Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Fußball regional Schiedsrichter zeigen Celler Fußballkreis die rote Karte
Sport Fußball regional Schiedsrichter zeigen Celler Fußballkreis die rote Karte
16:31 03.08.2017
Von Heiko Hartung
Celle Stadt

Nach der Hinserie hatten die Klubs des Fußball-Kreises den Tabellenkeller kurzzeitig verlassen und waren „nur“ Drittletzter vor Wilhelmshaven und Wittmund. Doch am Ende der Saison war Celle wieder im Tabellenkeller angelangt.

„Der Kreisverband hat präventive Maßnahmen zum fairen Miteinander auf dem Platz in die Wege geleitet, aber das hat offenbar noch nicht so gefruchtet“, sagt Kreisschiedsrichter-Obmann Michael Frede. Immerhin: Tätliche Übergriffe auf Referees sind laut Frede selten geworden – da hält der Lerneffekt vom Boykott der Celler Schiedsrichter aus der Saison 2014/15 offenbar noch an.

Trotzdem besteht in Sachen Fairplay noch viel Nachholbedarf: Mit einem Quotienten von knapp 3,2 liegt Celle mit Abstand auf dem letzten Platz. Der fairste Kreis war Bentheim (2,2), das beste Auftreten auf dem Platz hatten der SV Emmendorf (Bezirksliga Lüneburg 1) aus dem Kreis Uelzen und die TSG Seckenhausen-Fahrenhorst (Bezirksliga Hannover 1) aus dem Kreis Diepholz mit einem Quotienten von jeweils 1,03.

Davon können sie besonders in Wathlingen nur träumen: Mit 80 Gelben, vier Gelb-Roten und zwei Roten Karten in 28 Spielen sowie vier „Auftritten“ vor dem Sportgericht ist der VfL die unfairste Truppe im Kreis und belegt von 1000 gewerteten niedersächsischen Teams von der Bundesliga bis zur runter zur Kreisliga Rang 997 (Quotient 5,4). Nicht viel besser ist der SV Dicle auf Platz 995 (88 Gelbe, acht Gelb-Rote und vier Rote Karten in 28 Spielen, Quotient 4,7) sowie TuS Celle FC auf Rang 989 (90 Gelbe, sechs Gelb-Rote und acht Rote Karten in 32 Spielen, Quotient 4,3).

Für Claus Netemeyer, Coach des SV Altencelle (Rang 642 mit 73 Gelben und einer Gelb-Roten Karte, Quotient 2,7), fängt Fairplay beim Trainer an: „Du musst dich selbst im Griff haben und diese Disziplin auch von den Spielern fordern.“

In Wathlingen wurden erste Konsequenzen aus dem miesen Abschneiden gezogen. „Das ärgert uns selber, da muss man nichts schönreden“, meint Michael Laue, seit Februar Abteilungsleiter und selbst Schiedsrichter. Der Strafenkatalog wurde verschärft, die Gebühr für Rote Karten (etwa 30 bis 50 Euro) zahlen die Spieler selbst. Zudem müssen die Sünder den doppelten Betrag in die Jugendkasse des Vereins zahlen. Auch die Strafe für Gelb wegen Meckerns wurde auf 15 Euro verdreifacht. „Wenn einer die Strafe nicht zahlt, ziehe ich den Pass ein“, meint Laue (33). Auch VfL-Trainer Jens Gebler wolle „an sich arbeiten“. Der hauptberufliche Lehrer wurde von den Unparteiischen dreimal auf die Tribüne verbannt. Zudem habe man nach Tumulten einem Zuschauer Stadionverbot erteilt. Und dass man mit Rüpelhaftigkeit keinen Blumentopf gewinnt, haben sie in Wathlingen auch gemerkt: Der VfL stieg aus der Kreisliga ab.

Anders beim MTV Eintracht Celle, da gingen Fairness und Erfolg Hand in Hand. Der MTVE war nicht nur fairstes Team der Landesliga Lüneburg und des Fußball-Kreises Celle, sondern stieg auch in die Oberliga auf. Mit 38 Gelben, zwei Gelb-Roten und einer Roten Karte in 30 Partien (Quotient 1,6) rangiert die Elf von Trainer Hilger Wirtz insgesamt auf Platz 91 in Niedersachsen. „Eine schöne Auszeichnung“, freut sich der Coach und sagt: „Wenn man fußballerisch überzeugt, muss man wenig Foul spielen.“