Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Lokalsport Celler Thomas Heß schafft Mega-Radrennen
Sport Sport regional Lokalsport Celler Thomas Heß schafft Mega-Radrennen
18:52 27.06.2017
Celle Stadt

Mitten in der Nacht ging es für Thomas Heß in der kleinen schwedischen Stadt Motala los. Die Sonne schlummerte noch, doch der Celler war schon hellwach und ganz und gar fokussiert. Denn um 2.50 Uhr fiel für ihn bereits der Startschuss zu dem wahrscheinlich größten Amateur-Radrennen der Welt. Für Heß und Thomas Jönsson, ein schwedischer Freund des Cellers, stand vor zwei Wochen das 300 Kilometer lange Radrennen „Vätternrundan“, das um den zweitgrößten See Schwedens namens Vättern führt, auf dem Programm. Der ehrgeizige Sportler Heß hat die Herausforderung mit Bravour gemeistert und ist nach 11:26 Stunden im Ziel angekommen.

„Es war toll, als die ganzen Leute mir und meinen Mitstreitern im Ziel zugejubelt haben. Ich war stolz und zugleich erleichtert, dass ich es geschafft hatte und es nun zu Ende war“, erzählt der 41-Jährige. Seine Frau Melanie, die wegen einer Bänder- und Knöchelverletzung nicht starten konnte, feuerte ihn vom Streckenrand aus an. Mehr als 19.000 Menschen nahmen an dem Radrennen teil, bei dem sie über die Strecke von 300 Kilometern auch 2260 Höhenmeter zu bewältigen hatten. 600 Teilnehmer sind nicht ins Ziel gekommen. Heß war gut vorbereitet. „Ich bin zuvor morgens vor der Arbeit Trainingsstrecken zwischen 100 und 200 Kilometer gefahren – zum Teil auch nachts, damit ich mich an die frühe Startzeit beim Rennen gewöhne“, erzählt der Celler über seine intensive Vorbereitungsphase.

Als es dann endlich so weit war, stieg die Aufregung, aber auch die Vorfreude bei dem Hustedter. Am Ende lief es sogar besser als gedacht. „Ich wollte die Strecke in zwölf Stunden schaffen und bin sogar darunter geblieben. Die Berater von Zwei-Rad-Meier haben mich im Vorfeld gut unterstützt, was die richtige Ausrüstung angeht. Ich hatte keine technischen Probleme oder Pannen beim Rennen“, sagt Heß. Zwischendrin wurde es aber richtig anstrengend, verrät er. „Etwa gegen Mitte des Rennens wurde es schwer. Ich habe mit mir gehadert, aber mir immer wieder Mut zugesprochen.“ Heß kämpfte sich durch und ermutigte auch seinen schwedischen Freund im Windschatten. „Ab etwa 150 Kilometern fingen bei mir die Schmerzen im Genick, am Po, in Oberschenkeln und Kniekehlen an. Das zieht sich von Stelle zu Stelle während der Fahrt“, berichtet der Celler. Doch Aufgeben war für ihn überhaupt keine Option. Seine Leistung zahlte sich aus. Heß kam nach 300 Kilometern unversehrt ins Ziel. „Ich bin mehr als zufrieden. Die Organisation war auch super und ich kann das jedem Radsportler nur weiterempfehlen“, sagt Heß. Er hat mit dem Radrenn-Erfolg auch einen großen Schritt in Richtung „Schwedischer Klassiker“ gemacht.

Hinter diesem verbirgt sich die Kombination von vier großen Langstreckensport-Wettbewerben. Innerhalb von zwölf Monaten müssen die Sportler das 300 Kilometer lange Radrennen um den Vättern, den 90 Kilometer langen Wasa-Lauf auf Skiern, einen 30 Kilometer langen Crosslauf und einen drei Kilometer langen Schwimmwettkampf absolvieren. Drei der vier geforderten Wettbewerbe hat Heß nun gemeistert. „Am 8. Juli folgt die Schwimmstrecke. Ich gehe jetzt schon morgens vor und nachmittags nach der Arbeit ins Freibad und trainiere. Schwimmen ist für mich die härteste Disziplin. Da brauche ich noch mehr Durchhaltevermögen“, sagt der 41-Jährige.

Wenn Heß den „Schwedischen Klassiker“ erfolgreich absolviert hat, ist aber nicht Schluss mit seinem sportlichen Ehrgeiz. „Da meine Frau dieses Jahr verletzungsbedingt aufhören musste mit den Wettbewerben für den ‚Schwedischen Klassiker‘, wird sie das vielleicht im kommenden Jahr nachholen. Und wenn sie es möchte, werde ich sie dabei dann auch unterstützen und mitmachen“, sagt Heß. Den Startplatz für den Wasa-Lauf auf Skiern hat sich der Celler bereits jetzt gesichert.

Von Jessica Poszwa