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Fußball regional Schiedsrichter-Streik zeigt Wirkung: Celler Fußballer benehmen sich besser
Sport Fußball regional Schiedsrichter-Streik zeigt Wirkung: Celler Fußballer benehmen sich besser
16:33 04.02.2015
Von Oliver Schreiber
Die Schiedsrichter haben mit den Celler Kickern immer weniger Probleme. Im Vordergrund stand zuletzt der Fußball - und keine Gewaltexzesse gegen Referees Quelle: Alex Sorokin
Celle Stadt

Die Botschaft der Celler Schiedsrichter scheint angekommen zu sein. Nach ihrem zweiwöchigen Boykott auf Grund der zunehmenden Gewaltexzesse gegen sie haben sich die Celler Fußballer besser benommen als vorher. Beleg dafür ist die Halbzeitbilanz in der Fairplay-Wertung des Niedersächsischen Fußball-Verbandes (NFV). Dort haben die Kicker aus Stadt und Landkreis erstmals seit drei Jahren wieder den letzten Platz verlassen.

„Das sind erste positive Signale, die uns natürlich freuen. Jetzt geht es aber um Nachhaltigkeit. Ich hoffe sehr, dass durch den Boykott tatsächlich ein Lerneffekt bei allen Beteiligten eingetreten ist und das kein kurzfristiges Phänomen ist“, erklärt Kreisschiedsrichter-Obmann Michael Frede.

Von insgesamt 43 Kreisen ist Celle immerhin auf Rang 38 emporgeklettert und hat die rote Laterne an Wilhelmshaven abgegeben. Auch die Celler Kreisliga ist nicht mehr die größte „Knüppel-Liga“, diesen schlechten Ruf hat jetzt die Kreisliga Friesland/Wilhelmshaven/Wesermarsch übernommen.

Allerdings ist das nur eine Zwischenbilanz. Denn in der Rückrunde, wenn es vor allem in der Endphase um Auf- oder Abstieg geht, liegen die Nerven blanker. „Dann wird sich zeigen, inwieweit auch alle verstanden haben, dass Gewaltexzesse auf dem Fußballplatz nichts verloren haben“, so Frede.

Ende August hatte Celles Schiri-Boss zusammen mit seinen Kollegen für viel Aufsehen gesorgt. Nach wiederholten tätlichen Angriffen gegen Referees streikten die Unparteiischen zwei Spieltage lang – ein bisher einmaliger Vorgang, der deutschlandweit Beachtung fand. Die Klubs mussten sich selbstständig um Ersatzschiedsrichter bemühen, bei den Partien der Wiederholungstäter vom SV Dicle Celle (Kreisliga) und dem TuS Celle FC II (3. Kreisklasse) werden sogar vorerst generell keine neutralen Schiris mehr angesetzt.

„Auch hier hat sich vieles zum Positiven verändert. Seit unserem Boykott gab es keinen einzigen Übergriff mehr auf einen Schiedsrichter und auch keinen durch Gewalttätigkeiten hervorgerufenen Spielabbruch. Auch bei den Spielen von Dicle und TuS Celle FC II nicht, obwohl da keine neutralen Schiris die Spiele geleitet haben“, sagt Frede.

Besonders erstaunlich ist die Entwicklung bei Dicle. Der Kreisligist war 2013/14 landesweit das unfairste von 1009 gewerteten Teams mit einem Quotienten von 6,32. Der SVD kassierte in 28 Spielen 96 Gelbe, 12 Gelb-Rote und 3 Rote Karten und musste dreimal vor dem Sportgericht antanzen. Im ersten Halbjahr dieser Saison waren es in 17 Spielen nur 21 Verwarnungen, zwei Platzverweise und eine Sportgerichtsverhandlung (Quotient: 2,29). Dies bedeutete in der Fairplay-Wertung einen gewaltigen Sprung auf Rang 316.

Damit ist Dicle die viertfairste von insgesamt 20 gewerteten Celler Mannschaften ab Kreisliga aufwärts hinter dem SV Altencelle, SV Nienhagen und TuS Bröckel (siehe Info-Kasten). „Das ist natürlich eine äußerst erfreuliche Entwicklung. Aber die Nachhaltigkeit muss auch hier bewiesen werden“, meint Frede. In der Rückrunde müssen die Celler Fußballer zeigen, dass die Botschaft angekommen ist.