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Lokalsport Cellerin Merle Hinrichs rettet um die Wette
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14:32 28.05.2015
Von Carsten Richter
Das feuchte Element lässt sie nicht mehr los: Die 18-jährige Merle Hinrichs hat den Rettungsschwimmsport für sich entdeckt. Quelle: Benjamin Westhoff
Celle Stadt

Wenn Merle Hinrichs ins Wasser steigt, ist sie buchstäblich in ihrem Element. Nachdem sie mit neun Jahren ihr Schwimmabzeichen in Silber geholt hat, lässt es sie nicht mehr los. Doch einfach nur ein paar Bahnen ziehen? Damit ist es für die 18-Jährige aus Großmoor nicht getan. Im Gegenteil: Nicht die langen Strecken, sondern die kurzen schnellen Sprints sind es, die ihr Spaß machen. Die Schülerin des Kaiserin-Auguste-Viktoria-Gymnasiums (KAV), die am Donnerstag ihre letzte Abiturprüfung schreibt, ist Leistungsschwimmerin bei der DLRG Celle – ihre Sportart der Vergleichswettkampf im Rettungsschwimmsport. „Ich habe diesen Sport für mich gefunden“, sagt Hinrichs.

Die junge Frau konnte schon zahlreiche Erfolge bei den unterschiedlichsten Wettkämpfen für sich verbuchen: Seit 2013 ist die aufstrebende Sportlerin im Landeskader. Seit dem vergangenen Jahr schwimmt sie auch im Bundeskader und nimmt hierfür an vielen internationalen Meisterschaften teil. Beim Ländervergleich in Schweden – ihrem ersten internationalen Wettkampf – schwamm Hinrichs 2014 in drei Disziplinen unter den Top Zehn und holte mit der Staffel drei Mal Platz drei. Weltklasse bewies sie im September bei der WM in Montpellier: Unter fast 800 Teilnehmern schaffte es die Cellerin im Freigewässer auf Platz 14 und 15. Und gerade erst über Pfingsten nahm sie erfolgreich an der Arena Rescue im französischen Narbonne teil. Bei dem Wettkampf mit etwa 200 internationalen Teilnehmern schaffte es die Abiturientin auf Platz acht im Freigewässer. In der Halle holte sie zwei Mal Platz sieben, dazu kommen vier Mannschaftsmedaillen.

„Sport habe ich schon immer gerne gemacht“, erzählt die 18-Jährige. Doch ihre anderen großen Leidenschaften, Tanzen und Leichtathletik, mussten letztlich zurückbleiben – das Rettungsschwimmen wurde mehr denn je zur Priorität. „Erst habe ich zwei Mal pro Woche trainiert“, sagt die sportliche Blondine. „So bin ich dann langsam in den Wettkampf eingestiegen.“ Am Anfang waren es noch Vereinsmeisterschaften, bei denen sie zunächst für die DLRG Wathlingen/Nienhagen schwamm. Von dort ging es 2011 nach Celle. „Hier habe ich bessere Trainingsmöglichkeiten – und so auch Chancen auf mehr Erfolge.“

Die richtige Entscheidung, wie sich nun zeigt. Inzwischen gibt es fast keinen Tag, an dem die 18-Jährige nicht im Wasser anzutreffen ist: in Nienhagen, im Celler Badeland oder im Silbersee. Im Pool und in Freigewässern zu trainieren, gehört dazu – die Wettkämpfe finden schließlich auch drinnen und draußen statt. „Die Wassereigenschaften sind ja immer verschieden“, sagt Hinrichs. Hinzu kommen die vielen Trainingslager. „Im Sommer bin ich fast nie zu Hause“, berichtet sie. Und sie ist froh, dass sie am KAV große Unterstützung bekommen hat. „Für Wettkämpfe bin ich immer freigestellt worden.“

Zu den Disziplinen im Pool, bei denen man vier von sechs wählen muss, gehört unter anderem das Retten einer Puppe mit Flossen und Gurt. 200 Meter ist dabei die längste zu absolvierende Strecke. „Die vielen Kurzstrecken und Sprints erfordern mehr Muskelkraft“, so die 1,88-Meter-Frau, der ihre Körpergröße sicher zugute kommt. „Für Langstrecken bin ich nicht gemacht“, sagt sie und lacht.

Echtes Leben zu retten kann sich Hinrichs langfristig aber doch nicht vorstellen. Außer natürlich, sie müsste es. „Da gibt es viele, die das gut machen“, meint sie. Ihre Zukunft sieht sie daher weiter im Sport – auch in beruflicher Hinsicht. Sie hofft, zum Herbst in Hannover einen Platz für den Studiengang Medical Sports and Health Management zu bekommen. Ihr Wunsch ist es, später in Reha-Zentren oder Krankenhäusern zu arbeiten. „Mit Menschen, die auch an Sport interessiert sind“, sagt Hinrichs. Außerdem möchte sie an der Junioren-Europameisterschaft im September im spanischen Alicante teilnehmen. „Ich will weiter nach vorne kommen“, so Hinrichs. Kein Zweifel, dass sie das schaffen wird.