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Lokalsport Celler Politik will Sportlandschaft neu gestalten
Sport Sport regional Lokalsport Celler Politik will Sportlandschaft neu gestalten
17:06 08.07.2014
Von Heiko Hartung
Auch die Zukunft des teilweise baufälligen Günther-Volker-Stadions könnte in einem Sportentwicklungsplan erörtert werden.
Celle Stadt

In Deutschland gibt es mehr Stabhochsprunganlagen als Stabhochspringer. Und seit dem Abflauen des Tennis-Booms in der „Post-Graf-Becker-Ära“ wuchert auf tausenden Tennisplätzen im Lande das Unkraut: Mit Beispielen von Fehlplanungen wie diesen hat der Sportwissenschaftler Stefan Eckl vom Institut für Kooperative Planung und Sportentwicklung (ikps) auf der jüngsten Sitzung des Sportausschusses der Stadt Celle für die Aufstellung eines Sportentwicklungsplanes geworben.

Mit Erfolg: Das Gremium empfahl einstimmig einen solchen Bedarfsplan für die Stadt Celle erstellen zu lassen. Die Kosten dafür betragen bis zu 60.000 Euro, in einer Ausschreibung sollen Angebote von verschiedenen Instituten eingeholt werden. Ziel ist die Anpassung der Infrastruktur an die Bedürfnisse des Breiten- und Leistungssports in Celle – gerade unter dem Aspekt der alternden Bevölkerung.

„Große Drei-Feld-Halle oder kleiner Gymnastikraum, weniger Sportplätze, dafür mehr Schwimmbäder – das sind Fragen, die sich eine Kommune wie Celle stellen muss“, so Eckl. Ausschussvorsitzender Joachim Ehlers betonte, eine solche Aufstellung sei kein reiner Sparplan. „Ohne einen Sportentwicklungsplan ist es nicht möglich, die Sportlandschaft so zu gestalten, wie es nötig ist“, so der CDU-Politiker, dessen Fraktion die Idee angestoßen hatte. Er ist sicher: „Die Sportler profitieren davon.“

Experte Eckl stellte ein Konzept vor, das im Wesentlichen auf drei Säulen fußt. Grundlage ist eine Bestandsaufnahme: Welche Sportaktivitäten werden angeboten, welche Sportstätten sind vorhanden, wie sieht die Bevölkerungsentwicklung aus? Als nächstes müsste eine Bedarfsanalyse erstellt werden, in der das Sportverhalten der Bürger abgefragt wird – unter Einbeziehung der rund 80 Vereine sowie Schulen und Kindertagesstätten. In einem letzten Schritt erarbeitet eine moderierte Gruppe von maximal 35 Leute aus Vereinen, Kommunalpolitik, Verwaltung, Schulen und Kitas, Jugendarbeit, Behinderten- und Seniorenvertretung Handlungsempfehlungen, um die Sport- und Bewegungsangebote im Celler Stadtgebiet zukunftsfest zu gestalten.

Celles Sportdezernent Stephan Kassel hat „gewisse Sympathien für den Antrag“. 22 Städte und Gemeinden im Umkreis, darunter Braunschweig, Wolfsburg und Salzwedel, hätten bereits einen Sportentwicklungsplan erstellen lassen. „Öffentliche Gelder, die in den Sport fließen, müssen effizient eingesetzt werden“, erhofft sich der Stadtrat wertvolle Erkenntnisse aus der Studie.

Auf Nachfrage der Ausschussmitglieder bezifferte Eckl die Kosten auf 60.000 Euro für ein „Wunschlos-glücklich-Paket“ – je nach Umfang der Studie könne es günstiger werden. Kassel wies zudem auf Fördermittel aus europäischen Töpfen hin. Möglicherweise könnten auch Zuschüsse über den Landessportbund eingeworben werden.

Die Erstellung des Berichts würde etwa ein gutes Jahr dauern. Angaben der befragten Vereine in Bezug auf Mitglieder und Aktivitäten würden einem Fakten-Check unterzogen. Eckl: „Wir bauen keine Luftschlösser.“ Nach seiner Erfahrung würden 85 Prozent der Kommunen die Erkenntnisse aus einem Sportentwicklungsplan „voll umsetzen“.

Welche Konsequenzen ein Sportentwicklungsplan haben kann, machte Experte Eckl anhand eines Beispiels deutlich: „Eine Gemeinde mit 15.000 Einwohnern hatte 18 Sportplätze in neun Ortsteilen. Auf Empfehlung wurden acht davon dicht gemacht. Ohne dass der Sport beeinträchtigt wurde, ergab das eine Ersparnis im hohen fünfstelligen Bereich jährlich“, so der Sportwissenschaftler. Geld, das auch Celle gut gebrauchen könnte.