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Lokalsport Celle im Wasa-Lauf-Fieber (mit großer Bildergalerie und Videos)
Sport Sport regional Lokalsport Celle im Wasa-Lauf-Fieber (mit großer Bildergalerie und Videos)
18:45 13.03.2017
Celle Stadt

Die Celler Innenstadt ist sonntags um acht Uhr morgens in der Regel menschenleer. Diesen Sonntag jedoch sind Männer im Bademantel, Frauen in Bienenkostümen und ganz viele Kinder mit bunten Luftballons unterwegs. Lange grüne Bänder sind quer durch die Stadt gespannt. Sie bilden übersichtliche Gassen, die bereits andeuten, dass an diesem Sonntag alles etwas anders ist als gewöhnlich. Auch die Gänse im Schlosspark merken, dass dies ein besonderer Tag ist. Laut schnattern sie und wandern zwischen den vielen Menschen hindurch, um sich auf der Wiese vor dem Schloss hinzulegen und sich einen guten Platz beim Lauf-Spektakel zu sichern. Wenn der Celler Wasa-Lauf stattfindet, sind alle aus dem Häuschen. Jung und Alt gehen auf die Straße. Nicht nicht nur die Celler lockt der beliebte Volkslauf vor die Haustür. Menschen aus der ganzen Welt reisen an, um mitzulaufen. In diesem Jahr kommen die Teilnehmer aus 36 Ländern. Die weiteste Anreise hatte ein Paar aus Singapur.

Fast 40.000 Besucher jubelten am Sonntag den Läufern beim 35. Celler Wasa-Lauf zu. 8814 Aktive gingen an den Start und bewiesen ihr Können bei den verschiedenen Laufdistanzen, die von 2,5 bis 20 Kilometer reichten. Beim Mini-Wasa-Lauf nahmen mehr als 2500 Kinder teil, die vollen Einsatz zeigten. Neben den Läufern kamen auch Walker, Nordic Walker und Wanderer voll auf ihre Kosten. Auch Hunde hatten beim Wandern ihren Spaß.

Doch nicht nur Menschen unterschiedlichster Nationalitäten gehen beim Wasa-Lauf an den Start. Vor der Wander-Laufstrecke sammeln sich plötzlich ganz viele Vierbeiner in knallgrünen Trikots. Ganz aufgeregt wedeln viele der 32 Hunde mit dem Schwanz und warten vor dem Schloss auf ihren Einsatz. Ute Hubbe und ihr Mann Christian Danner sind mit der Hundeschule „Hundeleben“ und der Celler Ortsgruppe des Deutschen Schäferhund-Vereins (SV-OG Celle) beim Wasa-Lauf. Die beiden Schäferhunde Maxi und Zita sind zwei der Vierbeiner, die ihre Herrchen beim Wandern über elf Kilometer begleiten. „Wir sind schon zum 15. Mal beim Wasa-Lauf mit dabei. Es ist toll für die Hunde“, erzählt Hubbe, die die Hundeschule „Hundeleben“ leitet. Die Hunde werden zuvor auf die aufregende Situation vorbereitet, jeder Vierbeiner hört aufs Wort und freut sich auf den langen Spaziergang. Ein Versorgungswagen fährt sicherheitshalber mit und nimmt diejenigen auf, die die lange Strecke nicht mehr schaffen. Hubbe freut sich mit ihren Kollegen und Vierbeinern am Ende über die Auszeichnung als größte Wandergruppe.

Während die Wanderer und Nordic Walker schon lange auf der Strecke sind, warten auf dem Großen Plan tausende Kinder und Eltern auf ihren Einsatz. Der Platz erscheint wie ein buntes Meer aus Luftballons. Simone Neumann von der Lobetalarbeit nimmt mit fünf Kindern am Mini-Wasa-Lauf über 2,5 Kilometer teil. „Das hat im vergangenen Jahr so gut mit den Kindern geklappt und so viel Spaß gemacht, sodass wir uns dazu entschlossen haben, wieder mitzumachen“, erzählt die Gruppenleiterin. Viele Eltern laufen mit ihren Kindern mit. Es sind aber auch zahlreiche Schulen und Kindergärten angemeldet. Die Grundschule Klein Hehlen ist mit 234 kleinen und großen Läufern die zahlenstärkste Schulgruppe, die mitmacht. „Wir laufen seit vielen Jahren mit und sind eine sportfreundliche Schule. Jeder, der laufen kann und will, darf mitmachen“, sagt Rektorin Katrin Döhrmann.

Auch Christina Dreyer nimmt mit ihrer Tochter Paula (10) und ihrem Sohn Tom (7) am Mini-Wasa-Lauf teil. „Bei uns ist die ganze Familie immer mit dabei. Unser sechsjähriger Sohn Oskar feuert uns aus dem Publikum an“, erzählt Dreyer. Paula ist bereits eine routinierte Läuferin. „Wir sind schon ganz oft mitgelaufen. Es macht total Spaß.“ Laute Rassel-Klänge und Zurufe von Zuschauern am Streckenrand motivieren die Kinder noch mehr. Nachdem die bunten Luftballons für den Luftballon-Weitflugwettbewerb in die Höhe gelassen sind, fällt auch schon der Startschuss und wie auf Knopfdruck rennen die kleinen Läufer voller Ehrgeiz los.

Unterdessen sind schon die ersten Nordic Walker von der etwa zehn Kilometer langen Strecke bis nach Altencelle zurück. Ein wenig aus der Puste, aber glücklich erreichen sie den Schlossberg, wo sie mit Applaus begrüßt werden. Egal ob 20-Kilometer-Läufer oder Nordic Walker – dabei sein ist alles. Der olympische Gedanke zählt. „Wir machen das für die Gesundheit“, sagt Sigrun Einsel. Seit 1985 und damit fast von Anfang an nimmt die 63-Jährige vom MTV Beedenbostel am Wasa-Lauf teil. „Früher bin ich gelaufen, heute lasse ich es lieber etwas langsamer angehen.“ Die Gruppe mit Teilnehmern aus Beedenbostel, Lachendorf und Celle freut sich über die tolle Organisation und die schöne Laufstrecke. „Es gab keine Schlaglöcher. Alles ist sehr gut ausgebessert“, lobt Einsel.

Wie in jedem Jahr waren unter den Läufern auch diesmal bekannte Gesichter. Für die Celler SPD-Bundestagsabgeordnete Kirsten Lühmann etwa gehört der Wasa-Lauf zum sportlichen Pflichtprogramm. Auch wenn sie im Alltag kaum Zeit habe zum Trainieren, wie die Politikerin ein bisschen bedauerlich feststellt. „Ich laufe höchstens einmal pro Woche, im Vorfeld des Wasa-Laufs aber immer etwas häufiger“, sagt Lühmann. So hat sie die Fünf-Kilometer-Strecke ohne Probleme bewältigt. Seit 24 Jahren hat sie ohne Unterbrechung an jedem Lauf in der Residenzstadt teilgenommen. „Das kann ich mir gut merken“, so Lühmann und plaudert ein wenig aus dem Nähkästchen. Ihr erster Wasa-Lauf war in dem Jahr, als ihre jüngste Tochter geboren wurde.

Karsten Meier, der Sieger der Zehn-Kilometer-Strecke, kommt mit seiner fantastischen Laufzeit von 30,51 Minuten fast an den Streckenrekord von 29,47 Minuten ran. Bereits nach dem Startschuss mit der Kanonenkugel spurtet der Braunschweiger los und hängt recht schnell seine Konkurrenten ab. Nach der ersten Laufrunde hat er bereits einen Vorsprung von rund 400 Metern vor dem Zweitplatzierten erreicht. Er siegt überlegen und lobt das Publikum: „Ich bin heute das erste Mal beim Wasa-Lauf in Celle mitgelaufen und es war großartig. Es waren so viele Leute an der Strecke, die einen angefeuert haben. Ich habe die Zuschauer meinen Namen rufen gehört. Das hat mich noch mehr motiviert.“

Als letztes, aber mit mehr als 1000 Aktiven noch einmal sehr großes Teilnehmerfeld gehen die Läufer über die 15- und 20-Kilometer-Distanzen sowie – und das ist neu im 35. Jahr des Wasa-Laufs – auf die Staffel-Strecke. Noch versperren Absperrgitter den Sportlern am Alten Rathaus den Weg. Ganz vorne eingereiht hat sich Simon Muteau. Der 29-Jährige aus Lüneburg ist zum ersten Mal beim Celler Traditionslauf dabei. Mit Arbeitskollegen bildet er eine Staffel. Er sei ein geübter Läufer, sagt er. Besonders vorbereitet hat er sich daher nicht. „Ich habe ein positives Gefühl und die Stimmung unter den Läufern ist auch gut“, sagt Muteau und freut sich auf den Startschuss, der wenige Augenblicke später fällt und der die Strecke für die Läufer freigibt. Eine Gruppe aus Hannover gewann den Staffellauf, doch den zweiten Platz sicherte sich mit dem MTV Müden ein Team aus dem Landkreis Celle.

Holger Pieper vom Organisationsteam des Wasa-Laufs ist am Ende des Tages „rundum zufrieden“ mit der Großveranstaltung in diesem Jahr. Zwischenfälle gab es nicht. „Wir hatten mit insgesamt fast 8814 Teilnehmern wieder mehr Teilnehmer als 2016. Die Stimmung war super und der neue Staffellauf hat dazu beigetragen, dass wir die Zuschauer auch länger in der Innenstadt halten konnten.“ Da der Staffellauf mit rund 40 Mannschaften gut angenommen wurde, soll er im nächsten Jahr erneut angeboten werden.

Von Jessica Poszwa und Carsten Richter