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Lokalsport Crossfit bringt Celler ans Limit
Sport Sport regional Lokalsport Crossfit bringt Celler ans Limit
16:00 18.01.2017
Beim Crossfit gehen die Sportler in schweißtreibenden Übungen an ihre Grenzen. CZ-Mitarbeiterin Amelie Thiemann (blaues T-Shirt) hat den Selbsttest gewagt und zusammen mit Box-Inhaber Julian Vogt (links im oberen rechten Foto) trainiert. Patrick Pusch, Pascal Wietfeldt und Tatjana Kasper (Foto unten links, von links) nutzen Langhanteln fürs Workout. Crossfit kann in jedem Alter betrieben werden, die Übungen lassen sich an jedes Niveau anpassen.
Altencelle

Keuchend sinke ich auf die schwarzen Gummimatten, die den Boden bedecken. Ich drehe den Kopf zur Seite, schließe die Augen und atme japsend ein und aus. Der Schweiß rinnt mir die Stirn herunter und tropft auf die grobporige Unterlage. Um mich herum knallen Langhanteln auf den Boden, zusammen mit der wummernden Musik entsteht eine seltsam einlullende Geräuschkulisse – jetzt einfach liegen bleiben.

Doch die Stimme von Coach Julian Vogt dringt erbarmungslos an mein Ohr. „Einen schaffst du noch, komm schon“, stachelt er mich an. Gemeint sind Burpees: eine Ganzkörperübung, die Kniebeuge, Liegestütz sowie Strecksprung zu einer flüssigen Bewegung kombiniert. 25 davon haben mich während des Workouts zusammen mit Push-Ups, Step-Ups und Sit-Ups an meine absolute Leistungsgrenze gebracht. Mein ganzer Körper schreit nach einer Pause. Ein weiterer Burpee? Unmöglich.

Die Tortur spielt sich in der Crossfit-Box in Altencelle ab. Alles hier ist rauer: die Ausstattung, die Übungen, der Ton – zumindest während des Workouts. Bevor das Training beginnt, beantwortet Vogt als Inhaber in einem lockeren Gespräch alle Fragen und gibt einen Einblick in das, was Neulinge erwartet. „Es gibt nichts, was wir nicht machen“, beschreibt der 30-Jährige den neuen Trendsport aus den USA.

Crossfit verbindet Gewichtheben, Sprinten, Eigengewichtsübungen sowie Turnen zu einem fordernden Ganzkörpertraining. Ausdauer, Kraft, Beweglichkeit, Schnelligkeit, Balance und Koordination sollen gesteigert werden mit dem Ziel, sich in allen Disziplinen ausgewogen zu entwickeln. Am Ende steht der ultimative Athlet.

Alles trägt englische Bezeichnungen: Kniebeugen heißen Squats, Liegestütz wird Push-Up genannt, und der Trainingsort ist eine Box statt ein Studio. Mit einem geschniegelten Fitnessstudio hat die im Mai 2014 eröffnete Crossfit-Box ohnehin wenig gemeinsam: Der Übungsraum ist funktionell eingerichtet, der Fokus liegt auf der individuellen Betreuung durch einen Trainer. Höchstens acht Crossfitter absolvieren zeitgleich einen Kursus, man duzt und motiviert sich gegenseitig.

Ich habe zum Einstieg in den Sport Julians ungeteilte Aufmerksamkeit. Nachdem ich mich auf dem Rudergerät aufgewärmt habe, geht er Schritt für Schritt mit mir die Basisübungen durch, die später in unterschiedlicher Zusammensetzung als „Workout of the day“ (Tagestraining) auf dem Plan stehen. Bei den Kniebeugen liegt zur Kontrolle hinter mir ein Medizinball, den ich mit meinem Gesäß berühren muss. Schon nach wenigen Squats schmerzen meine Oberschenkel und es fällt mir immer schwerer, weit genug in die Hocke zu gehen, um den Ball zu berühren. Schummeln klappt jedoch nicht. „Nochmal, das war nicht richtig“, kommentiert Julian jede von mir halbherzig absolvierte Kniebeuge. Falsche Ausführungen korrigiert der Coach sofort.

Dann wird das Tempo erhöht: Innerhalb von zwölf Minuten absolviere ich so viele Runden von fünf Liegestützen, zehn Burpees, 15 Step-Ups und 20 Sit-Ups wie möglich. Ich werde immer langsamer, zu jedem Burpee muss ich mich überwinden. „Los, noch eine Minute“, feuert mich der Coach an. Nach dem 25. Burpee sinke ich völlig erschöpft auf den Gummiboden. Mehr aus Trotz raffe ich mich dank Julians Motivation noch einmal auf, gehe in den Liegestütz und springe dann in die Luft – geschafft.

Ausgelaugt sitze ich auf einem Stapel Gewichtsscheiben für Langhanteln und versuche, nur zu atmen. „Man geht an sein Limit und lernt seinen Körper neu kennen“, hatte Julian angekündigt. Meine Grenze ist mit diesem Training definitiv erreicht.

Auch Pascal Wietfeldt hat sein Langhantel-Training beendet. Der 25-Jährige macht seit sechs Wochen Crossfit, drei bis vier Mal in der Woche kommt er in die Box. Wie sich sein Körper verändert hat? „Drei Gürtellöcher weniger“, sagt der Ahnsbecker augenzwinkernd. Patrick Pusch ist seit zwei Jahren dabei. „Hier habe ich mehr Ausdauer bekommen“, zieht der 32-Jährige Bilanz. „Es bringt auch etwas im Alltag“, fügt Tatjana Kasper an. Ihr falle es leichter, schwere Dinge zu tragen. Die drei loben die Gemeinschaft in der Box. „Alle feuern sich gegenseitig an“, lobt die 27-Jährige.

Nach einer kurzen Pause bin auch ich stolz auf mein Training und denke: Ich will mehr.

Von Amelie Thiemann