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Fußball regional Wer Plastik hat, ist klar im Vorteil: Celler Vereine fordern Kunstrasen
Sport Fußball regional Wer Plastik hat, ist klar im Vorteil: Celler Vereine fordern Kunstrasen
18:47 09.03.2018
Von Oliver Schreiber
Ein Königreich für einen Kunstrasenplatz: Die Fußballer des TSV Wietze können im Winter durchtrainieren.Im Raum Celle verfügt sonst nur noch der SC Wietzenbruch über ein kleines Kunstrasenspielfeld. Quelle: Oliver Knoblich
Celle Stadt

Die Schneverdinger haben durchtrainieren können, stehen voll im Saft und haben den Vorteil, dass sie es gewohnt sind, auf Kunstrasen zu kicken. Das hat zuletzt auch der TuS Eschede bei der klaren 0:5-Pleite zu spüren bekommen. „Das ist schon eine Form von Wettbewerbsverzerrung, weil wir hier in Celle diese Möglichkeit leider nicht haben. Das Spiel auf Kunstrasen ist ein völlig anderes als auf Naturrasen“, erläutert Bergmann.

Die Wietzenbrucher verfügen immerhin über einen „Mini“-Kunstrasenplatz. „Da können wir aber höchstens Fünf gegen Fünf spielen, sonst wird das alles zu eng. Aber das ist natürlich immer noch besser, als ausschließlich nur Laufeinheiten oder Krafttraining zu absolvieren“, sagt Bergmann.

Die Rufe nach Plätzen mit Plastikhalmen in Celle werden immer lauter. Zumal der Sportentwicklungsplan der Stadt Celle den Bau zweier solcher Spielfelder als Ersatz für zwei bis drei Naturrasenplätze vorsieht – einen davon in Westercelle. Es solle „mindestens ein Spielfeld in Westercelle in Kunstrasen inklusive Beleuchtungsanlage umgebaut werden, um eine höhere Auslastung sowohl im Sommer als auch im Winter zu erreichen. (...) Weiterhin ist zu prüfen, ob (in Celle) zwei bis drei Spielfelder zugunsten eines Kunststoffrasenspielfeldes (inklusive Beleuchtungsanlage), das dann vereinsübergreifend genutzt wird, (...) aufgegeben werden“, heißt es im Sportentwicklungsplan.

Wer aber verständlicherweise daraus liest, dass die Stadt hier die Initiative ergreifen will, um den Bau zu realisieren, sieht sich leider getäuscht. In einer Mitteilung auf CZ-Anfrage heißt es, dass es keine übergeordnete Planung seitens der Stadt gebe. Die Vereine müssten „mit Unterstützung der Stadt“ ein Flächenkonzept entwickeln. Die Stadt Celle werde dann „im Rahmen der beabsichtigten Nutzungsvereinbarung und der jeweils gültigen Sportförderungsrichtlinie finanzielle Unterstützung leisten.“

Konkret bedeutet das: Wenn die Celler Vereine einen Kunstrasenplatz haben wollen, müssen sie selbst aktiv werden. Angesichts der hohen Anschaffungskosten von rund einer halben Million Euro für eine „Plastikhalmwiese“ ist ein solches Projekt schwer zu stemmen.

Nichtsdestotrotz gibt es beim VfL Westercelle, MTV Eintracht Celle und auch beim SV Dicle Pläne, Kunstrasenplätze zu bauen. Die stecken allerdings noch in den Kinderschuhen. „Es gibt bei uns Überlegungen, einen Kunstrasenplatz zu bauen. Nicht nur der Sportentwicklungsplan hat den Bedarf eines Kunstrasenplatzes in Westercelle explizit festgestellt, sondern wir merken seit Jahren, dass wir einen solchen Platz benötigen. Unsere Herren-Landesliga-Mannschaft muss nach Wietze oder Munster ausweichen, um überhaupt mal mit Ball trainieren zu können. Manche Jugendmannschaften können seit Monaten fast gar nicht trainieren, weil sie keine Hallenzeit haben und nicht auf den Platz dürfen“, sagt Westercelles Fußball-Abteilungsleiter Christopher Menge.

Auch beim MTVE wurde und wird daran gearbeitet, einen Kunstrasenplatz zu bauen. Ursprünglich war geplant, ein solches Projekt auf dem Areal hinter dem Kunstrasenplatz der Hockeyer, auf den mittlerweile auch die Oberliga-Fußballer ausweichen, zu realisieren. Es gab sogar schon eine Platzbegehung mit Mitarbeitern der Stadtverwaltung. „Aber da waren Herr Mende und Herr Kassel noch im Amt. Wir haben von diesem Vorhaben inzwischen Abstand genommen. Mittelfristig wollen wir aber einen Kunstrasenplatz als Ersatz für eines der Naturrasenfelder an der Nienburger Straße bauen, wohlgemerkt nicht der Eintracht-Platz. Für 2018 oder 2019 wird das aber wohl nichts mehr. Der Bedarf ist groß, nicht nur bei unseren Fußballern, sondern auch bei unseren American Footballern. Das sind immerhin mittlerweile 100 Mitglieder, die bald Saisonstart haben und fast nie trainieren konnten. Wir benötigen dringend einen Kunstrasenplatz“, macht auch MTVE-Geschäftsführer Torben Schiewe unmissverständlich klar.

Selbst bei einem vergleichsweise kleinen Klub wie dem SV Dicle gibt es Überlegungen, den einzig verbliebenen Platz auf der Herrenwiese umzugestalten. „Der Bau eines Kunstrasenplatzes spielt bei uns im Hinterkopf eine Rolle, aber da ist noch nichts spruchreif. Alleine könnten wir das eh nicht stemmen“, sagt Dicles Vorsitzender Celal Carut.

Anpacken! – ein Kommentar von Oliver Schreiber

Die Terminnot bei den Fußballern ist groß, die Staffelleiter der Verzweiflung nahe: Die vielen Spielausfälle sorgen bei allen für Frust – egal ob bei Spielern, Trainern, Funktionären, Gastronomen oder Fans. Abhilfe kann da nur eine Maßnahme schaffen: Kunstrasen-Spielfelder für die Wintermonate. Dies ist eine kostspielige Angelegenheit und von den Vereinen alleine nicht zu stemmen. Die Anschaffungskosten mit rund einer halben Million Euro sind dazu zu hoch. Aber es gibt Wege, um einen Bau zu realisieren, zumal sich diese Investition auf Dauer rechnet. Dafür müssen aber Politik und Verwaltung den Klubs die (öffentliche) Hand reichen.

Der Bedarf an Kunstrasenplätzen ist allseits bekannt und erkannt. Das steht sogar ausdrücklich im Sportentwicklungsplan für Celle. Doch die Stadt hält sich hier angesichts des Sparzwangs bedeckt – und überlässt die Initiative für die Errichtung lieber den Vereinen. Etwa in der Hoffnung, dass diese angesichts des hohen finanziellen Aufwandes davor zurückschrecken?
DAs tun sie zum Glück nicht, wie die beiden Großvereine VfL Westercelle und MTV Eintracht Celle bekräftigen. Wenn es einer Kleinstadt wie Munster mit knapp 15.000 Einwohnern, ein solches Projekt gemeinsam mit einem Verein zu wuppen, dann sollte dies in Celle doch wohl auch möglich sein.

Ein idealer Standort (neben Westercelle) für einen Kunstrasenplatz wäre das Günther-Volker-Stadion. Hier werden momentan Ressourcen verschwendet, weil mit dem TuS Celle FC ein Bezirksligist mit rund 100 Mitgliedern das alleinige Nutzungsrecht bis 2021 hat. Vertrag ist eben Vertrag – aber man kann ja auch nachverhandeln. Mit der „Elefantenrunde“ gibt es bereits ein Gremium, das den Bau eines Kunstrasenplatzes als Gemeinschaftsprojekt aller Celler Vereine anpacken könnte. Die Bereitschaft zur Unterstützung seitens der Stadt liegt ja bekanntlich vor. Kooperation ist auch das Stichwort für den Landkreis. Natürlich kann nicht jedes Dorf einen Kunstrasenplatz bauen. Aber einer in jeder Himmelsrichtung – Nord-, Ost-, Süd- und Westkreis – (plus einem in Bergen) sollte doch realisierbar sein, wenn die entsprechenden Samtgemeinden, Gemeinden und Vereine an einem Strang ziehen. Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Die ewigen Bedenkenträger dürfen hier gerne mal Sendepause haben.

Es wird ein fast schon ungewohntes Gefühl sein, welches die Oberliga-Fußballer des MTV Eintracht Celle am Samstag (15 Uhr) haben werden, wenn sie beim Heeslinger SC antreten. Denn dann dürfen sie endlich wieder einmal auf Naturrasen kicken, nachdem sie in diesem Jahr beinahe durchgängig nur auf dem Kunstrasenplatz der Hockeyer trainieren durften und auch die vergangenen beiden Punktspiele auf „unnatürlichem“ Parkett absolviert haben. „Das ist sicherlich eine Umstellung. Ich gehe mal davon aus, dass wir auf einem tiefen, matschigen Boden spielen werden. Da läuft die Kugel natürlich völlig anders. Aber dieses Problem haben wir ja nicht exklusiv“, erklärt Cheftrainer Hilger Wirtz.

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