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Lokalsport Die letzten Gerechten auf der Matte
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16:42 15.02.2012
Die Senioren-Judogruppe des SV Nienhagen. Quelle: Gert Neumann
Nienhagen

Als Exoten sehen sie sich nicht. Eher als die letzten Gerechten einer inzwischen auf neun Judoka geschrumpften eingeschworenen Gemeinschaft. Freitags treffen sie sich in der Sporthalle am Nienhagener Jahnring zum Training, in dem der Spaßfaktor eindeutig dominiert.

Es gab Zeiten, da stand der Sport ebenso im Vordergrund. Da sprang sogar ein deutscher Meistertitel heraus für zwölf wackere Juniorinnen. 31 Jahre ist es her, als Christine Waide - damals gerade 14 Jahre alt und unter dem Mädchennamen Mund - bei der DM in Nienhagen Teil dieser Mannschaft war und ganz oben auf dem Podest stehen durfte. 1999 kamen die zwölf Mädchen noch einmal zusammen; ein Geburtstagsgeschenk für ihren Erfolgstrainer Norbert Schulz. Manuela Baumgartner und Silke Regener leben ebenfalls noch in Nienhagen. Die anderen zog es in die Fremde. Dem Judosport treu blieb nur Christine Waide.

Und dies nicht mehr im Wettkampf. Als das Gros der Judo-Oldies sich dem japanischen Kampfsport verschrieb, war es zwischen 30 und 40 Jahre alt. Was ebenso ungewöhnlich ist wie die Tatsache, dass es ihre Kinder waren, die sie in die Sportart einführten. „Das war schon verrückt“, meint Braungurtträger (1. Kyu) Wilfried Regener. „Aber wir haben schnell unsere Nische gefunden“.

Neben Regener und Waide (3. Kyu) sind Angelika Pfeiffer (3. Kyu), Renate Ringleb (2. Kyu), Jürgen Bosse (2. Kyu) und Trainer Lothar Gorling (1. DAN) auf der Matte, dem Tatami, anzutreffen. Sechs Getreue, die nichts umwirft. „Training darf man nicht schwänzen, sonst haben wir ein Ungleichgewicht beim abschließenden Volleyballspiel“, sagt Pfeiffer lachend.

Zunächst aber geht es zur Sache, da kennt der Trainer kein Pardon. Gorling besteht auf eine umfassende Vorbereitung, denn Sehnen und Muskeln sind im Judo starken Belastungen ausgesetzt. Lockerungs-, Dehn- und Laufübungen stehen auf dem Programm. Nichts wird ausgelassen beim Kreislauf auf der großen Matte. Vorwärts, seitwärts, Wischer, die Beine kommen in Schwung. Armkreisen, vor- und rückwärts. Knie anziehen, Gehen auf Fuß-Innen- und Außenseiten, auf Zehenspitzen in die Luft greifen, Hackengang, dann paarweise aufeinander zulaufen, antäuschen, ausweichen, Tempi verändern. Es ist alles dabei, was Sportler zum Warm werden nutzt.

Kurios allerdings das Gymnastik-Finale, das Abschlagen mit einem Latschen, was in keinem Lehrbuch zu finden ist, aber ungemein Spaß bereitet. Wer nicht schnell genug durch gespreizte Beine eines Partners rutschen kann, bekommt den Latschenschlag und muss sich auf die Verfolgung des nächsten Opfers machen.

Ein kurzes Atemholen, dann auf die Matte. Hüpfen, Zehen durchbiegen, vorwärts, rückwärts, seitwärts, Gewichtsverlagerungen, Schulterrollen, seitwärts schwingen, in den Hüften kreisen. Und nun kann man erkennen, warum sich alle so ausgiebig körperlich fit gemacht haben. Denn jetzt geht es in die Wurftechniken (Nage-Waza), Fall- (Ukemi-Waza) und Bodentechniken (Katame-Waza). Und gutes Fallen will gelernt sein.

Wer mehr erfahren will, der kann dies freitags ab 20 Uhr in der Sporthalle Nienhagen oder sich bei Trainer Lothar Gorling nähere Informationen holen, ☏ (05144) 93051.

Von Gert Neumann