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Fußball regional Stadt Celle streicht Zuschüsse für Sportvereine
Sport Fußball regional Stadt Celle streicht Zuschüsse für Sportvereine
17:21 22.12.2017
Von Heiko Hartung
Das Günther-Volker-Stadion des TuS Celle FC gehört - zu den Spielstätten mit den höchsten Betriebskosten. Quelle: Peter Müller (Archiv)
Celle Stadt

Auf die Celler Rasensport-Vereine, die auf städtischen Plätzen aktiv sind, kommen deutliche Mehrbelastungen zu. Ab 1. Januar 2019 bezahlt die Stadt den zwölf betroffenen Klubs nur noch die Hälfte der Betriebskosten für Wasser, Strom und Heizung. Ab dem 1. Januar 2021 fallen diese Zuschüsse komplett weg. Die Pflege der Rasenplätze übernimmt die Stadt weiterhin. Diese Pläne legte Oberbürgermeister Jörg Nigge (CDU) den Vertretern von VfL Westercelle, MTV Eintracht Celle, SV Altencelle, SC Wietzenbruch, ESV Fortuna Celle, SV Dicle Celle, TuS Celle FC, SV Garßen, SC Vorwerk, SSV Groß Hehlen, SSV Scheuen und VfL Altenhagen am Donnerstag im Neuen Rathaus vor. „Das hat nicht für Freudentänze gesorgt“, berichtet ein Vereinsvertreter.

Möglichst bald sollen neue Pachtverträge unterschrieben werden, in denen den Vereinen mehr Eigenverantwortung in der Unterhaltung ihrer Sportstätten übertragen wird. Damit können sich die Vereine auch von städtischen Geldern für die Bezahlung von vereinseigenen Platzwarten oder Reinigungskräften in ihren Sportheimen verabschieden. Wie bereits in einem Antrag der CDU-Fraktion formuliert, sollen die Sportförderrichtlinien dahingehend geändert werden, dass Zuschüsse weniger in die Infrastruktur fließen, sondern zielgerichtet in die Jugendarbeit. Derzeit werden pro Kind und Jugendlichem 2,55 Euro an die Vereine ausgeschüttet. Eine feste Summe wurde bei dem gut einstündigen Treffen nicht genannt, im Raum stand eine Erhöhung auf acht Euro. Damit sollen Impulse in der Jugendarbeit gesetzt werden.

Um welche Größenordnung geht es? Zur Begleichung der Verbrauchskosten zahlt die Stadt beispielsweise für den SSV Scheuen gut 3100 Euro pro Jahr. Beim SC Vorwerk fallen für Heizung, Strom und Wasser 6.600 Euro an, beim VfL Westercelle sind es etwa 10.000 Euro, beim SV Altencelle 11.000 Euro. Insgesamt spart die Stadt so ab 2021 jährlich rund 100.000 Euro. „Das trifft die Vereine hart“, sagt Marco Stradtmann, Vorsitzender des SV Garßen, dessen Verein durch den Wegfall der Betriebskostenzuschüsse 7000 Euro zusätzlich aufbringen muss. Hinzu kämen etwa 5000 Euro, mit denen sich die Stadt bislang an Platzwart- und Reinigungskosten beteiligt. Auf der anderen Seite stehen etwa 400 jugendliche Mitglieder, für die dann 3200 statt 1020 Euro fließen würden. Bedeutet unterm Strich 10.000 Euro weniger für den SVG. „Wir müssen schauen, wie wir diese Lücke schließen“, so Stradtmann. Andere Vereinsvertreter, die zum Teil nicht namentlich genannt werden möchten, haben bereits Ideen. Die reichen von einer energetischen Sanierung der Sportstätten, um Energiekosten zu reduzieren, über eine Einführung von Pachtzahlungen der Vereinswirte bis zur Anhebung der Mitglieds- oder Spartenbeiträge. Auch Gastvereine, die die Sportstätten regelmäßig mitnutzen, könnten an den Kosten beteiligt werden.

Doppelt hart treffen Nigges Pläne kleinere Klubs wie zum Beispiel TuS Celle FC oder SV Dicle, die keine eigene Jugendabteilung haben. „Wir müssen dann mit unseren 110 Mitgliedern etwa 11.000 Euro Betriebskosten wuppen und bekommen für unsere zehn jugendlichen Mitglieder keine nennenswerten Zuschüsse mehr“, listet Wolfgang Lidle, Vorsitzender des TuS Celle FC, auf. Dem Vernehmen nach wies Nigge in diesem Zusammenhang auf die Möglichkeit einer Fusion von Vereinen hin. Die Intension ist klar: Weniger Fußballvereine benötigen weniger Sportplätze. Das wiederum entlastet die Haushaltskasse der Stadt.

Klaus Rohr, Vorsitzender des MTV Eintracht, sieht durch den Wegfall der Betriebskostenübernahme „substanzielle Sparmaßnahmen“ auf die Vereine zukommen. Aufgrund der an mehreren Standorten verteilten Sportstätten des Klubs könne er die zusätzliche Belastung noch nicht beziffern. Das Saarfeld sei aber von der Regelung ausgenommen, da es unter anderem auch von Schulen genutzt werde.

Die Liegenschaften in die Eigenverantwortung der Vereine zu legen, habe durchaus Charme, so Rohr. Für die Stadt bedeute dies weniger Bürokratie, man selbst habe mehr Gestaltungsspielraum. „Wir können beispielsweise für größere Projekte Geld aus weiteren Fördertöpfen wie Landessportbund oder der Sparkassenstiftung einwerben.“

Garßens Stradtmann begrüßt die Transparenz, die sich durch den neuen Verteilungsschlüssel ergebe. „Dadurch wird die Sportförderung übersichtlicher, Ungleichbehandlungen ausgeräumt und gute Jugendarbeit belohnt.“ Er hätte sich allerdings vom Oberbürgermeister „dieses Treffen mit allen Beteiligten als Startschuss in die Sparrunde gewünscht“, die Einzelgespräche im Vorfeld hätten für viel Unruhe unter den Vereinen gesorgt.

Bestätigen wollte die Verwaltung die Zahlen und Fakten, die bei dem nichtöffentlichen Treffen unter Ausschluss der Presse genannt wurden, gestern nicht. In einer schriftlichen Stellungnahme hieß es lediglich: „In einem sehr konstruktiven Gespräch wurden die Informationen aus den Einzelgesprächen im Vorfeld sowie die unterschiedlich gewachsenen Strukturen in der Celler Sportlandschaft thematisiert. Ziel ist, in der Sportlandschaft eine transparente und für jeden nachvollziehbare Fördergrundlage zu schaffen.“ Weiterhin werde mit den Vereinen ein einheitliches Verfahren zur Verteilung städtischer Mittel entwickelt, „in welchem die besonderen Gegebenheiten jedes einzelnen Vereins Berücksichtigung finden“.