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Lokalsport Eicklingerin Marcella Meinecke vom Dopingvorwurf freigesprochen
Sport Sport regional Lokalsport Eicklingerin Marcella Meinecke vom Dopingvorwurf freigesprochen
19:21 25.03.2015
Marcella Meinecke und Fuchswallach Borneo (es ist ihr Bobby) Quelle: Anne Friesenborg
Eicklingen

Die Erleichterung und Freude war groß. „Ich bin an die Decke gesprungen, als meine Mutter mir die Nachricht am Telefon mitgeteilt hat. Es war unglaublich. Mir ist ein riesiger Stein vom Herzen gefallen“, erklärt Marcella Meinecke strahlend. Die erfolgreiche Kutschfahrerin vom RuF Eicklingen ist von der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) offiziell vom Vorwurf des wissentlichen Dopings freigesprochen worden, ihre Suspendierung wurde aufgehoben, sie ist voll rehabilitiert und gehört wieder dem Bundeskader an. Eine detaillierte Urteilsbegründung steht allerdings noch aus.

Damit endet eine fast viermonatige Leidenszeit für die 16-Jährige und ihre Familie. Anfang November hatte die Deutsche Jugendmeisterin und Mannschaftseuropameisterin ohne Vorankündigung ein Schreiben mit dem Dopingvorwurf von der FN erhalten. Ihr Fuchswallach Borneo war im September bei den Landesmeisterschaften in Fümmelse-Wolfenbüttel positiv auf das Schmerzmittel Morphin getestet worden. Diese Substanz ist eigentlich eher zur Ruhigstellung der Pferde gedacht.

„Wir waren wie gelähmt, das war ein Schlag in die Magengrube. Wir haben uns immer wieder gefragt, wie es dazu kommen konnte“, berichtet Marcellas Großvater und Trainer Ekkert Meinecke, erster Weltmeister der Zweispännerfahrer. Marcella Meinecke wurde für die Dauer des Verfahrens aus dem Landes- und Bundeskader ausgeschlossen.

Die Meineckes betrieben intensive Ursachenforschung und schalteten den Lachendorfer Rechtsanwalt Günter Pape ein. Schnell kamen sie zum Ergebnis, dass Borneos Futter verunreinigt war. Eine Häufung von Dopingfällen dieser Art hatte es sowohl bundesweit als auch international gegeben. „Anders als sonst war das Futter, das wir zur Zeit der Landesmeisterschaft gefüttert haben, krümelig und staubig. Die Pferde haben das Futter schlecht gefressen und zwei fingen an zu husten“, erinnert sich Ekkert Meinecke.

Dies gaben Meineckes auch bei der Verhandlung im Dezember in Warendorf an. Als logische Konsequenz haben die Meineckes den Futterlieferanten gewechselt.

Eine weitere Möglichkeit beschäftigte Familie Meinecke zudem – nämlich die der Sabotage. Die Ställe waren während der dreitägigen Landesmeisterschaften für jedermann zugänglich. Demnach hätte jemand dem Pferd eine Leckerei mit Morphin verabreicht haben können. „Darüber müssen wir zum Glück nicht mehr nachdenken. Das können wir jetzt ausschließen“, meint Meinecke.

Marcella Meinecke hat eine schwere Zeit durchgemacht und viele bestehende Kontakte verloren. Enttäuscht ist sie auch vom Landesverband, der bis heute nicht auf ihren Freispruch reagiert hat und ungerechtfertigterweise das Landeskaderabzeichen von ihr zurückgefordert hat. „Das macht mich traurig“, so Meinecke.

Aber ganz Sportlerin, gibt sie sich auch schon wieder kämpferisch. „Ich will wieder angreifen“, sagt sie und wird intensiv trainieren – vor allem für die Deutschen U25-Meisterschaften sowie die großen nationalen Titelkämpfe. Marcella Meinecke ist stolz auf den Zusammenhalt in ihrer Familie. „In dieser schlimmen Zeit haben alle gemerkt, wie wichtig eine Familie ist. Es hat uns noch mehr zusammengeschweißt und noch stärker gemacht.“

Von Oliver Schreiber und Anne Friesenborg