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Fußball regional Trio will Fußball-Landesligist TuS Celle FC retten
Sport Fußball regional Trio will Fußball-Landesligist TuS Celle FC retten
21:40 22.05.2015
Von Heiko Hartung
Kann sich vorstellen, auch künftig für den TuS Celle FC aufzulaufen: Yalcin Ozan (Mitte) macht seine Entscheidung aber auch vom Trainer abhängig. Quelle: Alex Sorokin
Celle Stadt

„Der TuS FC wurde oft totgesagt, aber irgendwie ging es immer weiter“, sagt Wolfgang Lidle. Der 53-Jährige war schon drei Mal im Vorstand des Celler Fußball-Klubs aktiv – nun könnte es ein viertes Mal geben. Zusammen mit Benjamin Stammen, Kassenprüfer des Klubs und Gründungsmitglied der Ultras Celle sowie Florian Schenk, früher Spieler und Enkel des TuS-Ehrenpräsidenten Günther Volker, will der frühere Vorsitzende Lidle den Klub retten.

Nach der außerordentlichen Mitgliederversammlung vor zwei Wochen, auf der der geplante Zusammenschluss mit dem MTV Eintracht Celle abgeschmettert wurde, seien viele Gespräche geführt worden. „Wir haben zehn, elf Leute beisammen, die bereit sind, Vorstandsarbeit zu machen und Posten im Umfeld zu besetzen“, sagte Lidle. Wer den scheidenden Klubchef Peter Hoop ablösen und künftig als 1. Vorsitzender den „Hut“ aufhaben soll, konnte Lidle gestern nicht sagen. „Wer welches Amt übernimmt, wird man sehen.“ Dafür stehe man mit „vier, fünf zum Teil namhaften Trainern“ in Kontakt. „Deadline ist in der kommenden Woche. Dann wollen wir der Mannschaft einen neuen Coach präsentieren.“

Lidle ist auch zuversichtlich, den Ausverkauf an Spielern stoppen zu können. Wie berichtet, stehen aus dem aktuellen TuS-Team neben Trainer Hilger Wirtz auch Stürmer Kirill Weber und Mittelfeldspieler Oguzhan Cay beim Nachbarn MTVE im Wort. Andere sind in engem Kontakt mit dem Bezirksliga-Meister und weitere verhandeln mit auswärtigen Klubs. „Stammen, Schenk und ich haben am Donnerstag nach dem Training mit den Spielern gesprochen. Wir wollen versuchen, einen Großteil der Mannschaft zusammenzuhalten. Und es sieht gut aus“, so der Celler Rechtsanwalt. Vor allem der „Kern der langjährigen TuSler“ habe Bereitschaft signalisiert, zu bleiben.

Das Ziel formuliert Lidle ganz eindeutig: „Wir werden in der Landesliga bleiben.“ Und er schickt gleich eine Kampfansage an den Konkurrenten hinterher. „Wir wollen dem MTV Eintracht zeigen, wer im Celler Fußball die Nummer eins ist.“ Brisant: Sollten die Rettungspläne des neuen Führungstrios in die Tat umgesetzt werden, käme es in der kommenden Saison zu zwei emotionsgeladenen Derbys zwischen den Blaugelben und dem bei vielen TuS-Anhängern verhassten „Emporkömmling“ MTV Eintracht von der anderen Seite des Zauns.

Bei schätzungsweise 90.000 Euro liegt der Gesamtetat in dieser Saison beim TuS FC. Ein Problem sieht Lidle darin nicht: „Ich bin zuversichtlich, dass wir da nah rankommen. Viele potenzielle Sponsoren haben sich schon gemeldet“, beteuert er. Voraussetzung sei, dass der Verein – wie vom scheidenden Vorsitzenden Hoop angekündigt – weitgehend schuldenfrei übergeben werde.

Hoop hatte unter anderem aufgrund von mangelnder Unterstützung aus dem TuS-Umfeld gemeinsam mit dem Sportlichen Leiter Jörg Klindworth eine Fusion mit dem MTVE vorangetrieben und nach dem Scheitern der Pläne seinen Rückzug spätestens zum 30. Juni angekündigt.

Den Leuten, die nun offenbar das Ruder beim TuS in die Hand nehmen wollen, sicherte Hoop Unterstützung zu. „Wir lassen niemanden ins offene Messer laufen“, so der Klubchef, der aber betont: „So eine Rückenstärkung für den Verein hätte ich mir schon früher gewünscht. Dann wären wir gar nicht erst in diese Situation gekommen“

Bis zum 8. Juni muss die Mannschaft für die neue Saison beim Verband gemeldet sein. Für eine Mitgliederversammlung mit Vorstandswahlen ist es aufgrund von Ladungsfristen bis dahin fast schon zu spät. „Wenn uns die neuen Macher den Auftrag erteilen, erledigen wir die Formalitäten“, verspricht Hoop. Den offiziellen Führungswechsel könne man später nachziehen.

Auch die frühere TuS-Vorsitzende Brigitte Friedrich hatte über ein erneutes Engagement bei dem Traditionsklub nachgedacht. „Es gibt viele verschiedene Grüppchen, die nicht an einem Strang ziehen. Da wird viel geredet, aber wenig getan. Wenn der Neustart systematisch und strukturiert unter Einbindung des alten Vorstand angegangen worden wäre, hätte ich mitgemacht. Aber so bin ich raus“, sagte Friedrich der CZ. Sie würde sich aber freuen, wenn der TuS weiter existiere. „Dann wäre mein jahrelanges Engagement für den Verein, nicht umsonst gewesen.“

Und was sagen die Spieler? „Ich kann mir vorstellen, beim TuS zu bleiben. Einige andere denken ähnlich. Aber man muss auch abwarten, wer als Trainer präsentiert wird“, sagt Außenverteidiger Yalcin Ozan und fügt hinzu: „Was uns von den neuen Leuten in der Kabine erzählt wurde, hatte Hand und Fuß.“ Der TuS Celle FC – er stand schon so oft am Abgrund. Geht es auch dieses Mal weiter? Irgendwie?