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Lokalsport Abi im Sinn und Rio im Visier
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16:34 13.08.2010
Von Jürgen Poestges
Patrick bei der WM Quelle: nicht zugewiesen
Celle Stadt

Er ist kein Mann der vielen Worte. Vielmehr gewinnt man den Eindruck, er würde jetzt viel lieber im Ruderboot sitzen. Wenn Patrick Leineweber allerdings über den Moment redet, in dem er als Schlagmann im Junioren-Doppelvierer Weltmeister wurde, dann leuchten seine Augen. „Als wir am Siegersteg angelegt haben und ich in die Augen der anderen geschaut habe, da wusste ich, wofür wir das ganze Training auf uns genommen haben, dass es sich gelohnt hat“, beschreibt der 17-Jährige vom Celler Ruderverein seine Gefühle bei der WM im tschechischen Racice. Und den Augenblick, als die deutsche Nationalhymne für sie gespielt wurde.

Gemeinsam mit Ruben Steinhardt (Hamburg), Florian Eidam (Leipzig) und Denis Sittel (Halle) legte Leineweber einen eindrucksvollen Start-Ziel-Sieg hin. „Am Ende hatten wir eine Bootslänge Vorsprung“, erinnert er sich. Und Klaus Scheerschmidt, der ihn hier in Celle und am Landesstützpunkt in Hannover trainiert, ergänzt: „Das ist in dieser Bootsklasse schon eine ganze Menge.“ Ab der 1000-Meter-Marke kontrollierte das deutsche Boot das Rennen souverän. Die Neuseeländer kamen zwar stark auf, kamen aber an den lange auf Platz zwei liegenden Italienern nicht mehr vorbei, während das deutsche Quartett, das von Trainer Frank Decker sehr gut eingestellt war, einsam seine Kreise zog.

Eigentlich, sagt Leineweber, habe er noch gar nicht verinnerlicht, dass er sich nun Weltmeister nennen dürfe. „Es war noch gar keine Zeit, das alles mal sacken zu lassen.“ Er hat aber auch nicht wirklich eine Pause eingelegt nach dem vierwöchigen Trainingslager und der anschließenden WM. „Das erste, was er mir gesagt hat, als ich ihn in Berlin abgeholt habe, war, dass er sich auf seinen Einer freut“, schmunzelt Heimtrainer Scheerschmidt.

Vor zwei Jahren, als Patrick Leineweber im Leichtgewichts-Einer Vierter bei den Deutschen Meisterschaften wurde, war der Trainer zum ersten Mal auf den Sportler aufmerksam geworden. Scheerschmidt: „Ich wusste schon länger, dass Patrick sehr ehrgeizig ist. Er kam vom Schwimmen zu uns zum Rudern und war enttäuscht, als ich ihm sagte, vier- oder fünfmal Training in der Woche sei genug.“ Und Leineweber ergänzt: „Ich war eben vom Schwimmen mehr Training gewöhnt.“

Und seitdem ging es kontinuierlich aufwärts. Im vergangenen Jahr war er trotz starker Saisonleistungen bei der WM nur als Ersatzmann dabei – ein Rückschlag. Aber er steckte ihn weg, setzte den Frust um in noch mehr Ehrgeiz. Und wurde letztlich belohnt mit einem Deutschen Meistertitel und der WM-Goldmedaille. Die im übrigen auch seinen Trainer Scheerschmidt mit Stolz erfüllt. Genauso wie jene aus dem Jahr 2008, als Peter Kluge ebenfalls WM-Gold, damals im Achter, holte.

Nun heißt es für Patrick Leineweber, sich auf die Schule zu konzentrieren. Im nächsten Jahr steht für den Höltyaner das Abitur an. „Aber das ist schon relativ früh. Um Ostern herum ist schon alles gelaufen, und dann fängt die Rudersaison ja erst richtig an.“ Er rückt dann auf in den älteren Jahrgang U 23. Was dann auch bedeutet, dass das bei der WM so erfolgreiche Quartett nicht mehr zusammen fahren wird.

Leinewebers großes Ziel sind die Olympischen Spiele. „Davon träumt doch jeder, das ist für einen Sportler das Größte.“ Fest im Visier hat er die Spiele 2016 in Rio de Janeiro. „Und das ist durchaus realistisch“, meint sein Trainer.