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Fußball regional Zwischen Trikots und Kaffeemaschine
Sport Fußball regional Zwischen Trikots und Kaffeemaschine
13:19 16.12.2011
Von Jürgen Poestges
Peter L¸flmann, gute Seele beim TuS Celle FC Quelle: Peter M¸ller
Celle Stadt

Die Bilder aus den besten Zeiten, die hat er immer um sich herum. Jürgen Siegel, Ludger Kanders, Mourad Bounoua - sie alle sind auf den Plakaten zu sehen, in schwarz-weiß, auf denen zu Regionalliga-Zeiten für die Spiele geworben wurde. „Das war schön“, schwärmt Peter Lüßmann. Umringt von Erinnerungen und den Trikots der aktuellen Spieler des heutigen Fußball-Landesligisten TuS Celle FC sitzt die „gute Seele“ des Vereins im Magazin unter der Haupttribüne des Günther-Volker-Stadions.

Seit 1992, der Einweihung der Tribüne, ist der Raum sein Domizil. Ein paar Schränke und Regale, Kleiderständer für die Trikots, eine Waschmaschine, ein Trockner und - ganz wichtig - eine Kaffeemaschine. „Hier gibt‘s für die guten Kumpels bei den Heimspielen immer einen Kaffee, und auch mal ein Bier“, verrät der 76-Jährige, der seit 65 Jahren Mitglied bei TuS Celle ist.

Sein Einstieg in die Sportwelt war allerdings das Boxen. „Ich bin in der Schule immer verprügelt worden. Da hat sich Toni Mehling, der eine Klasse über mir war, meiner angenommen und mich mit zum VfK Celle genommen. Von da an war Ruhe.“ Danach erst kam er zum Fußball und über ESV Fortuna zum TuS Celle, wo der legendäre Otto Schade sein Trainer war. Bis zur A-Jugend hat er aktiv gespielt, danach hielt ihn sein Beruf bei Berkefeld mit zahlreichen Reisen vom Sport ab.

Lüßmann hat bei TuS Celle viele Spieler und Trainer kommen und gehen sehen. „Das ist hier ein ständiger Fluss, manchmal glaube ich, von den ganzen „Alten“ bin nur noch ich übrig geblieben.“ Am meisten erlebt hat er in der Ära mit Trainer Jürgen Rynio und Manager Franz Gerber. So hat er Erwin Seeler, den Vater von „Uns Uwe“, auf einer Toilette in einer Kneipe nach einem Regionalligaspiel in Hamburg kennen gelernt. „Da stand jemand neben mir, der mir bekannt vorkam. Und als er sah, dass ich ihn gemustert habe, gab er mir Autogrammkarten von ihm und von Uwe.“ Beide Karten hat er heute noch, ordentlich aufbewahrt in einem Album.

Wie er überhaupt die Geschichte des TuS Celle gesammelt hat. In seiner Garage zu Hause füllen die Aktenordner viele Meter Schrank. „Da hab ich wirklich alles aufbewahrt, was es gab.“ Seine Frau Gerhild, mit der er inzwischen 53 verheiratet ist, hat seine Vorliebe immer akzeptiert. Bis aus ein Mal. „Da habe ich ein paar TuS-Fotos ins Wohnzimmer gehängt. Und sie hat gesagt: Die kommen hier sofort wieder raus!“

Auch die vielen Stunden, die Lüßmann auf den Sportplätzen in Celle und der Republik zugebracht hat, hat sie immer klaglos ertragen. „Wahrscheinlich, weil sie es nie anders kannte“, sagt Lüßmann. Er ist immer der erste im Stadion, schließt die Kabinen auf, bereitet die Trikots vor. Und er ist der Letzte, der nach Hause geht. Das Flutlicht muss ausgemacht werden, die Kabinen wieder abgeschlossen. Das macht Lüßmann bei Wind und Wetter, egal, ob er gesund oder krank ist.

Und vor allen Dingen macht er das alles ehrenamtlich. „Ich habe noch nie was bekommen, das will ich aber auch gar nicht. Es hat mir immer Spaß gemacht, und ich habe viel erlebt.“ Sagt er, und erzählt von den Trainern Ernst Menzel („Der beste, den wir je hatten“), Uwe Ronge („Er hatte ein absolut tolles Verhältnis zu jedem Spieler“) und Uli Stein („Der hatte so einen schlechten Ruf. Ich habe ihn nicht ein Mal schimpfen hören“). Und von den vier Wochen vor und während der Fußball-WM 2006 in Deutschland. Da hat er die angolanische Nationalmannschaft betreut, praktisch rund um die Uhr.

Wie lange er das alles noch machen will? „Bis ich umfalle“, sagt Lüßmann, und lacht. Zum Ehrenmitglied haben sie ihn gemacht beim TuS FC. Die Urkunde hängt ebenso in seinem Magazin wie die Urkunde, die er für seine 65-jährige Mitgliedschaft bekommen hat. Und Lüßmann möchte auch noch zum 70-Jährigen die gute Seele im Magazin unter der Haupttribüne sein....