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Lokalsport „Brauchen Klima des Hinsehens“
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11:55 07.02.2012
Seminar f¸r Ehrenamtliche des TuS Hermannsburg: Sexualisierte Gewalt unter Kindern und Jugendlichen; Diskussionen der Gruppen in der "Murmelrunde" Quelle: Fremdfotos / Texte Eingesandt
Hermannsburg

Betroffene Kinder machen oft nur Andeutungen und verstummen, wenn man ihnen nicht zuhört oder nicht glaubt. Viele versuchen, ihre Eltern zu schonen und suchen sich für ein erstes Gespräch andere vertraute Personen aus, wie zum Beispiel Trainer. „Ich habe nach mehr als zehn Jahren noch immer Herzklopfen, wenn ich mit Missbrauchsfällen konfrontiert werde“, erklärte Anja Werner. Deshalb sei es ihr wichtig, die Gefühle darzulegen, die das Thema bei den Angesprochenen auslöst. „Es ist oft Omnipotenz, also das Gefühl jetzt sofort rettend handeln zu müssen, oder Ohnmacht, weil das Gehörte so schlimm ist, dass es nicht sein kann.“ Beide Reaktionen sind verständlich, aber falsch. Richtig handelt, wer sich innerlich zurücknimmt, Ruhe bewahrt, aber insofern entschlossen handelt, als dass er sich professionellen Rat holt.

Mit wirklich krassem Missbrauch wird man zum Glück höchst selten konfrontiert. Aber was ist mit den alltäglichen Situationen von sexuellen Grenzverletzungen, in denen man sich fragt: Muss ich jetzt etwas sagen? Kann ich das durchgehen lassen? Sehe ich das „zu eng“?

In sechs Arbeitsgruppen widmeten sich die Ehrenamtlichen solchen Fragen. Der pubertierende Junge, der in der gemischten Gruppe die Mädchen „begrapscht“. Der 17jährige Jugendliche, der auf einer Freizeit mit dem zwölfjährigen Mädchen knutscht. Ist das eine Grenzverletzung? Was tue ich in der Situation? Muss ich darüber hinaus noch etwas unternehmen? Das waren die Fragen, die in der „Murmelrunde“ vorgegeben waren.

In der anschließenden Diskussion zeigte sich, dass alle Teilnehmer die Situationen gleich einschätzten und zu ähnlichen Reaktionen und Maßnahmen gekommen waren.

Trainer sind Vorbilder. Wenn Vorbilder wegschauen und nichts sagen, deuten Heranwachsenden ihr Verhalten als erlaubt. Deshalb ist eine klare Position so wichtig. Kinder müssen ihrerseits die Grenzen kennen und andererseits erkennen, dass ihr eigenes „nein“ wirksam ist und anerkannt wird. Frühzeitiges Eingreifen der Erwachsenen verhindert , dass Täter ihre Grenzverletzungen immer weiter ausdehnen bis tatsächlich ein sexueller Missbrauch erfolgt.

Die beste Prävention ist das Wissen der Kinder und Jugendlichen, dass sie ernst genommen werden. Sie müssen wissen, dass sie mit Erwachsenen reden können, die weder überhastet reagieren noch wegschauen, sondern sich kompetenten Rat holen. „Bleibt im Gespräch“, riet Anja Werner den Teilnehmern, „und sucht weiter gemeinsam nach richtigen Wegen in verunsichernden Situationen.“

Die kompetente Ansprechstelle bei Fragen um sexuelle Gewalt gegen Kinder in Celle ist Brennessel e. V. s (05141) 740560).

Von Fremdfotos / Texte Eingesandt