zusammenarbeit zwischen Schulen und Vereinen. „Wir hatten zu dem Thema eine sehr gut besuchte Podiums-Diskussion. Und dabei sind schon einige Berührungsängste beseitigt worden.“ Man müsse den Schulen klar machen, dass eine Betreuung während eines Ganztags-Angebotes mit einem Übungsleiter aus einem Sportverein qualitativ hochwertig sei. Dazu wird derzeit die Einrichtung eines Pools von haupt- und ehrenamtlichen Übungsleitern angestrebt. „Ich weiß, dass das eine verdammt schwere Aufgabe ist, so etwas zu koordinieren. Schon alleine das zeitliche Problem ist dabei nicht zu unterschätzen. Aber wir müssen versuchen, in diesem Bereich ein guter Ansprechpartner zu werden.“ Man dürfe dieses Feld nicht privaten Anbietern überlassen, die den Schulen ein „Rundum-Wohlfühl-Programm“ anböten, bei dem dann aber letztlich nur gewährleistet sei, dass die Kinder beaufsichtigt würden.

Wobei Ostermann da aber keineswegs das „amerikanische Modell“ vor Augen hat, wo sich ganze Ligen aus Schulmannschaften gebildet haben. „Vielmehr sollen die Kinder so auf den ein oder anderen Sportverein aufmerksam gemacht werden.“ Es gehe bei dem Angebot für die Schulen auch nicht nur um die etablierten Sportarten wie Fußball oder Handball. „Es ist doch durchaus denkbar, dass auf diese Weise die ein oder andere Randsportart mal in die Schulen gebracht werden kann.“

In anderen Kreissportbünden sei man in der Zusammenarbeit mit den Schulen schon weiter. „Aber wir haben hier jetzt einen guten Start hingelegt. Und ich denke, dass wir auf einem guten Weg sind, weil die ersten Mauern zwischen den Schulen und den Sportvereinen zumindest dünner geworden sind.“

Auf einem guten Weg ist auch die angestrebte Kooperation mit den Sportbünden Soltau-Fallingbostel und Harburg. Nach einem Beschluss des Landessportbundes aus dem Jahr 2010 sollen bis spätestens zum Jahresende 2014 die Verträge geschlossen werden. Ostermann: „Dabei geht es um vier Handlungsfelder: Bildung, Sportjugend, Sportentwicklung und Vereinsentwicklung.“ Ein Feld, auf dem die Kooperation schon greift, ist das „TfT-Programm“: Training für Trainer. „Im Bereich der Fort- und Weiterbildung von Übungsleitern lassen sich die Aktivitäten sehr gut bündeln und dadurch günstiger gestalten. Und es werden Synergien genutzt.“

Ostermann geht indes davon aus, dass die Sportvereine umdenken müssen. „Über das reine Sportangebot hinaus gibt es eine hohe Sozialfunktion für die Vereine. Wo Menschen sind, gehen auch Menschen hin – im Verein muss man sich gut aufgehoben fühlen.“ Viele kämen alleine zu den Gruppen, weil der Übungsleiter auch eine Identifikationsfigur sei. „Die soziale Kompetenz wird immer wichtiger“, so Ostermann.

Im vergangenen Jahr hatte der Kreissportbund in Celle auch wieder mit schwindenden Mitgliederzahlen zu kämpfen. „Wir sind momentan bei unter 70.000 Mitgliedern.“ Im einzelnen Verein sie das noch nicht so zu bemerken. „Da sind es vielleicht mal vier oder fünf weniger, aber in der Gesamtheit bei rund 260 Vereinen im Landkreis, da summiert sich das dann. Und das bedeutet dann eben auch weniger Beiträge.“

Er werde wohl nicht darum herum kommen, beim nächsten Kreissporttag 2013 eine Beitragserhöhung zu verkünden. Denn auch der Landessportbund verlange höhere Abgaben. Ostermann: „Dort machen sich die rückläufigen Mitgliederzahlen natürlich auch bemerkbar. Und da wird das Problem nach unten durch gereicht.“