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Fußball regional Toni Amadi: Vom Kult-Keeper in Celle zum Weltmeister in Nigeria
Sport Fußball regional Toni Amadi: Vom Kult-Keeper in Celle zum Weltmeister in Nigeria
17:50 26.12.2013
Von Oliver Schreiber
Wathlingen

Vom Kult-Keeper zum Weltmeister: Toni Amadi hat es geschafft. Im Alter von 47 Jahren hat er in diesem Jahr den größten Erfolg in seiner Fußball-Karriere gefeiert. Nicht als Torwart – dafür ist er dann doch schon ein wenig zu alt – sondern als Trainer. Genauer genommen als Assistenzcoach der nigerianischen U17-Nationalmannschaft. Mit dem Nachwuchs der „Super Eagles“ ist er in Abu Dhabi durch ein 3:0 im Finale gegen Titelverteidiger Mexiko Weltmeister geworden.

Einen großen Anteil daran hatte Amadi, ehemaliger Publikumsliebling des TuS Celle FC zu glorreichen Regionalliga-Zeiten in den 90er Jahren. Der Ex-Coach des VfL Wathlingen und des SV Nienhagen ist in erster Linie für die Torhüter-Talente Nigerias zuständig. Und das mit durchschlagendem Erfolg. Sein Schützling Dele Alampasu erhielt den goldenen Handschuh als bester Schlussmann des WM-Turniers.

„Das macht mich natürlich stolz. Dele hat eine schwere Kindheit gehabt. Seine Mutter ist gestorben, als er noch ein Kind war. Sein Vater ist Taxifahrer. Dele selbst hat als Kind Wasser auf der Straße verkauft“, berichtet Amadi, der mit seinem Sozialprojekt „Mit Bildung und Sport gegen Armut“ vielen Straßenkindern in Suka und Nigerias Hauptstadt Abujan, wo er zur Zeit auch lebt, zu einem besseren Leben mit Perspektive verholfen hat.

So wie auch Dele Alampasu. „Ich habe ihm immer gesagt, dass er eine Chance hat, sein Leben zu ändern. This is your time! Don‘t allow any other person to take it. Go and take it!“, schildert Amadi seine Gespräche mit dem jungen Keeper, der im Februar 2012 nur Torwart Nummer vier war. „Aber dann haben sich alle drei Torhüter vor ihm verletzt. Ich habe ihn dann geholt und konnte nur noch zweieinhalb Monate mit ihm trainieren. Doch er war so ehrgeizig und trainingsfleißig, dass er schnell große Fortschritte gemacht hat“, so Amadi.

Die Früchte ihrer Arbeit haben sie dann gemeinsam bei der WM geerntet. Allerdings hat Amadis Job und sein soziales Engagement in Nigeria auch seine Schattenseiten. Seine in Wathlingen lebende Familie sieht er nur noch über Skype. „Meine Familie habe ich vor fast drei Jahren zurück in Wathlingen gelassen. Meine drei Töchter haben mich sehr vermisst und ich sie. Ich habe damals meine Arbeit als Leiter in einem Hort aufgegeben, um in Nigeria einen Förderverein für Straßenkinder zu gründen. Der Erfolg, der sich jetzt einstellt, war Resultat von harter Arbeit, Glück und Mut. Das zeigt, dass man im Leben nicht aufgeben darf“, erklärt Amadi.

Wenn er dann doch mal zu Besuch in Deutschland ist, sammelt er jede Menge Kleidung und Sportausrüstung für „seine“ Straßenkinder ein. „Ich bin wirklich dankbar für jede Unterstützung. Gerade auch aus dem Landkreis Celle kam sehr viel Hilfe, dafür möchte ich mich herzlich bedanken. Vor allem bei meinen ehemaligen Vereinen TuS Celle FC, SV Nienhagen und VfL Wathlingen“, sagt Amadi. Vielleicht kickt schon bald der nächste Weltmeister aus Nigeria in Klamotten dieser Celler Klubs. Toni wird‘s schon richten...