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Lokalsport Alles tanzt nach Kobbes Pfeife
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23:14 18.04.2013
Von Heiko Hartung
Annika und Oliver Kobbe aus Eicklingen sind das erste - Geschwisterpaar, dass bei einem Basketball-Bundesfinale von „Jugend trainiert für Olympia“ als Schiedsrichter Spiele leiten darf. Quelle: Gert Neumann
Eicklingen

Ein Schiedsrichter ist kein guter Spieler und ein guter Spieler ist kein Schiedsrichter. Diese Sportlerweisheit trifft für Annika und Oliver Kobbe überhaupt nicht zu. Denn das Geschwisterpaar aus Eicklingen hat im Basketball schon etliche Erfolge gefeiert – sowohl am Ball, wie auch an der Pfeife.

In der kommenden Woche steht der nächste sportliche Höhepunkt für die 16-Jährige und ihren drei Jahre älteren Bruder an. Diesmal im Dress der Unparteiischen. Die Kobbe-Geschwister fahren nach Berlin zum viertägigen Bundesfinale des weltgrößten Schulsportwettbewerbs „Jugend trainiert für Olympia“, bei dem jährlich etwa 800.000 Schüler in mittlerweile 17 olympischen Sportarten teilnehmen. Dort leiten sie als beste Nachwuchsschiedsrichter Niedersachsens die Basketball-Endrundenspiele.

Nicht nur die Mannschaften, auch die Unparteiischen mussten sich für Berlin qualifizieren. Jedes Bundesland schickt seine zwei besten Schiedsrichter in die Hauptstadt. „Beim Landesfinale mussten wir uns mit Schiedsrichtern anderer Bezirke messen“, erzählt Oliver Kobbe. Mit guten Leistungen – unter anderem vor den Augen einiger Bundesliga-Trainer – machten sie auf sich aufmerksam. „Beide können ein Spiel gut lesen und behalten ihre Linie bei technischen Fehlern und Fouls bei“, sagt Mutter Ute Kobbe über ihre Kinder. Nach dem Turnier war klar: Die Kobbes haben es geschafft.

Ihre sportliche Heimat haben Annika und Oliver Kobbe beim TuS Eicklingen. Der 19-Jährige hat mit dem TuS ab der U10 bis zur U18 fast jedes Jahr den Bezirksmeistertitel gewonnen. Sein Talent brachte den 1,90 Meter langen Berufsschüler bis in die Niedersachsenauswahl. Inzwischen spielt er im Herrenteam der Korbjäger Hannover, mit denen er gerade in die vierte Liga aufgestiegen ist.

Mit 14 Jahren hat Oliver Kobbe seine Schiedsrichter-Lizenz gemacht. Seit zwei Jahren pfeift er in der Oberliga. Unter anderem durfte er auch ein WM-Vorbereitungsspiel der deutschen Nationalmannschaft der Gehörlosen leiten. „Ich bin gerade an einem Punkt, an dem ich entscheiden muss, ob ich mich aufs Pfeifen oder aufs Spielen konzentriere“, sagt der angehende Auszubildende. Und das Pendel schlägt momentan in Richtung Schiedsrichterwesen aus. „Es macht einfach Spaß“, sagt Kobbe.

Seine „kleine“ Schwester Annika (1,62 Meter) spielte bereits als Sechsjährige bei den älteren Jungs mit. Mit zehn Jahren wechselte sie nach Buchholz und wurde Niedersachsenmeisterin. Zur Zeit spielt sie – soweit es ihre Schiedsrichtertätigkeit zulässt – in Hambühren U17-Landesliga und in Celle Bezirksoberliga der Damen. Als Schiedsrichterin pfeift sie unter anderem sogar Herrenspiele in der Bezirksoberliga.

Nun fahren beide nach Berlin. Dort leiten sie täglich bis zu acht Partien. „Vielleicht dürfen wir auch ein Finale pfeifen“, hofft Oliver Kobbe. Und weil Sichter vom Deutschen Basketball Bund vor Ort sind, kann er mit guten Leistungen seinem Traum vielleicht ein Stück näher kommen: Spiele in der Basketball-Bundesliga zu leiten. Und warum nicht gleich in der US-Profiliga NBA? „Da hat noch nie ein Deutscher gepfiffen“, sagt er. Was daran liegen mag, dass die Amerikaner die Kobbes (noch) nicht kennen ...