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Fußball regional Wie eine zweite Familie: Ex-Profi Denis Benjak kickt für VfL Wathlingen
Sport Fußball regional Wie eine zweite Familie: Ex-Profi Denis Benjak kickt für VfL Wathlingen
01:37 14.02.2018
Von Oliver Schreiber
Denis Benjak kann mit dem Ball bestens umgehen. Der Ex-Profi aus Serbien kickt mittlerweile beim VfL Wathlingen. Der Verein hat ihm einen Job und eine Wohnung besorgt, ab März beginnt ein Deutsch-Kursus. Quelle: Oliver Knoblich
Wathlingen

Denis Benjak schossen die Tränen in die Augen. Sichtlich ergriffen schloss er am Flughafen in Hannover seine Frau Sandra (22) und seinen einjährigen Sohn Lav in die Arme, die er zuvor seit etwa einem halben Jahr nicht mehr gesehen hatte. Und das an seinem 24. Geburtstag. Die Fußballer des VfL Wathlingen, für die der gebürtige Serbe seit dem Spätsommer 2017 kickt, hatten ihrem Mitspieler ein ganz besonderes Geschenk gemacht. Die Mannschaft sammelte Geld, organisierte den Flug aus der Heimat und bescherte Benjak so als Überraschung die Familienzusammenführung. „Ich fühlte mich wie im Märchen und konnte es kaum glauben. Ich war so unbeschreiblich glücklich, das Gefühl der Unsicherheit und alle Zukunftsängste waren in diesem Moment weg“, schildert Benjak seine Emotionen.

Seine Geschichte ist facettenreich – und ein Beispiel für eine rundum gelungene Integration. Wer ihm beim Fußballspielen zuschaut, merkt schnell, dass seine Fähigkeiten außergewöhnlich sind für einen Spieler, der demnächst für den VfL in der 1. Kreisklasse auflaufen wird. Denn Benjak ist ein Ex-Profi, der bestens ausgebildet ist. Dessen Traum von einer großen Karriere aber nicht wahr geworden ist – und der sich daher nach Alternativen umschauen musste, um seine junge Familie ernähren zu können.

Aus diesem Grund hat es ihn in den Celler Südkreis verschlagen. Sein Schwiegervater hatte ihm einen Job bei einer Wathlinger Firma besorgt, wo er zunächst auch arbeitete. Doch dieses Engagement währte nicht lange – und der VfL kam ins Spiel. Die Verantwortlichen um Abteilungsleiter Michael Laue besorgten Benjak einen Job als Platzwart und unterstützten ihn auch privat, beispielsweise bei Behördengängen und dem Ausfüllen von Dokumenten oder Anträgen. Dafür schalteten sie mit der Bosniern Alisa Christott eine Dolmetscherin ein, da Benjak zwar Fußballbegriffe auf Deutsch schon ganz gut versteht und auch im Umgang mit seinen Mitspielern schon vieles mitbekommt, aber sich mit der schwierig zu erlernenden Sprache noch schwer tut.

Ab März beginnt sein Deutsch-Kursus, auf den er sich schon freut. „Die Menschen beim VfL und in Wathlingen haben mir den Einstieg in Deutschland sehr erleichtert. Ich kann nur tausendmal Danke sagen, vor allem bei Michael Laue, Trainer Jens Gebler und Manuel Gebler“, erklärt Benjak.

Auch bei der Wohnungssuche waren ihm die Wathlinger behilflich. Über die Familie Zimmer, Betreiber des Gasthauses „Zur schönen Aussicht“, bekam Benjak ein neues Zuhause. „Ohne diesen Verein und diese besonderen Menschen wäre ich wahrscheinlich schon wieder zurück in Serbien“, sagt Benjak.

Dort wuchs er in Sombor, im äußersten Nordwesten an der Grenze zu Ungarn und Kroatien, auf. Sein Großvater ist Ungar, daher besitzt Benjak auch die Staatsbürgerschaft der Magyaren. Von klein auf spielte er Fußball – und sein außergewöhnliches Talent wurde früh entdeckt. Im Alter von fünf Jahren kickte bereits in der Fußballschule des FK Radnicki Sombor. Mit 16 erfolgte der nächste Schritt. Benjak erhielt ein Angebot vom 27fachen Meister Partizan Belgrad, das er jedoch ablehnte. Sein Vater war dagegen, weil ihm die Entfernung (rund 300 Kilometer) zu groß war. Stattdessen erfolgte der Umzug nach Subotica, das von Sombor aus in gut einer Stunde per Auto zu erreichen ist. Der FK Subotica kickt ebenfalls in der ersten serbischen Liga.

Von dort aus ging es mit 18 weiter in die höchste bosnische Spielklasse zum damaligen Erstligisten NK Zvijezda Gradacac. Dort hielt es ihn aber nur zwei Monate, das Heimweh trieb ihn zurück nach Subotica. Der große Durchbruch gelang dem ehemaligen Jugendnationalspieler aber nicht. „Ich habe ein paar Spiele als Profi gemacht. Wie viele es waren, weiß ich nicht mehr genau. Das System in Serbien ist sehr kompliziert. Hier werden Spieler aus großen Städten bevorzugt, reiche Eltern haben hier viel Einfluss. Ich musste mir alles hart arbeiten“, erinnert sich Benjak, der in Serbien seinen Realschulabschluss gemacht hat.

Das Kapitel Profifußball hat er abgehakt. „Ich glaube schon, dass ich eine gewisse Qualität habe und weit oben spielen könnte, wenn ich täglich trainiere und hart arbeite. Aber ich bin nicht in Deutschland, um mit Fußball Geld zu verdienen. 4. oder 5. Liga interessiert mich nicht“, meint Benjak.

Das große Geld hat ihm der Fußball nicht beschert. Dafür aber die große Liebe. Seine Frau Sandra, ausgebildete Finanzbuchhalterin, lernte Benjak im Alter von 17 Jahren kennen – auch über den Fußball. Ein Freund, mit dem er gemeinsam kickte, verkuppelte die beiden.

Den Schmerz über die momentane Trennung von Frau und Kind lindert seine „zweite Familie“, seine Mitspieler beim VfL. „Ich fühle mich wie in einem zweiten Zuhause. Es ist wie ein kleines Stück Heimat, trotz der Sprachbarriere. Ich fühle mich in Wathlingen total wohl und integriert“, so Benjak.

Zum großen Glück fehlen ihm jetzt nur noch Sandra und Lav, mit denen er in Wathlingen sesshaft werden will. Aller Voraussicht nach im April werden die beiden wichtigsten Menschen in seinem Leben ihm folgen und zu ihm ziehen. Und dann werden ihm wieder die Tränen in die Augen schießen.

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