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Fußball regional Sandige Action vor leeren Rängen (mit Bildergalerie)
Sport Fußball regional Sandige Action vor leeren Rängen (mit Bildergalerie)
08:10 04.06.2018
Von Heiko Hartung
Spektakuläre Fallrückzieher sind beim Beachsoccer ein probates Mittel, um zum Torerfolg zu kommen. Quelle: Oliver Knoblich (5)
Celle Stadt

Am Ende reckten die Spieler des 1. FC Versandkostenfrei aus Rostock den silberfarbenen Pokal in den blauen Himmel. Im Endspiel schlug der Beachsoccer-Erstligist den Wuppertaler SV mit 3:2. Dabei hatten die Mecklenburger in der Celler „Sandkiste“ schon mit 0:2 zurückgelegen. Aber ein Dreierpack von Christoph Lüth mit dem Siegtreffer eine Minute vor Abpfiff drehte die Partie. „Da hat auf den letzten Metern alles perfekt gepasst“, freute sich der Matchwinner, triefend von den Bierduschen seiner Kameraden. Am Abend zuvor war der 30-Jährige – wie fast alle Spieler der zwölf Teams – nach dem „Glasperlenspiel“-Konzert auf dem benachbarten Schützenplatz noch in der Celler Disko „Inkognito“ gewesen. Und auch da hatte Lüth nach Meinung seiner Kameraden die Nase vorn. „Stimmt. Ich hatte die meisten Striche auf dem Deckel“, erzählt er lachend und lüftet das Geheimnis des Teamnamens: „FC Porto gab‘s schon, da haben wir uns eben Versandkostenfrei genannt.“

Tolle Tore wie Sand am Meer, aber kaum jemand wollte sie sehen. Allein das letzte Drittel des Endspiels der 1. Celler Beachsoccer Open auf der Allerinsel hätte gestern mehr Publikum verdient gehabt. Denn es bot alles, was die Sportart Strandfußball so faszinierend macht: Spektakuläre Fallrückzieher, Flatterbälle, Direktabnahmen und Zweikämpfe, bei denen der Sand meterhoch fliegt – und das alles bei heißen Beats aus den Lautsprecherboxen und hochsommerlichen Temperaturen. „Sieht irgendwie brasilianisch aus“, sagte einer der wenigen Zuschauer während des Finals der CBSO, die am Sonntag nach drei Tagen mit Gruppen- und K.o.-Spielen neben dem Celler Hafenbecken zu Ende gegangen sind.</p>

Sportlich weniger erfolgreich, aber genauso spaßig lief es für die beiden Celler Vertreter SC Vorwerk und MTV Eintracht. Nach ihren Auftaktniederlagen am Freitag war auch am Samstag nicht viel zu holen. Immerhin traf Vorwerk im Gruppenspiel gegen den späteren Sieger dreimal ins Tor, kassierte aber auch neun Treffer. Damit war der Bezirksligaaufsteiger genauso Letzter in seiner Gruppe wie MTVE, der mit 2:9 gegen die Beach Royals Düsseldorf verlor. Weil beide Lokalmatadoren auch ihre Platzierungsspiele in den Sand setzten, kam es im Spiel um Platz 11 zum Celle-Derby. Das entschied Eintracht nach Treffern der Altenceller „Leihgabe“ Janick Rienass sowie Kai Meyer, Tim Struwe und Tjark Klindworth mit 4:1 für sich. Vorwerks Ehrentreffer erzielte Serhat Cango. „Wir müssen uns bei Organisator Daniel Herzog bedanken. Das Turnier und das Drumherum war perfekt aufgezogen“, sagt MTVE-Spieler Björn Lohmann. „Wir hätten uns volle Tribünen gewünscht, dann hätte es noch mehr Spaß gemacht“, bilanziert der Eintracht-Kapitän.

Diesem Wunsch schloss sich auch der an, dem Lohmanns Kompliment galt. „Geiles Event, falscher Ort“, meinte Organisator Herzog, „ich bin enttäuscht von der Resonanz der Celler. Da hätte ich mehr Zuspruch erwartet.“ Mehr als 1000 Sitzplätze boten die mobilen Tribünen rund um die „Sandkiste“, insgesamt wurden an den drei Tagen nur etwa 300 Tickets verkauft. Weil zum Auftakt am Freitag mehr Zaungäste an der einsehbaren Seite zum Hafenbecken standen als zahlende Besucher im Innenraum weilten, ließ Herzog auch an dieser Seite Sichtblenden aufstellen. Doch das lockte auch nicht mehr Zuschauer hinein. Der 29-Jährige setzte am Finaltag sogar noch den Eintrittspreis herunter und öffnete vor dem Endspiel die Zugänge, um den Teams einen würdigeren Rahmen zu ermöglichen. Unglücklich war sicherlich die parallel stattfindende Bezirksliga-Relegation gestern in Altencelle mit 1300 Besuchern.

„Man hätte noch mehr Vereine aus dem Landkreis Celle dabei haben müssen, die ihre Fans mitbringen“, glaubt Zuschauer Christian Riebandt (54) aus Celle, der an zwei Tagen mit Frau und Sohn dabei war. Ob es eine Neuauflage der Beachsoccer Open gibt, ist ungewiss. Denn das Doppel-Event mit dem Glasperlenspiel-Auftritt war für Herzog „ein finanzielles Fiasko“. Und so bleibt von den CBSO nur ein Sandhaufen von 500 Tonnen Gewicht am Hafen zurück. „Wer Sand braucht, kann sich ab Montag bedienen“, sagt Herzog.