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Lokalsport Cellesche Zeitung macht mit: Tennis-Schnupperstunde im Selbstversuch
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15:58 18.01.2017
Groß Hehlen

GROSS HEHLEN. Mir schräg gegenüber auf der anderen Seite des Netzes steht Maja Bartels. Genau wie ihre Freundin Anja Heißenbüttel und ich spielt sie an jenem Tag zum ersten Mal Tennis – und ist nun meine Gegnerin. Mit dem Schläger in der rechten Hand wartet Bartels leicht nach vorne gebeugt auf meinen Aufschlag. Im Kopf gehe ich meine nächsten Bewegungen durch.

Dann atme ich aus, werfe den gelben Ball in die Höhe und schlage ihn kraftvoll mit dem Schläger über das Spielfeld. Er trifft vor Bartels in der mir diagonal gegenüberliegenden Hälfte des T-Felds auf. Meine Gegnerin läuft ihm entgegen, streckt den Schläger gen Ball und bringt ihn mit einem Schlag zurück auf meine Feldseite. Noch völlig perplex darüber, dass mein Aufschlag tatsächlich im Spielfeld gelandet ist, sprinte ich von der Grundlinie los – zu spät. Alles Strecken meinerseits kann die Distanz zwischen dem Ball und meinem Schläger nicht mehr überbrücken. Der Ball landet knapp hinter dem Netz, der Punkt geht an Bartels.

„Majas Mann spielt Tennis und er hat uns diese Probestunde organisiert“, erläutert Heißenbüttel. Sie und Bartels sind Nachbarinnen in Celle und haben bei einer Feier über den Sport gesprochen. Kurzerhand vereinbarten sie mit Trainer Berni Hermann im Groß Hehlener Tenniscenter ein Training.

Der 40-Jährige drückt uns nach einer kurzen Vorstellungsrunde die Leihschläger in die Hand. „Heute machen wir noch gar nicht viel Theorie, sondern konzentrieren uns auf die Ballkontrolle und das Spiel“, kündigt der Tennislehrer an. Erleichterte Gesichter bei meinen Mitspielerinnen und mir, schließlich sind wir heiß darauf, selber Bälle zu schlagen. Statt regulärer Tennisbälle trainieren wir mit einer weicheren Version, die sich zum Üben besonders eignet. Eines der vier Spielfelder in der Halle ist für uns reserviert. Den typisch rotfarbenen Sandboden der Außenanlagen sucht man vergeblich, stattdessen dient hell- und dunkelblauer Teppichboden als Untergrund.

Die genaue Aufteilung des Spielfelds interessiert zu Beginn unseres Trainings noch nicht. Wir versammeln uns für die erste Übung auf einer Seite des Netzes. Hermann macht es vor: Er lässt den Ball auf dem Boden auftippen, führt den Schläger dann unter den hochspringenden Ball und verpasst ihm erneut einen leichten Schlag. So hält der Trainer ihn mühelos an einer Stelle. „Jetzt seid ihr an der Reihe“, ermuntert uns Hermann.

Was bei dem Tennislehrer so einfach aussah, wird für uns Anfänger zur Geduldsprobe. Mal schlagen wir zu sanft, mal zu kräftig, und dann springt der Ball noch unkontrolliert übers Spielfeld, sodass wir hinterher jagen müssen. Sobald wir etwas mehr Ballgefühl beweisen, fordert uns Hermann mit weiteren Übungen heraus.

„Beim Tennis lernt man viel über sich selbst“, sagt der Celler, der seit 15 Jahren hauptberuflich als Tennislehrer arbeitet. Schließlich könne man niemanden außer sich selbst für Niederlagen verantwortlich machen. „Dafür braucht man viel Selbstbeherrschung.“ Mit dem Sport könne man in jedem Alter beginnen, sagt Hermann. „Fortschritte sind dann eine Frage des Talents.“ Prinzipiell könne aber jeder mit etwas Training nach kurzer Zeit ein gutes Spiel abliefern.

Als es bei uns mit der Ballkontrolle immer besser klappt, üben wir unsere Aufschläge und vergrößern das Spielfeld schrittweise bis zum Standardmaß. So kommt langsam wahres Tennisflair auf, auch wenn noch viele Bälle im Aus landen.

Hermann vermittelt Grundsätzliches. „Kehrt immer wieder in die Mitte zurück“, rät er uns. Von dieser Position aus können wir besser reagieren und die Bälle des Gegners einfacher erreichen. Außerdem bewegen wir uns seitwärts, um den Gegner stets im Auge zu behalten. Auch die Regeln und Zählweise stehen auf dem Lehrplan der ersten Trainingsstunde, doch so wirklich sicher sind wir bei den Punkteständen noch nicht.

Mit ihren Aufschlägen bringen mich Bartels und Heißenbüttel ganz schön ins Schwitzen. Gelingt ein längerer Ballwechsel, ist Laufen angesagt. Abrupte Stops fordern den Körper zusätzlich.

Die Probestunde vergeht wie im Flug. „Macht es denn bei uns Sinn?“, möchte Bartels hinterher wissen. „Hat es euch denn Spaß gemacht?“, stellt Hermann die Gegenfrage. Die beiden Freundinnen nicken freudestrahlend. „Ihr habt auch schon über den ganzen Platz gespielt, also lief es gut. Natürlich macht es Sinn“, versichert der Coach. 50 Euro kostet eine Trainerstunde bei Hermann, die Kosten können durch mehrere Schüler geteilt werden. Die Cellerinnen sind überzeugt. „Wir wollen weitermachen“, sagt Heißenbüttel. Gründe gebe es genug: „Spaß, Bewegung und Abwechslung vom Alltag.“ Auch mich hat nach der Probestunde das Tennisfieber gepackt.

Amelie Thiemann

Von Amelie Thiemann