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Lokalsport Celler Tennis-Ass: Abschied vom Profi-Traum
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15:44 14.11.2018
Von Heiko Hartung
Lebte und trainierte vier Jahre lang unter Profi-Bedingungen: Das Celler Tennis-Ass Jennifer Wacker. Quelle: Holger Suhr
Celle

Jennifer Wacker wirkt gelöst. „Ich bin mit mir selbst im Reinen“, sagt die 22-Jährige, obwohl ihrem Traum das ganz große Happy End verwehrt geblieben ist: Vor vier Jahren fasste das damals 18-jährige Talent aus Hambühren den Entschluss, eine Karriere als Tennis-Profi zu starten. Jetzt ist das Abenteuer vorbei. „Ich habe nicht leichtfertig hingeschmissen. Diese Entscheidung ist über Monate in mir gewachsen“, sagt Wacker mit fester Stimme.

Alle leben den Traum von Erfolg und Ruhm

Der Entschluss hatte mehrere Gründe. „Jenny hat über Jahre sehr viel in ihren Traum investiert“, sagt ihr Vater und Trainer Oliver Wacker. Unzählige Trainingsstunden auf dem Tennisplatz und im Fitnessstudio, mehrere Monate im Jahr zwischen Belgien und der Türkei unterwegs auf zweitklassigen ITF-Turnieren, dem Unterbau der WTA-Tour, auf der die großen Stars wie Angelique Kerber & Co. aufschlagen. Hinzu kamen bei der knapp 1,80 Meter großen Wacker gesundheitliche Probleme. Vor allem Schulterverletzungen warfen sie immer wieder zurück. „Wenn man dann sportlich auf der Stelle tritt und nie den großen Durchbruch schafft, zermürbt das einen irgendwann“, weiß Jennifer Wacker. Sie war als unbeschriebenes Blatt mit einem Dreijahresplan gestartet, an dessen Ende ihr Name in der Weltrangliste auftauchen sollte. Als der Schritt in die WTA-Tour nach Ablauf der selbstgesetzten Frist noch nicht geschafft war, hatte sie noch mal ein Jahr drangehängt. „Aber jetzt reicht es“, sagt die junge Frau.

„Die Konkurrenz im internationalen Damen-Tennis ist riesengroß“, fügt ihr Vater an. „Alle leben den gleichen Traum von Erfolg und Ruhm. Aber nur die wenigsten kommen ganz groß raus und können als Tennisprofi ihren Lebensunterhalt bestreiten.“ Jenny Wacker hat es nicht auf diese Stufe geschafft. Oft kam bei Turnieren das Aus in der Quali oder spätestens in einer der ersten Runden im Hauptfeld. „Natürlich haben wir unterm Strich draufgezahlt. Wenn man keinen großen Namen hat, rennen einem die Sponsoren nicht gerade die Bude ein“, sagt Oliver Wacker. Aber dieses Risiko habe die Familie von vornherein einkalkuliert und es über die gesamte Zeit des „Projektes“ überschaubar gehalten. „Wir haben die Turnierplanung nach dem Geldbeutel ausgerichtet – auch wenn das für den sportlichen Erfolg nicht ideal war“, sagt Wacker senior.

Nichts zu bereuen: Viel von Welt gesehen

Auch für ihn sei das vor vier Jahren wie ein „Eintritt in eine fremde Welt“ gewesen, meint der 49-Jährige. Wacker hatte seinen Job als Tennislehrer auf ein Minimum reduziert, um seine Tochter zu unterstützen. „Das Leben bekommt einen ganz anderen Rhythmus, alles ist dem Erfolg untergeordnet. Diese Zeit hat auch mich verändert“, gibt er zu.

Als ein Eingeständnis des eigenen Scheiterns sieht Jennifer Wacker den Entschluss, ihre Profi-Ambitionen an den Nagel zu hängen, nicht. „Es war richtig, nach der Schule diesen Weg zu gehen. Ich habe viele Erfahrungen gemacht, viel von der Welt gesehen – ich bereue nichts“, sagt Wacker, die im kommenden Jahr eine Ausbildung beginnen will.

Was bleibt außer den vier Weltranglistenpunkten, die sich Jenny Wacker in der ganzen Zeit erspielt hat – und von denen aktuell noch einer in den offiziellen Listen des schnelllebigen Tenniszirkus‘ vermerkt ist? „Ich habe einen riesigen Freundeskreis über ganz Europa verteilt und tausche mich mit vielen Mädchen aus, die noch bei der ITF-Tour dabei sind“, sagt sie. Und dann sind da die Erinnerungen an Matches, in denen die Cellerin Hoffnung schöpfte, vielleicht doch irgendwann im Konzert der Großen mitspielen zu können. Zum Beispiel der Sieg im vergangenen Juni über die damalige Nummer 615 der Welt. „Solche Dinge kann mir keiner nehmen“, sagt sie.

Nach dem Ende ihres Profi-Traumes wollte Jennifer Wacker zunächst keinen Tennisschläger mehr sehen. „Seit kurzem trainiere ich wieder zweimal die Woche“, sagt sie. Und neben ihren geplanten Ligaeinsätzen mit dem Damenteam der Celler Tennisvereinigung (CTV) will sie weiterhin ab und zu Turniere spielen. Bei den Norddeutschen Meisterschaften in Hamburg kam sie Anfang November immerhin bis in die 2. Runde, bei einem Regionalturnier in Göttingen sogar ins Halbfinale. „Ich freue mich über die kleinen Erfolge, aber der ganz große Druck ist weg. Für mich beginnt jetzt ein neuer Lebensabschnitt“, sagt Jennifer Wacker. Auch da wird Tennis wieder seinen Platz einnehmen – nur nicht so einen dominanten.

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