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Lokalsport 23:22 – Schwierige „Fuchsjagd“ in Berlin
Sport Sport regional Lokalsport 23:22 – Schwierige „Fuchsjagd“ in Berlin
17:59 28.11.2010
Von Uwe Meier
Desiree Comans wurde in Berlin von einem Zuschauer tätlich angegriffen. Da traten ihre fünf Tore, die sie zum zehnten Celler Saisonsieg beisteuerte, in den Hintergrund. Archivfoto: Quelle: Fremdfotos / Texte Eingesandt
Celle Stadt

„Ein bisschen merkwürdig ist die derzeitige Situation schon“, sagte Martin Kahle. Damit meint der Trainer des Handball-Zweitligisten SVG Celle, die Randerscheinungen, die die Siegesserie mit sich bringt und die sein Team auf nunmehr 20:0 Punkten brachten. Viele Außenstehende würden ihn immer wieder ansprechen und fragen, wie hoch der SVG denn das nächste Spiel gewinnen würde. Niederlagen scheint dem SVG-Team kaum jemand zuzutrauen. Dem widerspricht Celles Trainer: „Diese Serie war nicht zu erwarten. Das, was wir zur Zeit erleben, ist etwas, was wir wohl nie wieder erleben werden.“ Es sei schon außergewöhnlich und deshalb keinesfalls selbstverständlich. „Wir müssen aber für jeden Sieg hart arbeiten“, sagt er. „Und es wird für uns von Spiel zu Spiel schwerer“, meint der Coach. Die Gegner würden ohne Druck in die Partie gegen Celle gehen. „Aber sie wollen die ersten sein, die uns ein Bein stellen.“

Das hatte auch die Partie in Berlin deutlich gemacht. Die „Spreefüxxe“ waren nach dem Spiel hochzufrieden und wurden von ihren heimischen Fans trotz der 22:23-Niederlage gefeiert. Tatsächlich war es für den Tabellenführer ein mühsames Unterfangen gewesen, die „Fuchsjagd“ zu einem erfolgreichen Abschluss zu bringen. „Wir wussten, dass es schwierig wird und wir sind froh, dass wir die zwei Punkte geholt haben“, sagte Desiree Comans nach dem Spiel. „Zum Glück haben wir am Anfang der Partie fünf Tore vorgelegt, sonst wäre es wohl richtig eng geworden.“

Tatsächlich hatte sich die Celler Mannschaft in der Offensive überaus schwer getan, die Berliner Abwehr auseinander zu spielen. „Wir haben auch viele Fehler gemacht“, ärgerte sich Nastja Antonewitch. „Das war sich kein schönes Spiel von uns. Aber wir haben gekämpft.“ Dass die Celler Mannschaft auch noch eine Vielzahl guter Chancen ausließ, kam erschwerend hinzu. Renee Verschuren gab eine etwas merkwürdig klingende Erklärung dafür, warum so viele Würfe neben und über das Tor gingen. „Das hört sich jetzt sicherlich einen bisschen bekloppt und komisch an“, sagte sie. „Aber es war total schwer, das Tor zu sehen. Und ich war nicht die einzige, die damit Probleme hatte.“ Ausschlaggebend dafür war offenbar, dass das Tornetz die gleich Farbe hatte, wie das dahinter befindliche Auffangnetz.

Wie auch immer. Am Ende ging das SVG-Team zum zehnten Mal in dieser Saison als Sieger vom Platz. Und – auch wenn es so knapp war wie in keiner Partie zuvor – der Sieg war vollauf verdient. Berlin war zwar mehrfach auf Tuchfühlung gewesen, dennoch hatte SVG die Führung nie aus der Hand gegeben.

„Sechs Punkte Vorsprung sind nicht allzu viel. Die sind schon mal schnell weg“, meint Trainer Martin Kahle. „Wir sind noch lange nicht am Ziel.“ Dem kann man beim nächsten Heimspiel am Sonnabend, 11. Dezember gegen TSG Wismar allerdings mit einem Heimsieg ein weiteres Stück näher kommen.

SVG Celle und der Tanz mit Bruder Leichtfuß

Nach starkem Auftakt lässt der Tabellenführer die Zügel zu sehr schleifen / Mit Kempa-Trick aus der Bedrängnis

CELLE (uwi). 702 Zuschauer, darunter knapp 50 aus Celle sahen zwischen BVB Füchse Berlin und dem SVG Celle keineswegs eine hochklassige Zweitliga-Partie. Zu viele leichte technische Fehler kennzeichneten eine Begegnung, der zwei starke Abwehrreihen ihren Stempel aufdrückten. Die Defensivabteilung der Teams zeigten auf, weshalb Berlin und Celle die bisher wenigsten Gegentore in der Liga kassiert hatten.

Nach einem schleppenden Beginn und einem 3:3 nach zehn Minuten, legte Celle, dass ohne die erkrankte Susanne Büttner antreten musste, mit fünf Toren in vier Minuten zu einer 8:3-Führung (14.) den Grundstein zum späteren Sieg. Denn diesem Rückstand war Berlin in der Folgezeit stets hinterher gerannt. Sicherlich hatten die Gastgeberinnen den Tabellenführer anschließend einige Male in Verlegenheit gebracht, doch zum Ausgleich hatte es nie gereicht. Wohl auch, weil sich die Celler Spielerinnen in den entscheidenden Phase nicht nur in der Abwehr, sondern auch in die Offensive voll konzentriert zu Werke gingen und dann auch zu Toren kam, die etwas zur Beruhigung beitrugen.

In der ersten Halbzeit war das kurz vor der Pause der Fall als Berlin auf 9:11 (28.) verkürzt hatte, Celle aber noch vor dem Wechsel auf vier Tore enteilen konnte. Doch nach der Pause kehrte immer mal wieder „Bruder Leichtfuß“ ins SVG-Spiel zurück, was zu Ballverlusten führte und Berlin im Spiel hielt. Allerdings versuchte Celle alles, um die starke Berliner Defensive auszuspielen. Das fand auch Trainer Martin Kahle und sah genügend Variabilität im Angriffsspiel. Begeistert zeigte er sich von einem Kempa-Tor. In der 48. Minute war SVG zum wiederholten Male ins Zeitspiel geraten und spielte sich mit dem Trick aus der Bedrängnis und zum 18:15. „So etwas in einer solchen Situation zu spielen, können nur wenige Mannschaften“, lobte der Trainer.

Doch die Entscheidung war dies noch lange nicht. Vielmehr geriet SVG in den folgenden Minuten richtig ins Wanken. Berlin kämpfte unverdrossen, schaffte das 18:19 (52.) und agierte in den folgenden zwei Minuten nach einer Zeitstrafe für Celles Desiree Comans sogar in Überzahl. Doch wie schon mehrfach in der Partie, verlor das SVG-Team in dieser brenzligen Situation nicht die Nerven, sondern spielte so konzentriert, wie es für das gesamte Spiel wünschenswert gewesen wäre. Mit einer Spielerin weniger auf dem Feld erzielte Celle zwei Tore und legte anschließend noch zwei weitere Treffer zur 23:18-Führung (56.) nach. Sollte es doch noch zu einem weiteren klaren Sieg kommen. Mit nichten. Den in den letzten drei Minuten ließ Celle noch vier Gegentreffer zu. Nur gut, dass die Partie wenige Sekunden nach dem 22:23 zu Ende war.

Unschöner Ausraster

BERLIN (uwi). Kampfbetont aber friedlich ging es während der Handball-Zweitligapartie zwischen BVB Füchse Berlin und SVG Celle auf dem Spielfeld zu. Dennoch sorgte eine Szene für Aufregung und Diskusionsstoff. In der 52. Minute hatte Celles Desiree Comans eine Zeitstrafe erhalten. Als sie vom Platz ging und auf der Auswechselbank Platz nehmen wollte, wurde sie von einem Berliner Zuschauer tätlich angegriffen. Er packte die SVG-Torjägerin am Arm und drohte ihr mit den Worten: „Wenn Du das noch einmal machst, breche ich Dir beide Beine“.

Auf dem Spielfeld blieb der unschöne Ausraster von den Schiedsrichtern unbemerkt. Auch die Zeitnehmer wollten die Vorfall nicht bemerkt haben, obwohl sie nur drei Meter vom Ort des Geschehens entfernt waren. Die SVG-Bemühungen, den Vorfall ins Spielformular einzutragen, blieben ohne Erfolg.

Gestern schickte SVG-Manager Joachim H. Niederlüke einen Brief an Bundesliga-Spielleiterin Erika Petersen, in der er sie von dem Übergriff unterrichtete. Ob der Vorfall Konsequenzen nach sich zieht, ist ungewiss.

Trainerstimmen

Martin Kahle (SVG Celle): Das Spiel war sehr kampfbetont. Die Abwehrreihen standen im Mittelpunkt. Man hat gesehen, dass heute die beiden besten Abwehrreihen der Liga aufeinander getroffen sind. Wir hatten das gesamte Spiel mit unserem Wurfverhalten Probleme. Dadurch haben wir es verpasst, uns frühzeitig abzusetzen. Kurz vor Schluss hatten wir uns auf fünf Tore abgesetzt. Eigentlich darf es da nicht passieren, dass wir dann noch einmal in Bedrängnis kommen. In dieser Phase haben wir den Vorsprung nur noch verwaltet.

Edgar Fahrenwald (BVB Füchse Berlin): Das war ein spannendes Spiel, ärgerlich nur, dass wir nicht gewonnen haben. Auf bei den Seiten war die Abwehrreihen stark. Wir haben allerdings zu viele technische Fehler gemacht. Es war kein schönes aber ein spannendes Spiel.

VB Füchse Berlin – SVG Celle 22:23 (9:13)

BVB Füchse Berlin: Leib, Arndt – Fritsche (2), Bohle (1), Görl (3), Franke (1), de Beer (4), Blödorn, Hartlinger (2), Sviridenko (4/2), Rüh (5), Fahrenwald.

SVG Celle: Lenz, Körner – Comans (5/3), Geier, Verschuren (4), Antonewitch (4), Robben (3), Ahrens (1), Meomartino (2), Loest (3), Schulz (1), Szymzcyk.

Schiedsrichter: Markus Kropp / Sebastian Siebert; Siebenmeter: 2/2 – 4/4; Strafminuten: 6 – 6; Zuschaueer: 700.

Torfolge: 0:1 (2.), 1:2 88.), 3:3 (10.), 3:4 (10.), 3:8 (14.), 5:10 (21.), 7:10 (25.), 9:11 (28.), 9:13 (30.) – 11:13 (36.), 12:14 (40.), 12:16 (43.), 15:17 (43.), 17:18 (49.), 18:19 (52.), 18:20 (53.), 18:23 (56.), 19:23 (57.), 21:23 (59.), 22:23 (60.).