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Fußball regional Resolute Frau in der rauen Männerwelt
Sport Fußball regional Resolute Frau in der rauen Männerwelt
12:46 17.11.2010
Von Christoph Zimmer
Bianca Janetzko trainiert seit vier Jahren die Fußballer des MTV Langlingen II. Quelle: Gert Neumann
Langlingen

In der Halbzeitpause ging es ausgesprochen laut zu. Eine Tatsache, die an sich noch nicht erwähnenswert wäre, wenn man sich dem Phänomen der Kabinenansprache im kleinen Fußball nähert. „Die Kritik an unserem Spiel war groß. Wir haben uns einiges anhören müssen“, erinnert sich Daniel Freise, 24, an diesen nasskalten Sonntagnachmittag im November, der nicht nur für den Torhüter der zweiten Mannschaft des MTV Langlingen einen furchtbaren Anfang genommen, sondern die wortgewaltige Ausführungen nach den ersten 45 Minuten erst heraufbeschworen hatte.

Der Grund hierfür waren aber nicht nur die Eigentore von Maxim Kutscher und Andre Königsbrück, die das 1:4 im Spitzenspiel der 3. Kreisklasse gegen den SSV Groß Hehlen II auf eine aberwitzig unglückliche Art und Weise eingeleitet hatten, vielmehr war es der schwache Auftritt an sich. Einen feinen Unterschied gab es aber: denn in der Halbzeitpause galt die ganze Aufmerksamkeit der am Boden zerstörten Spieler einer Frau.

Bianca Janetzko, 36, hatte die konfuse Darbietung ihrer Mannschaft in der ersten Halbzeit erstaunlich geduldig über sich ergehen lassen, nahezu geräuschlos lehnte sie mit verschränkten Armen an dem Handlauf, der das Spielfeld an der Seitenlinie begrenzt. Dann brach es aus ihr los. „Was soll ich dazu sagen, das habe ich noch nicht erlebt“, brüllte sie erst hinter verschlossenen Türen. Eine aufmerksame Stille. Was nicht an der geradlinigen Wortwahl liegt, sondern daran, dass es in Langlingen längst nichts besonderes mehr ist, von einer Frau trainiert zu werden. „Das macht keinen Unterschied. Sie ist eine absolute Respektsperson“, weiß Freise.

Das war zunächst nicht so. „Am Anfang hat es in der Mannschaft schon einige Bedenken gegeben“, sagt Freise. „Für den einen oder anderen war es eine komisches Vorstellung, wenn auf einmal eine Frau an der Seitenlinie steht.“ Was sich aber bald ändern sollte. Nach dem Rücktritt des bisherigen Trainers unterbreitete die bisherige Betreuerin der Mannschaft vor viereinhalb Jahren ein Angebot. „Wollt ihr einen neuen Trainer oder soll ich das machen“, fragte sie in die Runde und ließ die Spieler mit der Entscheidung allein. „Wir haben uns schon nach wenigen Minuten verständigt und darauf geeinigt, wer ein Problem damit hat, kann seinen Spielerpass nehmen und gehen“, erinnert sich Freise. Alle blieben sitzen.

Die durchaus mutige Entscheidung wird nur noch von außen müde belächelt, da eine Frau im Herrenfußball noch immer nicht jedermanns Sache ist. In Langlingen ist das anders. Was vor allem daran liegt, dass Bianca Janetzko „sehr viel Wert auf harte Arbeit“ legt. „Ich kann sehr viel zum Spaß machen“, sagt sie mit einem entschlossenen Unterton in der Stimme, „aber nicht Fußball. Da will ich immer gewinnen.“

Vielleicht ist es gerade diese Eigenschaft, die es ihr leicht gemacht hat, sich in der Männerwelt durchzusetzen, mit dem überkommenen Rollenverständnis im Fußball kann sie ohne nichts anfangen. „Am Ende kommt es doch nur auf den Erfolg an.“ Zuletzt sind sie dreimal knapp am Aufstieg gescheitert, im Pokalhalbfinale hieß es zweimal Endstation. In dieser Saison haben sie noch Großes vor. Da lässt sich die Frau unter Männern gewiss nicht von zwei Eigentoren und einer ärgerlichen Niederlage abbringen.