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Lokalsport Celler Sitzvolleyballer Torben Schiewe schwärmt von Paralympics
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17:54 07.09.2016
Celle Stadt

RIO DE JANEIRO. Mit dem deutschen Team hatte der Sportler vor vier Jahren in London nach einem Nervenkrimi gegen Russland die Bronzemedaille gewonnen. „Klar peilen wir dieses Mal auch eine Medaille an, aber es wird bestimmt nicht einfach“, gibt Schiewe zu bedenken. Denn die Deutschen haben als Weltranglisten-Fünfter den Gastgeber Brasilien (3.), die USA (9.) und Ägypten (4.) in der Gruppe. Schon am Freitag treten die deutschen Sitzvolleyballer gegen das Team vom Nil an (19 Uhr, MESZ). Sonntag steht die Partie gegen die USA an (23.30 Uhr), am Mittwoch spielt das deutsche Team dann gegen Brasilien (1.30 Uhr). „Alles ist möglich. Von der Medaille bis zum Aus nach der Gruppenphase“, urteilt der Celler. „Aber wir haben unsere Hausaufgaben gemacht und sind voll fokussiert. Es kann losgehen.“

Gerade wegen dieser Endspiel-Atmosphäre bei jeder Partie möchte Schiewe seine Zeit bei den Paralympics voll auskosten. Besonders gespannt war er auf das Olympische Dorf. „So viele Sportler, so viele verschiedene Sprachen – das muss man erleben“, schwärmte er vor der Abreise. Allerdings trübten Gerüchte die Vorfreude: Angeblich sollten die Unterkünfte der Sportler nicht den üblichen Standards entsprechen. Doch mittlerweile gibt Schiewe Entwarnung: „Ich kann nur sagen, dass wir alles haben, um gute sportliche Leistungen zu bringen.“

Am Montag trainierte die deutsche Sitzvolleyball-Mannschaft zum ersten Mal in der olympischen Spielhalle. Auch die dortigen Bedingungen lobt der Zuspieler. „Wir sind alle begeistert: schneller Boden, die Zuschauer sind dicht dran und die Halle ist riesengroß“, benennt Schiewe die Vorzüge der Spielstätte.

Eine Kleinigkeit stört den Sitzvolleyballer des MTV Eintracht Celle dann allerdings doch. „Mit den Klimaanlagen übertreiben die Brasilianer es etwas“, erzählt Schiewe augenzwinkernd. „Trotz der 30 Grad Außentemperatur sollte man ohne Pullover nicht zum Essen oder Training fahren.“

Über 4300 Sportler aus 176 Ländern kämpfen in 23 Sportarten um Medaillen. Schiewe ist einer von insgesamt sechs niedersächsischen Athleten mit körperlichen Handicaps, die in der brasilianischen Metropole an den Start gehen. Vico Merklein und Christiane Reppe vom GC Nendorf treten im Handbiking an, Thomas Schäfer von der RSG Nordharz beim Paracycling, Stefan Lösler beim Triathlon und Elke Seeliger vom SV Etzhorn beim Sportschießen.

Karl Finke, Präsident des Behinderten-Sportverbands Niedersachsen, fiebert mit den Sportlern mit: „Wir freuen uns auf ‚sechs Richtige‘, die die niedersächsischen Farben in Rio vertreten werden.“ Auch der niedersächsische Minister für Inneres und Sport, Boris Pistorius, drückt den Athleten die Daumen: „Unsere Athleten haben für die Reise nach Rio hart trainiert. Das alleine ist schon ein großartiger Erfolg, der nur noch von einer Medaille getoppt werden könnte.“

Für Schiewe beginnt nach der gestrigen Eröffnungsfeier nun die heiße Phase der Gruppenspiele. Viel Zeit, um den paralympischen Geist wirklich zu genießen, bleibt dem Celler deshalb nicht. „Unser Turnier geht fast über die gesamte Zeit. Das ist etwas anderes als bei Einzelsportlern. Die haben nach ihrem Wettkampf Gelegenheit, sich umzuschauen.“ Er selbst müsse zwischen den Spielen fokussiert bleiben, nach den Partien gilt es, sich schnell zu regenerieren.

Unterstützung vor Ort erhält Schiewe von Familie und Freunden. Acht Leute begleiten ihn und haben sich frühzeitig Karten für die Spiele gesichert. Mittlerweile hat sich der Sitzvolleyballer in Rio eingelebt und schwärmt: „Es ist ein tolles Gefühl, ein Teil dieses tollen Events zu sein.“

Von Amelie Thiemann