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Lokalsport Celler Trio bewältigt Megamarsch in Frankfurt
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18:04 17.10.2017
Von Uwe Meier
Quelle: Fremdfotos/eingesandt
Celle Stadt

Celle. 24 Stunden hatten die Teilnehmer Zeit, die rund 100.000 Meter lange Strecke zu absolvieren. Unter anderem mussten dabei 1900 Höhenmeter überwunden werden. Der Weg war zwar vorgegeben, nur finden musste man ihn selbst. Wer nun denkt, das sei einfach und für Leute, die sich darauf vorbereitet haben, leicht zu absolvieren, der irrt gewaltig. Der „Spaziergang“ entwickelt sich zu einer echten Tortur. 1100 Unentwegte hatten die Schinderei in Angriff benommen – nur 256 von ihnen überquerten nach der Bewältigung einer kraftraubenden „Wanderstrecke“ den Zielstrich. Darunter auch das Celler Trio, das nach 20:30:45 Stunden völlig erschöpft und mit schmerzenden Muskeln und Knochen das Ziel erreichte.

Das war angesichts der Strapazen, die die „Wanderer“ auf sich nehmen mussten, keine Selbstverständlichkeit. Thomas Heß, der als leidenschaftlicher Extremsportler schon so manche Schinderei erfolgreich hinter sich gebracht hatte, gestand ein, den Megamarsch „komplett unterschätzt“ zu haben. Er hat zuvor unter anderem die Extrem-Hindernisläufe im thüringischen Rudolstadt oder im britischen Wolverhampton bestritten. Auch das Diplom für den „Schwedischen Klassiker“ (300-Kilometer-Radrennen, 90 Kilometer Skirennen, 30 Kilometer Crosslauf und drei Kilometer Langstreckenschwimmen) hat er in der Tasche. Doch das, was das Event in Hessen für ihn und seine beiden Mitstreiter parat hatte, war zumindest grenzwertig. Vom Wandern hat er auf jeden Fall die Nase voll. „Das würde ich nie wieder machen“, sagt er und weiß um die gleiche Meinung seine Mitstreiter. „Das war mit das Schlimmste, was ich je gemacht habe.“ Als Lohn für einen ausgelaugten Körper und schmerzende Füße, die auch noch mehrere Tage nach dem Wettbewerb von Blasen nur so übersät sind, gab es eine Urkunde. „Herzlichen Glückwunsch“, steht darauf. „Du bist jetzt offiziell Mega.“ Das hat sich also mal richtig gelohnt.

Auf der Strecke hatte das Trio mit einigen Unwägbarkeiten zu kämpfen. Mitten in der Nacht durch das Felsenmeer vom Lautertal zu finden, war alles andere als einfach. Die sechs Kilogramm Gepäck auf dem Rücken – Getränke, Regensachen, Lampen und auch Pflaster mussten eben mit auf den Trip – machten es nicht unbedingt einfacher. Die ärgsten Schwierigkeiten bereiteten jedoch die körperlichen Probleme. Bei Kilometer 60 erwischte es Melanie Heß: Magen und Darm spielten verrückt und mit dem Kreislauf war es nicht zum Besten bestellt. Sie rappelte sich aber wieder auf. Nach 74 Kilometern hatte Andreas Matthe genug. Er wollte angesichts einer Knöchelverletzung aufgegeben. Die beiden anderen motivierten ihn zum Weitermachen. Ab Kilometer 80 kämpfte Thomas Heß gegen die Schmerzen, die neun Blasen an den Füßen verursachten. „Zehn Kilometer vor dem Ziel wollte ich aufhören“, gesteht er ein. „Aber die beiden haben mich zum Weitergehen gequält.“ Teamwork war angesagt. Allein unterwegs hätte jeder der drei Sportler aufgegeben.

Warum man sich das antut? „Die Ankunft im Ziel war unglaublich“, erklärt Heß, der wie sein Mitläufer froh war, als es vorbei war. Der gewonnene Kampf gegen den inneren Schweinehund sorgte für Zufriedenheit.

Der Körper sendet auch Tage nach der Veranstaltung mittels Muskelkater und schmerzender Blasen seine Signale. Doch Heß hat bereits seine nächste Unternehmung ins Auge gefasst. Wandern will er nicht mehr, aber dafür einen Ironman in Angriff nehmen. „Das möchte ich schon noch einmal machen.“