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Lokalsport Cellerin bricht Powerlifting-Rekorde
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16:01 05.07.2017
Im Kreuzheben ist Aylin Gevci besonders stark: 70 Kilogramm ist ihr Aufwärmgewicht, sie schafft es aber, nahezu doppelt so viel zu ziehen. Durch Trainer Dane Schuster ist sie zum Powerlifting gekommen. Quelle: Oliver Knoblich
Celle

„Mit dem Sieg habe ich nicht gerechnet. Viele Athleten waren sehr aufgeregt und angespannt – ich auch. Wegen der Aufregung sind viele meiner Versuche zunächst gescheitert. Am Ende hatte ich mich eher im Mittelfeld eingeschätzt“, verrät Gevci. Doch zum Glück täuschte sie ihr Gefühl. Sie erkämpfte sich den ersten Platz in der Altersklasse U19, gewann auch die Altersklasse U23 und die Gewichtsklasse unter 60 Kilogramm (U60).

In dieser Gewichtsklasse knackte sie zudem im Bankdrücken und Kreuzheben zwei deutsche Rekorde. „Im Kreuzheben habe ich bei den Meisterschaften 130 Kilogramm gezogen und im Bankdrücken 55 Kilogramm gedrückt. Für einen Rekord bei der Kniebeuge hat es leider nicht gereicht. Hier scheiterte ich bei meinem Versuch mit 110 Kilogramm“, erzählt die 19-Jährige, die derzeit eine schulische Ausbildung zur Erzieherin absolviert. Ihre Lieblingsdisziplin ist das Kreuzheben: „Hier bin ich besonders stark und habe im Training schon mal die 140 Kilogramm gezogen. Das war für mich ein neuer persönlicher Rekord.“

Der Kraftdreikampf, den Gevci betreibt, ist eine Wettkampfsportart der Schwerathletik. Die drei Disziplinen Kniebeugen, Bankdrücken und Kreuzheben müssen bei Wettkämpfen nacheinander in der vorgeschriebenen Reihenfolge gemeistert werden. Ziel ist es dabei, größtmögliche Lasten zu bewältigen. Gevci hat mit dem Kraftdreikampf, der international auch Powerlifting genannt wird, vor etwa einem halben Jahr begonnen. „Mein Coach Dane Schuster hat mich damals vom Kraftdreikampf überzeugt. Bevor ich den Sport intensiv ausgeübt habe, trainierte ich regelmäßig im Fitnessstudio. Wie jedes junge Mädchen in meinem Alter wollte ich fitter werden, definiert aussehen und Muskeln aufbauen“, berichtet die Cellerin mit den langen dunklen Haaren.

Eines Tages habe ihr Trainer sie dann gefragt, ob sie nicht mal Powerlifting ausprobieren möchte. „Ich habe dafür die perfekten Proportionen: Ich bin sehr klein und habe einen stabilen Körperbau. Das erleichtert mir die Hebeverhältnisse und so könnte ich viel Gewicht bewältigen“, sagt Gevci. Der Sport packte sie. Inzwischen ist sie sechs Mal die Woche im Fitnessland Celle zum Krafttraining, einmal die Woche kommt dann noch Ausdauertraining mit laufen, schwimmen oder Rad fahren dazu. „Der Sport gefällt mir, weil ich dabei an meine Grenzen komme und mich auspowern kann. Es findet sich immer Zeit für Sport. Da gibt es für mich keine Ausreden“, sagt die junge Frau. Trainieren sei inzwischen ein Muss und fester Bestandteil ihres Lebens.

Das viele Training hat sich nun für sie mit dem Deutschen Meistertitel ausgezahlt. Es war zunächst ein kleines Durcheinander bei der Meisterschaft. „Ich wäre fast disqualifiziert worden, da meine Kleidung sowie mein Gürtel nicht wettkampfkonform waren. Ich hatte aber dann doch großes Glück und ein netter Herr hat mir einen richtigen Gewichtheberanzug geliehen“, sagt Gevci. Dann konnte es richtig losgehen. Am Ende lief alles glatt. Gevci glänzte mit ihren Leistungen und setzte sich gegen die rund 50 anderen Frauen souverän durch. Im November geht es nun für die starke Cellerin zu den Weltmeisterschaften nach Holland und Tschechien, wo sie auch alles geben wird, um dem nächsten, großen Traum vom Weltmeister-Titel näher zu kommen.

Von Jessica Poszwa