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Lokalsport Celler Schiewe: "Wir hatten uns mehr ausgerechnet"
Sport Sport regional Lokalsport Celler Schiewe: "Wir hatten uns mehr ausgerechnet"
09:07 05.10.2016
Von Jürgen Poestges
Volle Konzentration auf den Ball: Zuspieler Torben Schiewe bei den Paralympics in Rio de Janeiro im Einsatz. Quelle: Uli Gasper (Archiv)
Celle Stadt

2:0 führten die Deutschen bereits nach Sätzen, im dritten Durchgang stand es 22:18. „Da hast du das Spiel eigentlich im Sack“, meint der Celler. Nicht jedoch in diesem Fall. Die Ägypter drehten die Partie, gewannen die folgenden drei Sätze. Schiewe: „Danach sind wir überhaupt nicht mehr richtig ins Turnier gekommen, haben nie zu unserer Form gefunden.“

Das war umso enttäuschender, als die deutschen Sitzvolleyballer im Vorfeld starke Teams wie Brasilien, Ägypten oder den Iran bereits geschlagen hatten. „Wir wussten, wir haben es drauf. Und deshalb sind wir mit einem gewissen Selbstbewusstsein nach Rio gefahren“, sagt Schiewe.

Das Gute daran war allerdings, dass er nach dem frühen Ausscheiden mehr Zeit hatte, sich die Stadt und auch andere Sportarten anzuschauen. „Am Strand der Copacabana mal Volleyball zu spielen, das war schon immer mein Traum“, sagt der Sportler mit glänzenden Augen. „Und es war auch toll, meiner Freundin mal das olympische Dorf zu zeigen. Es gab einen Tag, da war das Dorf für Angehörige der Sportler geöffnet.“

Überhaupt kann er die negativen Nachrichten, die im Vorfeld aus Rio kamen, nicht bestätigen. „Es ging ja sogar so weit, dass die Paralympics abgesagt werden sollten, weil die Organisation nicht hinhaut.“ Auch von viel Dreck und kleinen Zimmern war die Rede. „Alles Quatsch“, sagt Schiewe. „Wir sind immer überall hingekommen. Man darf eben nicht den europäischen Standard anlegen. Das ist halt Südamerika.Und in Rio gibt es nun mal Stadtteile, in denen es nicht so toll aussieht. Die Favelas lassen sich nicht verbergen.“

Hochzufrieden war er mit der Stimmung. „Auf der Tribüne in der Halle herrschte immer eine gewisse Samba-Atmosphäre. Und wir hatten nicht nur bei der Partie gegen Brasilien ein volles Haus, sondern auch bei den anderen Spielen. 7000 bis 8000 Zuschauer waren immer da.“ Im übrigen war es wie bei Olympischen Spielen. „In der Partie gegen die Gastgeber sind wir schon beim Aufschlag ausgepfiffen worden. Aber darauf waren wir ja vorbereitet.“

Wie es nun für ihn in der Sitzvolleyball-Nationalmannschaft weitergeht, ist noch offen. „Es werden Gespräche geführt werden müssen. Es muss sich grundlegend an der Ausrichtung etwas ändern. Wir sind alle Amateure und haben unseren Job. Da muss organisatorisch vieles anders laufen als bisher.“ So habe er in den vergangenen zwei Jahren seinen kompletten Jahresurlaub für Lehrgänge und Turniere mit der Nationalmannschaft geopfert. „Glücklicherweise ist mein Arbeitgeber MTV Eintracht Celle mir sehr entgegengekommen. Aber das kann ich nicht immer wieder erwarten.“

So wird sich noch zeigen, ob Schiewe 2020 bei den Paralympics wieder dabei sein wird. „Ich kann auf jeden Fall nicht mehr so viel Zeit investieren. Wenn es trotzdem noch reicht, bin ich aber dabei.“