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Lokalsport Celler Torben Schiewe qualifiziert sich für Paralympics im Sitzvolleyball
Sport Sport regional Lokalsport Celler Torben Schiewe qualifiziert sich für Paralympics im Sitzvolleyball
19:00 14.10.2015
Von Uwe Meier
Quelle: Ralf Kuckuck, DBS-Akademie
Celle Stadt

Torben Schiewe wird nicht müde, die kleine Filmsequenz immer mal wieder auf seinem Computer aufzurufen. Zu sehen ist dort ein Ballwechsel während der Sitzvolleyball-Europameisterschaft. Es ist nicht irgendein Ballwechsel von den Tausenden, die es während der EM gab. Es ist ein ganz bestimmter – es ist der Matchball der deutschen Mannschaft im Halbfinale gegen Russland. Die folgenden Sekunden zaubern noch immer ein Lächeln auf das Gesicht des Cellers: Es läuft die entscheidende Phase im fünften Satz. Der Ball schlägt im Feld der Russen auf – 15:13 für Deutschland. Wenige Augenblicke später hat sich die Sporthalle in Warendorf in ein Tollhaus verwandelt.

Ein wenig surreal wirken die Szenen nach dem Matchball schon. Die Behindertensportler, die gerade noch sitzend und voll konzentriert den sportlichen Erfolg gesucht haben, hüpfen wie kleine Kinder über den Hallenboden. Schiewe huscht vor dem Objektiv der Kamera vorbei in Richtung Zuschauertribüne. Dort fällt er seinen Eltern und seiner Freundin freudestrahlend in die Arme. „Ein unglaublicher Moment“, sagt der Celler noch Tage nach dem Ergebnis. „Ich weiß, was mich jetzt erwartet“, sagt er außerdem. „Aber das ist und war die ganze Mühe wert.“

Denn mit dem schon ziemlich überraschenden Erfolg über Russland hatte die deutsche Mannschaft gleich zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Sie stand im Finale – und was noch wichtiger war: Die Fahrkarte nach Rio wurde gebucht. Wenn dort im kommenden Jahr im September die Paralympics ausgetragen werden, ist Deutschland mit seiner Sitzvolleyball-Nationalmannschaft dabei. Da war es auch irgendwie egal, dass einen Tag später das EM-Finale gegen Bosnien-Herzegowina verloren ging. Der Ärger über die Niederlage dauert nur kurz. Schon wenig später waren aus der Kabine der Deutschen die „Brasil, Brasil“-Rufe zu hören.

Torben Schiewe weiß nur zu genau, was das bedeutet. Er war bereits 2012 in London dabei, als es die Bronzemedaille gab. Und dieses Gefühl, das er als „echt das Größte“ bezeichnet, will er mit der erneuten Teilnahme an Paralympics noch einmal erleben. Die Chancen, dass der Traum wahr wird, stehen für Niedersachsens Behindertensportler des Jahres 2012 ziemlich gut.

Zufall ist das nicht. Das Leben des Torben Schiewe spielt sich mehr oder weniger rund um den Volleyball ab. Dem wird vieles untergeordnet. Urlaub gibt es in dem Sinne nicht, der ist für den Volleyball verplant. Und die Wochenenden sind ebenfalls nahezu komplett von sportlichen Ereignissen ausgebucht. Entweder stehen Training und Spiele mit dem VfL Uetze, für den Schiewe in der Oberliga der Nichtbehinderten spielt, auf dem Programm. Oder es geht ab zum Training der Behinderten nach Leverkusen oder Leipzig. Und Maßnahmen und Auslandsreisen mit der Sitzvolleyball-Nationalmannschaft gibt es auch noch. Da muss auch die Freundin mitspielen. „Sie versteht das“, sagt der 30-Jährige, der dieses Verständnis allerdings nicht als selbstverständlich ansieht. „Ich weiß das sehr, sehr zu schätzen.“

Sie war auch in der Halle in Warendorf dabei, als der Matchball von der deutschen Mannschaft verwandelt wurde. Schiewe war es wichtig, diesen Moment mit ihr zu feiern. Diesen Moment, in dem feststand, dass sich die Chancen für Torben Schiewe, das Erlebnis Paralympics noch einmal erleben zu dürfen, deutlich erhöht haben.

Für den Sport, „der mir so am Herzen liegt“, ist der Vollblut-Volleyballer bereit, auch in den kommenden Monaten viel zu opfern. Nach der EM trainiert er derzeit minimal dreimal in der Woche. Das wird sich bald deutlich erhöhen. Der Masterplan für Rio liegt den Spielern schon vor. „Es wird wohl so sein, dass es im Frühjahr bis zu zweimal am Tag wird“, sagt Schiewe, der im Beruf Geschäftsstellenleiter beim MTV Eintracht Celle ist. „Aber ich weiß ja, wofür ich das tue.“ Und wenn es Motivationsprobleme geben sollte, kann er sich ja noch einmal das Video vom Matchball gegen Russland ansehen.