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Lokalsport Celler City Night vor dem Aus
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18:32 09.04.2013
Von Heiko Hartung
Drehen die Radrennfahrer auch in diesem Jahr ihre rasanten Runden auf der Stechbahn? Die Celler City Night steckt in finanziellen Schwierigkeiten. Quelle: Peter Müller (Archiv)
Celle Stadt

Thorsten Lübkes Stimmung ist derzeit auf dem Tiefpunkt. Der langjährige Cheforganisator der Celler City Night steht vor der schwierigen Entscheidung, das für Mitte Juni geplante Radrennen rund um das Alte Rathaus in der Celler Innenstadt abzusagen. Grund: Knapp 4000 Euro fehlen dem Veranstalter TuS Celle 92 an der Finanzierung der elften Auflage des Radsportereignisses – das entspricht etwa einem Drittel des Gesamtetats. „Man spürt in Celle die Finanzkrise“, sagt Lübke. Einige kleine Sponsoren seien ausgestiegen, drei Geldgeber, die sich im vierstelligen Eurobereich engagieren wollten, hätten ihre Zusage kurzfristig zurückgezogen und die Sparkasse Celle – neben dem Energieunternehmen SVO zuletzt der größte Sponsor – habe ihre Zuschüsse um die Hälfte gekürzt. „Wenn die Finanzierung bis Ende der Woche nicht steht, blase ich die Sache ab. Das Risiko können wir als Verein nicht eingehen“, stellt Lübke klar.

Bei den jährlich etwa 200 Fahrern ist das Rad-Spektakel, das 1998 vom Celler Velo Club aus der Taufe gehoben wurde und – nach einer fünfjährigen Unterbrechung – seit 2007 unter der Regie des TuS 92 jedes Jahr bis zu 3000 Zuschauer an den Rundkurs lockt, sehr beliebt. „Die Sportler lieben die dichte Atmosphäre und die tolle Organisation“, weiß der Radsportexperte und langjährige Moderator Jürgen Kramer. „Die City Night ist ein Aushängeschild des Amateurradsports. Wenn sie stirbt, würde mir das sehr weh tun“, sagt der 70-Jährige aus Hannover.

Neben der schwierigen Sponsoringsituation sehen Kenner der Traditionsveranstaltung eine Schwäche in der Organisationsstruktur. Von der „One-Man-Show Lübke“ ist da die Rede. Ohne den 50-Jährigen würde „das Chaos ausbrechen“, heißt es. Ausschreibung, Sponsorensuche, Öffentlichkeitsarbeit, Fahrerbetreuung, Absprachen mit der Verwaltung – alles hänge mehr oder weniger allein an Lübke. Bei der monatelangen Vorbereitung komme vom Verein TuS 92 eher wenig Unterstützung.

Darauf angesprochen bleibt Lübke diplomatisch. „Im Vorfeld würde ich mir manchmal etwas mehr Hilfe wünschen, aber am Veranstaltungstag sind immer 70 ehrenamtliche Helfer dabei. Da will ich nicht meckern.“ Vielmehr störe ihn das Verhalten einiger Politiker, die die öffentlichkeitswirksamen Radrennen nutzen würden, um sich volksnah und sportbegeistert zu präsentieren, „aber ihren Einfluss als Türöffner bei möglichen Geldgebern nicht geltend machen“.

Die Stadtverwaltung hält indes zur City Night, Oberbürgermeister Dirk-Ulrich Mende gilt als vehementer Unterstützer des Events. „Wir schießen zwar nur 500 Euro dazu, aber Logistik und Personaleinsatz – von der Absperrung bis zur Straßenreinigung – wird von der Stadt getragen und geht in die Tausende“, unterstreicht Celles Fachbereichsleiter Sport, Rüdiger Heinrich.

Lübke hofft nun im letzten Moment auf eine rettende Hand. „Auch wenn es manchmal schwierig ist, die eigene Motivation hochzuhalten, hänge ich doch sehr an der City Night“, sagt er.