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Lokalsport Dopingverdacht im Eicklinger Pferdestall
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16:57 27.03.2015
Marcella Meinecke Quelle: Alex Sorokin
Eicklingen

Aufregung beim Reit- und Fahrverein Eicklingen: Bei Fuchswallach Borneo, mit dem Marcella Meinecke die Deutsche Jugendmeisterschaft und die Jugendeuropameisterschaft der Kutschfahrer gewann, wurde Morphin in einer Urinprobe nachgewiesen. Die Probe stammt aus dem September, als das Nachwuchstalent bei den Landesmeisterschaften in Fümmelse-Wolfenbüttel fuhr.

„Ich wurde vom Verband vorerst suspendiert. Ich kann es mir nur so erklären, dass das Futter nicht gut war“, so die 17-jährige Fahrerin. Der Landesmeistertitel wurde ihr aberkannt. Die Deutsche Meisterschaft und der EM-Titel sind aber nicht in Gefahr. Bei beiden Wettbewerben gab es keine positiven Dopingbefunde. Allerdings wurde Meinecke für die Dauer des Verfahrens aus dem Landes- und Bundeskader ausgeschlossen.

Ihr Trainer und Großvater Ekkert Meinecke blickt zurück: „Anders als sonst war das Futter, das wir zur Zeit der Landesmeisterschaft gefüttert haben, krümelig und staubig. Die Pferde haben das Futter schlecht gefressen und zwei fingen an zu husten. Wir haben drei Tonnen des betroffenen Futters an den Lieferanten zurückgegeben. Da aber erst sieben Wochen nach dem Landesmeistertitel die Benachrichtigung von der FN kam, konnte eine Probe vom Lieferanten nicht mehr angefordert werden“, berichtet der erste Weltmeister der Zweispännerfahrer.

Eine Verunreinigung durch Futtermittel würde zu einer Häufung dieser Fälle passen, die momentan bundesweit und international öfter vorkommen. „Das hat in letzter Zeit zugenommen, deswegen sind wir skeptisch“, so Dr. Joachim Wann von der Reiterlichen Vereinigung (FN). „Wir müssen die pharmakologischen Ergebnisse abwarten, ob im Fall Meinecke das Morphin pflanzlich oder synthetisch verabreicht wurde. Bei einer synthetischen Kontamination droht eine Sperre von bis zu zwei Jahren. Bei einer pflanzlichen Kontamination muss man feststellen, in wie weit die Fahrerin fahrlässig gehandelt hat. Daran orientiert sich dann das Strafmaß“, erklärt Justiziar Wann weiter.

Das Schmerzmittel sei auch eher zur Ruhigstellung der Pferde gedacht und mache die Tiere schläfrig. Das bestätigt auch Dr. Jürgen Gudehus aus Celle. „Morphin wird in erster Linie zur Sedierung von Pferden benutzt“, so der Tiermediziner. Familie Meinecke beteuert, dass Borneo bei der Landesmeisterschaft im Vollbesitz seiner Kräfte war und kein Schmerzmittel nötig war. „Ansonsten wäre ich nicht mit Borneo gestartet“, so Marcella Meinecke.

Neben dem absichtlichen Doping und dem unwissentlichen Verabreichen von kontaminiertem Futtermittel gibt es noch eine dritte Möglichkeit: Jemand anderes könnte dem Pferd eine Leckerei mit Morphin verabreicht haben, um dem Fahrtalent zu schaden. „Die Ställe waren bei dem dreitägigen Turnier für jeden zugänglich. Wir hoffen, dass wir uns darüber keine Gedanken machen müssen“, so Ekkert Meinecke.

Von Alexander Hänjes