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Lokalsport Engagement an Schulen: Celler Sportvereine kämpfen um junge Mitglieder
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14:20 26.12.2017
Von Oliver Schreiber
Quelle: Michael Schäfer
Celle Stadt

Tabea Lauenstein lächelt. Wenn auch leicht gequält. Schon zu oft hat die Hockey-Trainerin des MTV Eintracht Celle diese Worte gehört. „Es macht mir riesig Spaß. Ich spiele gerne Hockey. Aber im Verein spielen möchte ich momentan nicht“, sagt Beeke Truffel nach einer einstündigen Übungseinheit. Die Zehnjährige ist bei der von Lauenstein geleiteten Hockey-AG in der Grundschule mit Feuer und Flamme dabei, wie 14 andere Kinder auch. Lauenstein führt als lizenzierte Trainerin in drei weiteren Celler Grundschulen – Heese-Süd, Groß Hehlen und Katholische Grundschule – Kids an die Sportart Hockey heran. Natürlich immer auch verbunden mit der Hoffnung, dass junge Mitglieder für den MTVE hängenbleiben. Doch genau das bleibt bisher aus, ihr Engagement ist mehr eine Investition in die Zukunft.

Seit drei Jahren bietet der Klub bereits AGs an, die in Vorwerk gibt es seit den Herbstferien dieses Jahres. Der Zulauf ist beachtlich. „Im Schnitt sind etwa 15 Kinder dabei, davon bildet die Hälfte den harten Kern, der jede Stunde mitmacht. Insgesamt betreue ich pro Woche rund 60 Kinder“, schildert Lauenstein. Der Ertrag ist für den Verein aber bisher nur ein ideeller. „Leider haben wir dadurch noch keine neuen Mitglieder hinzugewonnen“, so Lauenstein. Doch das nimmt sie sportlich. „Man darf die Hoffnung nicht aufgeben.“

Die 20-Jährige ist im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes an den Schulen tätig – also ein so genannter „Bufdi“. Nach ihrem Abi am Wirtschaftsgymnasium 2016 war sie für ein Jahr in Kanada – und hat auch dort mit Kindern gearbeitet. Seit sie wieder in Celle ist, ist sozusagen im Hockey „vollbeschäftigt“. Zusätzlich zu den AGs coacht sie noch drei Jugend-Mannschaften der Eintracht und ist für das Torwarttraining zuständig. Sie selbst schwingt den Schläger für die Oberliga-Mannschaft der MTVE-Damen.

Man merkt Tabea Lauenstein an, dass ihr die Arbeit mit den Kindern Spaß macht und sie genau weiß, wie man Trainingsinhalte vermittelt. Das färbt auch auf die Kinder ab. Beeke führt hoch konzentriert den Ball mit dem Schläger, Lauenstein blickt zufrieden. Beeke hat Talent.

Das kommt nicht von ungefähr. Ihre Mutter Kerstin sitzt am Spielfeldrand und schaut zu. Sie ist als pädagogische Mitarbeiterin an der Grundschule ihrer Tochter tätig und hat früher selbst Hockey in Celle gespielt. „Natürlich hätte ich nichts dagegen, wenn Beeke auch im Verein Hockey spielt. Aber das wird zeitlich schwierig. Ihr Tag ist jetzt schon ziemlich durchgetaktet“, schildert sie.

Beeke hat viele Interessen. Sie reitet, sie tanzt, sie spielt Klavier. In einem Sportverein aktiv ist sie nicht. Zweimal pro Woche ist sie ganztags in der Schule. Dazu kommen Hausaufgaben – und Freundschaften wollen auch gepflegt sein. „Das geht ja nicht nur Beeke so, sondern den meisten Kindern. Es ist halt nicht mehr so wie früher, als man als Kind nach der Schule spätestens um 13 Uhr zu Hause war. Da hatte man dann auch mehr Zeit, um dann im Verein Sport zu treiben“, erklärt Truffel.

Genau das ist der wunde Punkt der Sportvereine. Die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen haben sich durch die Verbreitung der ganztägigen Betreuungseinrichtungen komplett geändert. Oder vereinfacht ausgedrückt: Früher sind die Kinder in die Vereine gegangen, heute müssen die Vereine in die Schulen und Kindergärten gehen, um zu versuchen, Nachwuchs zu rekrutieren.

Das größte Problem ist aber schlichtweg der Personalmangel. Da in der Gesellschaft auch immer mehr die Bereitschaft sinkt, ehrenamtliche Aufgaben zu übernehmen, fehlt den Vereinen die Manpower. Das betrifft sowohl Vorstandsämter als auch den sportlichen Bereich, in dem Übungsleiter und Betreuer fehlen.

Junge Trainerinnen wie Tabea Lauenstein sind da Gold wert. Sie finden sofort einen Draht zu den Kids. Auch wenn sie dadurch nicht gleich in den Verein strömen. „Vielleicht spiele ich ja mal Hockey im Verein. Vorstellen kann ich mir das schon“, sagt Beeke Truffel. Und wieder lächelt Tabea Lauenstein. Dieses Mal zuversichtlicher. Man darf die Hoffnung schließlich nicht aufgeben.