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Lokalsport Celler Ruderer bereiten sich auf Olympische Spiele in Rio vor
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20:45 20.02.2015
Von Christopher Menge
Der Erfolgsdruck ist da. Peter Kluge (links) und Patrick Leineweber halten ihm Stand. Quelle: Isabell Prophet
Celle Stadt

Ursprünglich habe er gar keine Lust auf Rudern gehabt, erzählt Peter Kluge. „Meine Mutter hat mich mehr oder weniger gezwungen – ganz gut, dass sie das gemacht hat“, sagt der 24-Jährige und lacht. Inzwischen ist sein ganzes Leben auf Rudern ausgerichtet. Kluge will bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro in einem deutschen Boot sitzen – dafür quält er sich jeden Tag. Und nicht nur er: Mit Patrick Leineweber träumt ein zweiter Celler von der Teilnahme am größten Sportereignis der Welt.

Seit drei Jahren ist der 22-Jährige in Hannover, um Maschinenbau zu studieren – und vor allem um am Stützpunkt zu trainieren. Sechs Mal pro Woche stehen Ruder- oder Ergometertrainingseinheiten auf dem Programm, dazu kommen zwei bis dreimal Krafttraining, Stabilitätsübungen, Laufen und Schwimmen.

Mit dem Schwimmen begann Leineweber als Kind auch seine sportliche Laufbahn. „Das ist ein guter Einstieg“, sagt Landestrainer Klaus Scheerschmidt, „da hat er sich gleich an die regelmäßigen Einheiten und an die Trainingsdisziplin gewöhnt.“ Im Jahr 2004 – mit 12 Jahren – begann Leineweber, der 2011 auf dem Hölty-Gymnasium sein Abitur gemacht hat, dann mit dem Rudern.

Kluge war ebenfalls 12 Jahre jung, als er sich – mit Unterstützung seiner Mutter – entschloss, mit dem Rudern zu beginnen. 2006 wechselte er aus Wittingen zum Celler Ruderverein und wurde Leinewebers Teamkollege. Heute gehört er der Sportfördergruppe der Bundeswehr an und trainiert am Stützpunkt in Dortmund. Sein Pensum ist nicht geringer als das von Leineweber. „Da muss man auch die freie Zeit genau durchstrukturieren“, sagt Kluge, „alles andere muss hinten anstehen.“

Da ist es gut, dass er eine Lebensgefährtin gefunden hat, die Verständnis für seinen Sport hat. „Obwohl wir zusammen wohnen, sehen wir uns manchmal einen ganzen Monat nicht“, erzählt Kluge. Schließlich ist seine Freundin Janina Kling ebenfalls erfolgreiche Ruderin, die gerade beim Lehrgang der Nationalmannschaft in Spanien weilt. Wenn sie wiederkommt, steht für Kluge das nächste Trainingslager in Italien auf dem Programm.

Die Vorbereitung auf die Weltmeisterschaft Ende August/Anfang September im französischen Aigueblette ist im vollen Gange. „Man muss sich durch seine Leistungen jedes Mal neu bewerben – egal, wie gut man vorher war“, sagt Kluge. Schließlich soll am Tag X die bestmögliche Mannschaft in Rio Gold für Deutschland holen.

Leineweber hat daher seine Trainingsintensität noch einmal erhöht und trainiert an den Wochenenden in Berlin. „Da ist ein noch höheres Trainingsniveau“, erzählt Leineweber, der aufgrund einer Rückenverletzung im vergangenen Jahr noch nicht auf seinem Top-Niveau ist. Kluge rief dagegen beim letzten Test Ende November in Dortmund die erwartete Leistung ab. Ende März werden die beiden wieder zum 2000-Meter-Ruderergometer- und 6000-Meter-Langstreckentest im Kleinboot nach Leipzig fahren – um zu beweisen, dass bei der Nominierung für die WM kein Weg an den beiden Cellern vorbeigeht.

Eine Sache blenden die beiden dabei vollkommen aus. „Die Chance des Scheiterns ist größer, als bei den Olympischen Spielen dabei zu sein“, sagt Scheerschmidt. Doch damit setzen sich Leineweber und Kluge nicht auseinander. „Wenn man es sich selbst nicht zutraut, braucht man nicht an den Start gehen“, sagt Leineweber. „Durchziehen – egal wie weh es tut“, ergänzt Kluge.

Schmerz aushalten und sich quälen können – das sind die wichtigsten Voraussetzungen, um beim Rudern erfolgreich zu sein. „Talent, Fleiß, Kopf – was es genau ist, kann man nicht sagen“, sagt Trainer Klaus Scheerschmidt, der gemeinsam mit Kluge und Leineweber alles dafür gibt, damit zwei Celler im kommenden Jahr bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro dabei sind.