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Lokalsport 33:31 - SVG Celle zu schlau für Berliner Füchse
Sport Sport regional Lokalsport 33:31 - SVG Celle zu schlau für Berliner Füchse
16:32 13.01.2014
Von Uwe Meier
Starke Vorstellung in Abwehr und Angriff. Celles - Kathrin Schulz (Mitte) setzt sich gegen - Christine Beier (links) und Bianca Trumpf durch. Quelle: Benjamin Westhoff (3)
Celle Stadt

„Unglaublich, einfach unglaublich“, meinte Geschäftsführer Bernd Bühmann kopfschüttelnd, während die SVG-Spielerinnen ausgelassen über die Spielfläche hüpften und 970 Zuschauer in der bis auf den letzten Platz gefüllten HBG-Halle den 33:31-Erfolg im Topspiel über die Füchse Berlin feierten. „Hier hat heute Mannschaftsgeist gegen hervorragende Einzelspielerinnen gewonnen“, so Bühmann. „Danke dafür. Diesen Mädels traue ich alles zu.“

Tatsächlich „rockt“ der SVG Celle weiter die 2. Handball-Bundesliga und eilt von Sieg zu Sieg. „Irgendwie ist das ein komischen Gefühl, da oben zu stehen. Damit hat doch keiner gerechnet“, sagte Anna-Katharina Loest nach dem elften Erfolg im 13. Spiel und der erfolgreichen Verteidigung der Tabellenführung. „Es ist ein Supergefühl gegen den Topfavoriten der Liga gewonnen zu haben“, so Loest, die gleich noch ein Dankeschön an die Zuschauer schickte. „Das ist total irre. Die Fans haben wie eine Wand hinter uns gestanden.“

Das Geheimnis des Erfolges liegt im scheinbar unbändigen Teamgeist der Celler Mannschaft. Der war ausschlaggebend dafür, das die Partie gegen die hochgehandelte und mit Nationalspielerinnen gespickte Berliner Truppe zu einer erfolgreichen „Fuchsjagd“ wurde. „Das ist einfach ein geiler Sieg“, jubelte auch Susanne Büttner. „Wir haben einmal mehr als Team überzeugt und Vieles von dem umgesetzt, was wir uns vorgenommen hatten.“ Für Torhüterin Frauke Kemmer, die zum „Player of the Match“ gekürt wurde, war es einfach nur ein „tierischer Spaß“ vor einem solchen Publikum zu spielen. „Ich habe meine Abwehr gar nicht gehört, so laut wie das hier heute war“, meinte sie schmunzelnd.

Die lautstarke Unterstützung hatte sich das SVG-Team allerdings auch redlich verdient. Nach einer begeisternden Vorstellung haben die Gastgeberinnen auch den nächsten Angriff eines Spitzenteams erfolgreich abgewehrt. In drei Wochen (Sonntag, 26. Januar) geht es zum Abschluss der Vorrunde in den hohen Norden zum TSV Nord Harrislee. Dort soll die Erfolgsgeschichte fortgeschrieben werden.

Celle in der ersten Halbzeit wie aus einem Guss

CELLE. „Wir brauchen kein Glück. Wir brauchen und wollen Erfolg.“ Kurz vor dem Anpfiff machte Kathrin Schulz deutlich, dass der SVG Celle keineswegs gewillt war, dem Ligafavoriten Füchse Berlin einen angenehmen Abend zu bereiten. Den Worten ließen Schulz und Co. im Topspiel der 2. Handball-Bundesliga der Frauen wenig später Taten folgen.

Der Celler Erfolgshunger war vor der Saisonrekordkulisse von 970 Zuschauern nicht gestillt. Vielmehr legte das SVG-Team noch einen oben drauf. Hellwach und bis in die Haarspitzen motiviert bereitete der Spitzenreiter den Füchsen aus Berlin einen ganz heißen Empfang.

Zwar lag Celle nach drei Minuten 0:2 zurück. Doch dann war die Fuchsjagd endgültig eröffnet. Was folgte, überraschte selbst Christian Hungerecker. „Das war unglaublich stark. Richtig gut“, so der SVG-Trainer. 29 Sekunden dauerte es, um aus dem 0:2 ein 2:2 (4.) zu machen. Es war zugleich der Auftakt in eine Phase, in der bei den bestens eingestellten Gastgeberinnen alles klappte. Berlin wurde teilweise vorgeführt.

Eine bärenstarke Celler Abwehr war ausschlaggebend dafür, dass die Berlinerinnen kaum ein Bein auf die Erde bekamen. Der Rückraum der Füchse trat gegen die 5:1-Deckung so gut wie gar nicht in Erscheinung. Auf der anderen Seite wirbelte Celle wie ein Irrwisch durch die HBG-Halle und stellte die Gäste ein ums andere Mal vor scheinbar unlösbare Probleme. Nahezu jede Möglichkeit wurde zu Torerfolgen genutzt. 8:3 hieß es nach elf Minuten – nach 17 Minuten war der Vorsprung beim 13:5 sogar auf acht Tore angewachsen. Der SVG war klarer Chef im Ring. Gerade einmal fünf Feldtore markierten die Füchse im ersten Abschnitt – sechsmal waren sie in den ersten 30 Minuten vom Siebenmeterpunkt erfolgreich gewesen.

Die 17:11-Pausenführung war hochverdient. Eine Vorentscheidung war sie allerdings noch nicht. Celle war gewarnt. Angeführt von den beiden deutschen Nationalspielerinnen Christiane Beier und Natalie Augsburg hatte Berlin bereits in der Vorwoche einen Neun-Tore-Rückstand im Heimspiel gegen Kirchhof in der zweiten Halbzeit noch in ein Unentschieden verwandelt.

Entsprechend engagiert kehrte Berlin aufs Feld zurück. Celle bekam leichte Probleme. Insbesondere Beier war kaum zu stoppen. Die Füchse verkürzten bis auf 19:22 (42.). Der SVG verlor etwas seinen Rhythmus. Gegen die deutlich engagierter zu Werke gehende Berliner Abwehr tat man sich schwer.

Gerade noch rechzeitig fanden die Cellerinnen ihre Linie wieder. Mit jeweils drei Treffern von Kathrin Schulz und Susanne Büttner sorgte Celle in den folgenden zehn Minuten dafür, dass der Celler Vorsprung auf 27:21 (51.) anwuchs. Sechs Tore Vorsprung mussten eigentlich reichen, um den elften Saisonsieg perfekt zu machen. Letztlich taten sie es auch. Doch es wurde noch einmal richtig spannend.

Berlin hatte sich noch lange nicht geschlagen gegeben und kämpfte verbissen um den Anschluss. Tor um Tor kamen die Gäste heran. Beim 32:30 drohte die Partie zu kippen. Dann aber traf Bogna Dybul zum 33:30 (58.). Und als wenig später Luisa Grimm den zehnten von insgesamt elf Berliner Siebenmetern abwehrte, kannte der Jubel kaum noch Grenzen. Celle hatte den Favoriten in die Schranken gewiesen und die Tabellenführung verteidigt. „Diese Mannschaft ist einfach nur der Wahnsinn“, freute sich Evelyn Schulz.