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Fußball überregional Die Schweiz feiert: «Weltklasse! Wahnsinn! Eiskalt!»
Sport Fußball überregional Die Schweiz feiert: «Weltklasse! Wahnsinn! Eiskalt!»
13:41 19.11.2018
Die Schweizer feiern ihren Kantersieg gegen Belgien. Foto: Ennio Leanza/KEYSTONE Quelle: Ennio Leanza
Luzern

Luzern (dpa) - Die vielerorts ungeliebte Nations League hat der Schweizer Fußball-Nationalmannschaft plötzlich die Chance zum ersten Titel eröffnet.

Nach dem furiosen 5:2-Sieg gegen den WM-Dritten Belgien schwärmen die Eidgenossen nun von Granit Xhaka, Xherdan Shaqiri und Haris Seferovic. «Weltklasse! Wahnsinn! Eiskalt!», titelte das Boulevardblatt «Blick» zum Gruppensieg der Auswahl mit zahlreichen aktuellen und ehemaligen Bundesliga-Profis.

Nach einem schwierigen Jahr sind solche Schlagzeilen Balsam für die Seele der Profis und von Trainer Vladimir Petkovic. Zuletzt blamierte sich das Team mit einem 0:1 gegen Katar. «Wir sind enorm stolz. Wir hätten am liebsten gar keine Pause gemacht, einfach weitergespielt», sagte der Kapitän und frühere Mönchengladbacher Xhaka nun nach dem Erfolg gegen Belgien.

Der bisher größte Erfolg der A-Mannschaft war Olympia-Silber vor 94 Jahren. Nun bestreitet die Schweiz im Juni 2019 in Portugal das Finalturnier der Nations League. Dabei hatte es zuletzt noch Kritik an Petkovic gegeben. Diese hatte der frühere Bayern-Profi Shaqiri als «respektlos» empfunden: «Die Antwort haben wir auf dem Platz gegeben. Wir haben Charakter gezeigt, das ist wichtig», sagte er.

Bei der Weltmeisterschaft in Russland waren die Schweizer im Achtelfinale mit 0:1 an Schweden gescheitert. Für internationales Aufsehen hatte kurz zuvor der provokante Jubel von Xhaka und Shaqiri gesorgt. Die beiden formten beim 2:1-Sieg gegen Serbien mit ihren Händen den doppelköpfigen Adler, der die Flagge Albaniens ziert. Dies wertete die FIFA als unsportliches Verhalten und verhängte eine Geldstrafe. Shaqiri und Xhaka haben kosovarische Wurzeln. Serbien erkennt das Kosovo nach wie vor nicht als eigenständiges Land an.

«Wahrscheinlich war nie eine Schweizer Mannschaft besser besetzt», urteilte nun der «Blick» nach dem versöhnlichen Jahresabschluss. Für die «Aargauer Zeitung» war es ein bisschen so, «als wollte das Nationalteam das Jahr 2018 in einer einzigen Partie noch einmal im Schnelldurchlauf absolvieren. Es war alles dabei: Höhepunkte. Tiefpunkte. Unglauben. Fassungslosigkeit. Faszination auch.» Das Blatt erinnerte auch an «die unnötige Debatte um Doppelbürger» und den Rücktritt von Valon Behrami voller Misstöne.

«Ich habe nie einen negativen Trend im Nationalteam gesehen. In der Welt hat man uns in ein gutes Licht gestellt», meinte Petkovic. Jedenfalls gehen die Eidgenossen nun mit breiter Brust in das Fußballjahr 2019. «Belgien ist eine der besten Mannschaften, die es im Fußball gibt», betonte Torhüter Yann Sommer. «Heute hat am Anfang gar nichts gestimmt, und dann sehr viel.»

Den Schweizern gelang am Sonntag ein ähnlicher Coup wie England, das innerhalb von sieben Minuten gegen Vizeweltmeister Kroatien das Spiel drehte und nach dem 2:1 unter Europas derzeit besten vier Teams steht. Thorgan Hazard schoss mit zwei Toren einen frühen Vorsprung für Belgien heraus - beim ersten Treffer allerdings unter gnädiger Mithilfe eines Gladbacher Kollegen: Nico Elvedi hatte Hazard den Ball unfreiwillig vorgelegt, Sommer als dritter Borusse im Bunde kam zu spät.

Der Ex-Wolfsburger Ricardo Rodríguez erzielte dann per Foulelfmeter den Anschlusstreffer, bevor der frühere Frankfurter Seferovic zweimal für die Schweiz traf. Elvedi und erneut Sefervic sorgten dann für den überraschenden Endstand. «Was für eine Ohrfeige! Die Teufel werden ohne Ruhm eliminiert», schrieb die belgische Tageszeitung «La Dernière Heure».

Es ist das schlechteste Jahr der Nationalmannschaft in der Ära Joachim Löw. «Bitter und enttäuschend», sagt der Bundestrainer. Gegen Holland geht es vor allem darum, das zarte Aufschwung-Gefühl zu sichern. Ein Sieg reicht zudem für den besten EM-Quali-Lostopf.

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