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Lokalsport Beachvolleyball-EM: Celler Torben Schiewe hat nicht auf Sand gebaut
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18:32 12.05.2014
Von Heiko Hartung
Der Celler Torben Schiewe (links, Team Deutschland I) und Timo Hager (Team Deutschland II) trainieren im Sand von Antalya. Quelle: Fremdfotos/eingesandt
Celle Stadt

Am Montagmorgen fiel Torben Schiewe das Aufstehen ein wenig schwerer als sonst. Erst um Mitternacht war sein Flieger aus dem türkischen Antalya in Hannover gelandet, und ein paar Stunden später musste der 28-jährige Celler schon wieder zur Arbeit ins Büro. Doch Schiewes Stimmung war gut. Kein Wunder, hatte er doch in der Türkei beim „Beach it“-Master, der inoffiziellen Europameisterschaft der Behinderten-Volleyballer mit der deutschen Nationalmannschaft den dritten Platz belegt. „Mit ein bisschen Glück hätten wir vielleicht noch besser abgeschnitten, aber ich bin mit dem Ergebnis zufrieden“, sagt Schiewe, der von Geburt an gehbehindert ist.Sechs Teams aus Polen, Kasachstan, der Slowakei und Deutschland schlugen eine Woche lang am Strand der Touristenhochburg zwischen Ägäis und Türkischer Riviera auf. Wie im Vorjahr machten die Polen vor den Kasachen das Rennen. Schiewe, der in der Volleyball-Regionalliga mit Nichtbehinderten zusammen spielt, startete mit dem ebenfalls gehbehinderten Martin Vogel sowie Elmar Sommer, der eine Fehlbildung an der Hand hat, als Deutschland I. Gegen das eigene zweite Team sowie Kasachstan II gab es zu Beginn des Turniers klare 2:0-Siege. Der zweite Turniertag musste aufgrund extremer Windverhältnisse unterbrochen werden. „Nachts hatte der Sturm eine Zuschauertribüne zusammenbrechen lassen“, bericht Torben Schiewes Schwester Sara Schiewe, die als Managerin der Nationalteams vor Ort war. Zum Glück kam keine Person zu Schaden. Am Nachmittag tat sich das deutsche Team von Bundestrainer Athanasios Papageorgiou mit Wind und Regen schwerer als Polen und Kasachstan I und musste beide Spiele verloren geben. Ein weiterer Sieg gegen die Slowakei machte den Sprung aufs Siegertreppchen für Schiewe und Co. jedoch perfekt. „Wir haben Potenzial. Die Männer haben im Sand wenig gemeinsam trainiert. Bis Australien können wir uns steigern“, so Coach Papageorgiou.„Down under“ finden im November die ersten offiziell vom Weltverband „World ParaVolley“ ausgerichteten Beachvolleyball-Masters in Adelaide statt. Also eine Art Weltmeisterschaft. „Mit mindestens 16 Teams wird dieses Turnier wegweisend für die Entwicklung der Sportart als paralympische Disziplin“, so Sara Schiewe. Denn das ist das große Ziel: „Wir wollen Beachvolleyball neben Sitzvolleyball bei den Paralympics etablieren“, erläutert ihr Bruder. Für 2016 in Rio hat es noch nicht geklappt. Die Reise an den Zuckerhut will Schiewe trotzdem in zwei Jahren antreten. Denn schließlich ist Niedersachsens Behindertensportler des Jahres 2012 nicht nur im Sand erfolgreich, sondern auch beim Sitzvolleyball. In dieser Sportart für Gehandicapte holte er vor zwei Jahren bei den Paralympics in London Bronze. Im Juli will sich Schiewe mit dem deutschen Team für Brasilien qualifizieren. Und auch wenn der Celler den Stammplatz noch nicht sicher hat, weiß sein Team: Auch in der Halle hat man mit Schiewe bislang nicht auf Sand gebaut.