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Lokalsport Ein Hugo zwischendurch geht immer
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18:52 07.11.2018
Von Heiko Hartung
Willkommene Verschnaufpause: Man trifft sich mal wieder auf eine Runde „Hugo“. Quelle: David Borghoff
Nienhagen

Ich stehe eine gefühlte Ewigkeit in der Luft, während der Ball in sanft geschwungenem Bogen auf mich zufliegt. Mein Körper ist gespannt wie ein Flitzebogen, aus dem Hohlkreuz ziehe ich den erhobenen rechten Arm nach vorne. Mit einem satten Klatschen trifft meine ausgestreckte Hand auf den Ball und schmettert ihn über das Netz. Auf der anderen Seite bohrt sich die Kugel fast in den Linoleumboden der Nienhäger Sporthalle. Ein Angriffsschlag wie aus dem Volleyball-Lehrbuch, denke ich bei mir. „Der war knapp im Aus“, ruft mir Rolf Wagner zu – und meine Euphorie verfliegt im Bruchteil einer Sekunde. „Aber für einen Anfänger gar nicht mal so schlecht“, fügt der Trainer der Oberliga-Volleyballerinnen des SV Nienhagen hinzu.

Kurzsprints und blaue Flecken

Etwa eine Stunde habe ich zu diesem Zeitpunkt bereits mit der klassenhöchsten Volleyball-Mannschaft des Celler Kreises geübt, zu verhindern, dass der im Durchmesser etwa 20 Zentimeter große Ball den Boden berührt. Das letzte Mal Volleyball gespielt habe ich während der Schulzeit vor fast 30 Jahren. Damals brauchte eine Mannschaft noch 15 Punkte für einen Satzgewinn (heute sind es 25 bei mindestens zwei Punkten Vorsprung). Und nur das aufschlagende Team konnte einen Punkt erzielen. „Seit 1999 gelten neue Regeln, die das Spiel für Zuschauer attraktiver gestalten“, erklärt mir Wagner (58), der die Frauenmannschaft des SVN seit eben diesem Jahr trainiert – schon damals mit seiner Ehefrau Frauke als aktiver Spielerin.

Auch heute ist Frauke Wagner in der Halle. Sie unterstützt ihren Mann als Co-Trainerin und übt mit mir das Pritschen – also das obere Zuspiel mit gespreizten Fingern, die mit den Daumen ein „kleines Dreieck“ bilden – sowie das Baggern, bei dem der Ball mit den Unterarmen gespielt wird. Etwas fies ist, dass sie mir die Bälle abwechselnd immer kurz und lang zuspielt, so dass ich permanente Kurzsprints hinlegen muss, um an den Ball zu kommen. Zwei Tage später werde ich blaue Flecken an meinen Unterarmen entdecken – Baggern, bis der Arzt kommt.

Knieschützer wären traumhaft

Überhaupt merke ich an diesem Abend mit den SVN-Mädels schnell, dass Volleyball nichts für „Stehgeiger“ ist. „Man legt zwar keine langen Strecken zurück, ist aber während der Ballwechsel permanent in Bewegung“, erklärt mir Viola Dreppenstedt. Außer mir ist die Diagonalangreiferin, die vergangene Saison vom Drittligisten VC Nienburg kam, an diesem Abend die Einzige ohne Knieschützer. Warum? „Weil wir es können“, sagt die 25-Jährige und lacht. Als wir uns beim Aufwärmen aus dem Lauf hinschmeißen und bäuchlings über den stumpfen Hallenboden rutschen müssen, hätte ich neben Knieschonern allerdings gerne eine Ganzkörper-Polsterung gehabt.

Nach der Übung kommen Trainer und Spielerinnen urplötzlich zu einem Kreis zusammen. Die ausgestreckten Hände treffen sich in der Mitte und mit dem lautstarken Ausruf „HU-GO“ geht der Pulk wieder auseinander. „Das ist seit sechs Jahren unser Schlachtruf, mit dem wir uns anfeuern“, erklärt Teamkapitänin Sonja Lorenz. „Hugo“ – in Gedanken sitze ich mit dem gleichnamigen Sommer-Cocktail irgendwo am Strand statt hier mit hechelnder Zunge endlos lange Ballstafetten durchzuexerzieren. Doch so flitze ich pausenlos durch die Halle – von der Angriffszone am Netz nach hinten in die Defensivabteilung des 18 mal 9 Meter großen Spielfelds und wieder zurück. „Das Kaltgetränk zur Belohnung gibt‘s bei uns erst hinterher draußen vor der Halle“, erklärt mir „Rolle“ Wagner.

Der zehnmalige Nationalspieler und frühere Bundesliga-Volleyballer des MTV Celle und SC Norderstedt hat beim SV Nienhagen („mein Herzensverein“) mit geringen Mitteln und großem persönlichen Einsatz ein Biotop geschaffen, in dem seit vielen Jahren erfolgreich Frauen-Volleyball gespielt wird. 1990 kam Wagner als Herrentrainer zum SVN, aber seit fast 20 Jahren „liegen mir die Mädels sehr am Herzen“, sagt der 2,03-Meter große Coach. Ins Team, bei dem Monika Behrendt mit 46 Jahren die Erfahrenste ist, werden immer wieder junge Talente eingebaut. Derzeit ist die 16-jährige Pia Schneeweiss das „Küken“. Neben ihr auf dem Parkett steht mit Stefanie Stilke (37) eine frühere Junioren-Nationalspielerin, die in Berlin 2. Liga gespielt hat und jetzt in Lachendorf wohnt. Die einzige Ur-Nienhägerin ist Lara Schulz, viele kommen extra aus Hannover aufs Dorf, um hier gepflegt Volleyball zu spielen. So erscheint die Truppe auf den ersten Blick sehr heterogen – aber: „Es gibt eine klare Hierarchie im Team und dieses ausbalancierte Gefüge muss auch bei Neuzugängen gewahrt bleiben. Wer dazustößt, muss sich seinen Platz in der Truppe erst erarbeiten“, erklärt Wagner und fügt mit einem Augenzwinkern hinzu: „Unter den Spielerinnen läuft es meistens ziemlich harmonisch ab. Wenn einer angezickt wird, bin ich das. Aber da stehe ich drüber.“

Schwer frustriert beim Aufschlag

Zum guten Teamspirit tragen die Mannschaftsfahrten bei. Seit sieben Jahren geht‘s nach der Saison zum Relaxen auf den Priwall – dieses Jahr sogar inklusive Meisterfeier. Auch an der Ostsee ist Coach Wagner „allein unter Frauen“.

Nach der vierten Runde „HU-GO“ bittet Wagner an die hintere Grundlinie. Jetzt wird der Aufschlag trainiert. Ich atme auf: Endlich eine Übung ohne Laufen. „Du kannst auch von unten aus der Hand aufschlagen“, erklärt mir Mittelblockerin Melanie Schneider. Aufschlag von unten? Bin ich Michael Chang, oder was? Es muss ja nicht gleich eine Sprungangabe sein, aber von oben wollte ich den Ball schon übers Netz in die gegnerische Hälfte bugsieren. Kenne ich doch vom Tennis. Ein Kinderspiel. – Als die ersten beiden Versuche nicht mal bis zum Netz fliegen, bin ich noch guter Dinge. Beim sechsten Fehlversuch hintereinander bin ich schwer frustriert. „Eine gute Aufschlagserie kann spielentscheidend sein“, meint Defensivspezialistin Nora Gehrke. So gesehen ist mit mir beim Volleyball offenbar kein Blumentopf zu gewinnen. Spaß gemacht hat es trotzdem. Bis zu meinem nächsten Einsatz am Netz wird es keine weiteren 30 Jahre dauern – dann aber bitte mit Knieschonern. Darauf ein kräftiges „HU-GO“.

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