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Lokalsport Eicklinger Longbow-Wölfe verlieren "Jagdrevier"
Sport Sport regional Lokalsport Eicklinger Longbow-Wölfe verlieren "Jagdrevier"
18:06 28.11.2017
Gemeinde und Sportler konnten sich nicht einigen. Jetzt verliert einer der größten Norddeutschen Bogenschießvereine seinen Übungsplatz. Quelle: David Borghoff
Celle

Nach Gesprächen mit dem Landkreis und der Gemeinde Eicklingen wird die Nutzung bis Februar 2018 geduldet, danach ist sie untersagt. Dies kam zustande, nachdem Mitarbeiter des Landkreises durch einen Hinweis der Samtgemeinde Flotwedel den Bogenschießplatz in Eicklingen in Augenschein genommen hatten. „Hintergrund war offenbar eine Beschwerde aus der Bevölkerung“, sagt Landkreissprecher Tore Harmening. Die Landkreismitarbeiter hätten festgestellt, dass keine Baugenehmigung für die Aufbauten, Hochsitze und Fangnetze, die der Verein auf seinem Übungsparcours installiert hat, vorlägen.

Danach hatten die Longbow-Wölfe versucht, sich mit der Gemeinde Eicklingen zu einigen und einen nötigen Bebauungsplan aufstellen zu lassen, um den Übungsplatz zu behalten. „Die Kosten wären zu hoch gewesen“, erklärt Bürgermeister Jörn Schepelmann (CDU). Er sei nach Gesprächen mit den Bogensportlern zu dem Schluss gekommen, dass diese nicht in der Lage seien, zu zahlen. „Etwa 7000 bis 8000 Euro würde die notwendige Änderung im Flächennutzungsplan und die Erstellung eines Bebauungsplans kosten“, so Hans-Jürgen Erdt vom Bauamt Flotwedel.

Auch die Gemeinde wollte diese Ausgaben nicht zahlen. Zumal der Verein bekannt gab, dass der Pachtvertrag für das Gelände zum 1. März 2018 auslaufe. „Am Ende hätte die Gemeinde bezahlt und der Pächter hätte dem Verein vielleicht nicht mehr erlaubt weiterzumachen“, so Schepelmann. Dieses Risiko wollte man vermeiden und so lehnte der Verwaltungsausschuss der Gemeinde Eicklingen den Antrag des SSV Eicklingen ab.

„Das ist alles sehr schade“, bedauert der Spartenleiter der Longbow-Wölfe Christian Hantelmann. Vor allem, da es nicht viele Vereine gäbe, die das traditionelle Bogenschießen anböten. Mit den Longbow-Wölfen, die mehr als 100 Mitglieder zählen, würde nach seinen Angaben einer der größten Bogenschießvereine Norddeutschlands seine Pforten schließen. Und nicht nur für den Sport, sondern auch für die Gemeinde wäre es ein Verlust, da die Bogenschützen mit ihren Turnieren und Veranstaltungen auch dem Tourismus in Eicklingen zugutekämen. „Das ist nun alles vorbei“, so Hantelmann, der den Bogensport des SSV Eicklingen von Anfang an begleitete. Für ihn bleibt mit dem Beschluss der Gemeinde ein fader Beigeschmack zurück. „Nachdem wir so lange dort waren und bis vor Kurzem auch scheinbar niemanden gestört haben, ging auf einmal alles ganz schnell.“

Hantelmann spekuliert, dass sich die Beschwerde, die Landkreis und Gemeinde auf den Plan gerufen hätten, gegen den SSV Eicklingen gerichtet habe. „Die Longbow-Wölfe haben die meisten Mitglieder im Verein. Wenn man den kleinkriegen will, richtet man sich gegen die größte Sparte.“ Doch letztlich seien die Gesetze eindeutig und der Verein müsse den Beschluss der Gemeinde folge leisten. Dazu gehöre auch, alle Aufbauten, die sich auf den Platz befinden, wegzuräumen.

Bei einer Versammlung hat der SSV Eicklingen seine Mitglieder über die Beschlüsse informiert. Aufgrund der Umstände erhalten sie bis Ende des Jahres ein außerordentliches Kündigungsrecht, mit dem sie den Verein verlassen können.

Ein „harter Kern“ des Wolfsrudels wolle nach Februar 2018 weiterhin die Stellung halten, um die Sparte nicht ganz aufzugeben. „Sie sollen noch prüfen, ob es irgendwelche Optionen gibt, den Sport hier weiterzuführen“, erklärt Hantelmann. Ansonsten müssen sich die Wölfe ein neues Jagdrevier suchen.