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Lokalsport Beim Bremsen verschwindet der Magen
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17:24 15.11.2010
Von Christopher Menge
kudrass mit dem buch Quelle: Christopher Menge
Nienhagen

Ulrich Kudrass kann sich noch genau an das Gefühl erinnern: Testfahrten mit Jochen Mass über die alte Strecke auf dem Hockenheimring. „Das sind Erlebnisse, die an Wahnsinn grenzen“, ist Kudrass noch heute begeistert. „Das sind Geschwindigkeiten, die man nicht kennt.“ Bei 340 Kilometern pro Stunde blieb auch dem Motorsportfan die Luft weg. „Beim Anbremsen verschwindet der Magen“, beschreibt Kudrass das unglaubliche Gefühl.

Seit Sonntag jubelt ganz Deutschland über Sebastian Vettel. Nach seiner Punktlandung in Abu Dhabi ist der 23-jährige Heppenheimer der jüngste Formel-1-Weltmeister aller Zeiten. Pünktlich zum Saisonfinale veröffentlicht der Nienhager Kudrass gemeinsam mit Michael Behrndt und Jörg-Thomas Födisch das Buch „Formel 1 Weltmeister seit 1950“.

Seit den 1960er Jahren ist der Nienhagener mit dem Motorsport verbunden. Seine Sucht ist beim Rallye fahren entstanden. Später ging er als Journalist an die Rennstrecken. Vor ein paar Jahren entstand die Idee, ein Buch über die Weltmeister zu schreiben. Entstanden ist ein Werk mit über 220 Seiten und unzähligen Bildern, die die Geschichte der Formel-1 erzählen. „Wir beschreiben für jedes Jahr, wie es dazu gekommen ist, dass jemand Weltmeister wurde“, berichtet Kudrass. „Dazu wird auf die Veränderung der Regeln und der Technik eingegangen.“

In 50 Jahren hat Kudrass vieles erlebt auf den Rennstrecken. Den traurigsten Moment schildert er in seinem Buch recht nüchtern mit den Worten: „Kurz vor Ende der zweiten Runde berührten sich die Wagen von Clark und Trips beim Anbremsen der Parabolica. Der Ferrari überschlug sich, sein Fahrer wurde herausgeschleudert und dabei tödlich verletzt.“

Was bei der sachlichen Berichterstattung nicht zum Tragen kommt, sind die persönlichen Empfindungen von Kudrass in diesem Moment, der Wolfgang Graf Berghe von Trips gut kannte. „Ich habe vor dem Start noch mit ihm gesprochen und er hatte ein schlechtes Gefühl“, erinnert sich Kudrass. Weltmeister wurde Phil Hill in einer für Kudrass besonderen Saison. „Das Auto in der Haifischform hat mich wahnsinnig angesprochen“, sagt Kudrass.

Viel hat sich verändert in dem letzten halben Jahrhundert. „Früher war es Abenteuer, heute ist es Kommerz, das ist der Unterschied“, fasst Kudrass die Veränderung zusammen. „Ich kenne es noch, als die Rennfahrer mit Windkappen gefahren sind“, berichtet der Buchautor.

Auf den besten Fahrer aller Zeiten kann sich Kudrass nicht sofort festlegen. „Natürlich kommt man an Michael Schumacher mit sieben Weltmeistertiteln nicht vorbei“, sagt er. „Er hat das, was vorher war, in den Schatten gestellt.“ Zu den größten ihrer Zunft zählt Kudrass außerdem Juan Manuel Fangio, den Kudrass persönlich in Buenos Aires besuchte, und das „Ausnahmetalent“ Jim Clark. Begeistert war er zudem von Stirling Moss. „Er fuhr eine ganz andere Linie als seine Kollegen und hatte dennoch Erfolg“, so Kudrass.

Den WM-Titel für Vettel sieht Kudrass als Gerechtigkeit für Hockenheim in einer der spannendsten Saisons aller Zeiten. Die abgelaufene Saison wird in dem Buch noch angeschnitten. Sebastian Vettel ist als einer der Favoriten abgebildet. Seit Sonntag jubelt ihm ganz Deutschland als neuen Weltmeister zu.