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Fußball regional TuS-Spieler werden zu „Legenden“
Sport Fußball regional TuS-Spieler werden zu „Legenden“
23:26 15.06.2012
Von Christopher Menge
Entscheidendes Relegationsspiel zur Fuflball-Oberliga: TuS Celle FC - FT Braunschweig Quelle: Peter M¸ller
Celle Stadt

„Helden seid ihr schon, werdet zu Legenden“, stand auf einem großen Banner, dass die Celler Ultras vor dem Spiel hochhielten. Zudem war jeder Name der Spieler zu lesen. Die Fans hatten sich etwas einfallen lassen und wurden nicht enttäuscht: Der TuS FC hat es geschafft: Nach dem 1:0-Sieg gegen die FT Braunschweig spielen die Celler wieder in der Oberliga Niedersachsen.

Gebannt verfolgte der dritte Vorsitzende Gert Stieler von der Tribüne die letzten Minuten. Als die Braunschweiger in der Nachspielzeit die Latte trafen, pustete er tief durch. Sekunden später war Schluss und Stieler konnte aus einer schwarzen Tüte die Aufstiegs-shirts zaubern. „Wir sind wieder da, Celles ewige Nummer eins“, stand auf den Shirts, die sich die Spieler während der Jubelszenen überstreiften.

„Das ist das beste und geilste, was dem Verein und der Stadt passieren kann“, jubelte Sven-Oliver Purcha, der es dem Trainer überhaupt nicht übel nahm, dass er in den beiden Relegationsspielen nicht zum Einsatz kam, „wir sind doch eine Mannschaft, ein besserer Saisonabschluss geht nicht.“

Etwas cooler war da schon der zweite Oldie im TuS-Team. Torhüter Eike Mach dachte im Freudenrausch nach dem Spiel schon an die nächste Saison. „Der Aufstieg kommt nicht von ungefähr, da steckt viel Arbeit dahinter und in der Oberliga geht die Arbeit erst los“, so der 43-Jährige, „wir müssen die neue Klasse halten.“

Nach 90 spannenden Minuten kannte der Jubel keine Grenzen. Fans und Spieler feierten gemeinsam auf dem Rasen des Günther-Volker-Stadions. „Nie mehr Landesliga“, war der Hit des Tages. Anschließend tanzten die Spieler ihre Aufstiegs-Humba.

Es war ein bisschen so wie zu guten, alten Regionalliga-Zeiten. 1453 Zuschauer sorgten für gute Stimmung und Bernd Nietsche saß in der Sprecherkabine und verlas die Mannschaftsaufstellungen. Mit einer gelb-blauen Choreographie hatten die Fans auf der Haupttribüne die beiden Mannschaften empfangen.

„Es war ein großer Vorteil, zu Hause zu spielen“, lobte Celles Innenverteidiger Lars Lutschewitz die Atmosphäre, „mit den Fans im Rücken war es viel einfacher als auswärts und der Aufstieg ist umso schöner.“ Lutschewitz, der eine Minute vor dem Ende den Matchball vergeben hatte, konnte sein Glück kaum fassen. „Das ist sensationell, dass wir in zwei Jahren zwei Mal aufsteigen“, freute sich Celles Nummer sechs, „der Trainer hat einen großen Anteil an unserem Erfolg, er stellt uns immer super auf die Gegner ein.“

Kapitän Marvin Stieler fehlten nach dem Schlusspfiff zunächst die Worte. „Das ist unglaublich, dass wir es geschafft haben“, jubelte Stieler, „ich freue mich vor allem für die Leute, die den Abstieg vor zwei Jahren miterlebt haben.“

„Jetzt sind wir gefordert, dass wir Sponsoren finden und Mitgliederwerbung betreiben“, sagte der Vorsitzende Peter Hoop, „für Celle ist es wichtig, dass wir wieder höherklassigen Fußball haben.“

Im Freudenrausch vergaßen die Spieler aber auch nicht Nils Rogge, der nach einem Zusammenprall in der 35. Minute vom Platz getragen werden musste und im Krankenhaus vom Sieg seiner Mannschaftskameraden erfuhr. Er war einer der Helden des Tages, für die Celler Ultras sogar eine Legende.

CELLE. In dem Augenblick, in dem ein Schmetterling mit seinen Flügeln schlägt, hatte Kais Manai in der sechsten Minute gesehen, dass Daniel Reck, der gegnerische Torwart, ein bisschen weit vor seinem Tor steht. „Danach habe ich einfach auf das lange Eck gezielt“, sagte der 39 Jahre alte defensive Mittelfeldspieler des TuS Celle FC, nachdem Marvin Stieler ihn mit einem schnell ausgeführten Freistoß auf der linken Seite freigespielt hatte.

In einer atemberaubenden Kurve senkte sich der Ball hinter dem Sohn des ehemaligen Bundesligatorhüters Oliver Reck in den rechten Torwinkel. Es war der entscheidende Treffer beim 1:0 (1:0) im entscheidenden Relegationsspiel um den Oberligaaufstieg gegen die FT Braunschweig. Es war der Treffer, der den Verein nach all den sportlichen und wirtschaftlichen Schwindelanfällen in der Vergangenheit wieder von einer einigermaßen goldenen Zukunft träumen lässt.

Nach dem frühen Rückstand legten die Gäste ihre Scheu vor Gegner und Kulisse ab und fanden immer besser in die Partie. Das lag einerseits an den Cellern, die sich im Spiel nach vorne häufig naiv präsentierten und sich für lange Bälle, Einzelaktionen und andere zweitbeste Lösungen entschieden. Andererseits wussten die Gäste aber weder mit dem Raum, noch mit dem Spielgerät besonders viel anzufangen. Braunschweig hatte die reifere Spielanlage, aber Celle hatte immer irgendwie ein Bein, dazwischen – und sie hatten Eike Mach, 43, im Tor, der wieder einmal bewies, das auch Torhüter wie guter Wein im Alter anscheinend immer besser werden. Sie hatten aber auch großes Glück, dass Mannschaftskapitän Jonas Kierdorf in der Nachspielzeit mit seinem Kopfball nur die Latte traf. „Sie haben einfach alles weggehauen“, wie Gästetrainer Uwe Walther hinterher anerkennend einräumte, „fußballerisch waren wir besser, aber das hilft nichts, wenn wir in den entscheidenden Situationen nicht entschlossen genug sind und aus unseren Möglichkeiten zu wenig machen.“

Es war eine aufregende Abwehrschlacht am Ende. Auch, weil Innenverteidiger Lars Lutschewitz nach dem einzigen gelungenen Konter nach der Pause aus fünf Metern freistehend scheiterte und die endgültige Entscheidung verpasste (89.). Dass sich die Celler in der Schlussphase auch ein bisschen in die Oberliga duselten, war Uwe Hicksch herzlich egal. „Endspiele sind keine Frage der Technik“, sagte der Trainer des TuS Celle FC und meinte: wer aufsteigen will, muss nicht unbedingt schön spielen, sondern nur gewinnen. „Wie das Ergebnis zustande gekommen ist, interessiert hinterher niemanden mehr.“ Jedenfalls haben sich seine Spieler „richtig reingehauen und fantastisch gekämpft“, wie Hicksch befand, „ich kann vor der Leistung der Spieler nur den Hut ziehen, sie hat sich für die harte Arbeit in dieser Saison selbst belohnt.“

Das hatten sie vor allem dem rechten Fuß von Kais Manai zu verdanken, der in der sechsten Minute ganz genau gezielt hatte. Einen neuen Vertrag hat er noch nicht unterschrieben, aber er würde gerne bleiben –in der Oberliga.