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Lokalsport Celle haftet nicht für seine Handballer
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21:43 21.11.2017
Von Uwe Meier
Quelle: Fremdfotos/eingesandt
Celle

Celle. Die betroffenen Vereine haben angesichts leerer Stadtkassen für diesen Aspekt durchaus Verständnis. „Unseren Beitrag zum Sparkurs wollen wir gerne leisten“, sagt Holger Neumann, Abteilungsleiter der Garßener Handballer. Deshalb haben sich Vertreter vom SV Altencelle, VfL Westercelle, HBV 91 Celle und SV Garßen-Celle zusammengetan, um gemeinsam mit der Stadtverwaltung nach Lösungsmöglichkeiten zu suchen. Doch bisher ohne Erfolg: Ein gemeinsam unterzeichnetes Schreiben, in dem bereits vor der Saison um ein Gespräch gebeten wurde, brachte nichts ein. Vielmehr blockt die Stadtverwaltung ab. „Bei dem aktuellen Anliegen sehe ich keine Möglichkeit, die Entscheidung im Rahmen eines Gespräches nachzujustieren“, lehnt es der Fachdienstleiter Jugendarbeit und Sport, Dirk Nothdurft, in seinem Antwortschreiben ab, sich gemeinsam an einen Tisch zu setzen.

Dabei sind die Handballer bereit, die Sache selbst in die Hand zu nehmen. Sie haben ein Konzept ausgearbeitet, wie es auch zukünftig mit „Backe“ gehen könnte, ohne dass andere Hallenbenutzer durch Haftmittelrückstände in Mitleidenschaft gezogen werden: Die Vereine würden für die Beseitigung der Backerückstände die Verantwortung übernehmen. Reinhard Roselieb, Macher bei den Handballern aus Altencelle, ist sogar bereit, aus eigener Tasche eine entsprechende Reinigungsmaschine anzuschaffen. „Unser gemeinsames Konzept würden wir gern der Stadt vorstellen“, sagt er. Dabei zeigen sich die Handballer kompromissbereit: „Wir bieten an, unter der Woche ohne Backe zu trainieren“, sagt Neumann. „Aber in den Punktspielen können wir nicht darauf verzichten.“ Damit am Montag die Kinder im Schulsport nicht in die klebrigen Rückstände treten, wollen die Vereine die Hallen blitzeblank hinterlassen. „Damit wäre doch allen gedient“, sagt Moritz Kaplick vom HBV 91 Celle.

Derzeit scheint aber ein Einlenken nicht denkbar. Die Celler Handballer hatten in ihrem Schreiben zwar darauf hingewiesen, dass leistungsorientierter Handball ohne den Gebrauch von Haftmitteln nicht möglich sei. Viele technische Feinheiten würden nur dadurch gelingen. Doch dieses Argument wird seitens der Stadt beiseitegeschoben. „Das Haftmittelverbot in Sporthallen ist keine Celler ,Erfindung‘, sondern landesweit üblich“, heißt es in einer Stellungnahme. Eine Nachfrage beim Handballverband Niedersachsen habe kein anderes Ergebnis erbracht. Einzig in Braunschweig gebe es eine Halle, in der das Haftmittelverbot ausgesetzt ist. „Dieser Aussage können wir als Verein nur widersprechen“, sagt Kaplick. „Wir erleben bei fast jedem Auswärtsspiel, dass mit Haftmittel gespielt wird.“

In den Hallen des Landkreises funktioniert die Kommunikation zwischen Vereinen und Verwaltung offenbar besser. Beispiel Bergen: Dort bestreiten Damen- und Herrenmannschaften ihre Heimspiele mit „Backe“. Der Verein ist eigenverantwortlich dafür zuständig, dass die Halle anschließend von allen Haftmittelrückstanden befreit wird. „Wenn man Handball fördern möchte, sollte man das auch nicht verbieten“, sagte Dominik Blancbois, Herrenspieler beim TuS Bergen und Trainer der Oberliga-Frauen. Im Trainingsbetrieb innerhalb der Woche ist die „Backe“ auch am Heisterkamp verboten. In Hermannsburg, wo unter anderem Landesligist MTV Müden spielt, oder in Wathlingen (HSG Adelheidsdorf/Wathlingen) wurden ähnliche Regelungen getroffen.

Einen ähnlichen Kompromiss würden Celles Handballer auch gerne erzielen. Denn derzeit bewegen sich einige Klubs in einer Grauzone: Viele Mannschaften benutzen seit dem Verbot weiterhin Haftmittel – nur eben heimlich. „Früher stand der Backe-Topf offen neben der Spielerbank. Jetzt harzen wir schon die Trinkflaschen ein, um die Hände unbemerkt griffiger zu machen“, sagt ein Spieler, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Ein Vorgehen, das offenbar nicht bemerkt oder stillschweigend akzeptiert wird. Denn Sanktionen vonseiten der Stadt wurden gegenüber den Handballklubs bislang nicht ausgesprochen.

Ganz wohl ist den Akteuren bei dieser Heimlichtuerei nicht. „Wir würden gerne eine offizielle Regelung mit der Stadt hinbekommen, die uns künftig erlaubt, Haftmittel in Punktspielen zu verwenden, ohne die Hallen saudreckig zu hinterlassen“, sagen die Vereinsvertreter unisono. Doch um das zu regeln, müssten sich Stadt und Vereine erstmal an einen Tisch setzen. „Schade, dass man nicht die Möglichkeit hat, das lösungsorientiert zu erörtern“, meint Holger Neumann.