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Lokalsport Es rumort im Celler Sport
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18:20 29.11.2017
Von Heiko Hartung
Celle Stadt

Schlechter Start: Es sollte ein erstes Kennenlernen sein. Die sogenannte Elefantenrunde, in der sich die Vertreter der sieben größten Celler Sportvereine regelmäßig zum Informationsaustausch treffen, hatte den neuen Oberbürgermeister im Frühsommer eingeladen. Der sah offenbar keine Notwendigkeit zu einem Gedankenaustausch. Bis heute schlug der 43-Jährige die Einladungen der Interessenvertretung aus. Die reagierte erstaunt bis beleidigt: „Wir sind keine Bittsteller, die sich am Nasenring durch die Arena ziehen lassen“, sagte ein Vertreter der Elefantenrunde gegenüber der CZ. Die Sportvereine würden viele soziale Aufgaben erfüllen – von der Jugend- und Behindertenarbeit bis zum Seniorensport. „Wir möchten auf Augenhöhe angesprochen werden, nicht von oben herab.“

Höhepunkt des Zwists: Bei einer außerordentlichen Sportausschusssitzung schaltete Nigge in den Angriffsmodus: Einige Sportvereine würden sich „zusammenrotten, um die Planungen der Verwaltung zu torpedieren“, sagte der frühere Berufsoffizier. Aus dem Kreis der „Elefanten“ heißt es: „Unsere Runde macht sich seit vier Jahrzehnten für die Belange des Sports stark. Diese Verschwörungstheorie ist abwegig.“

Einzelgespräche säen Misstrauen: Statt seine Konzepte in der Öffentlichkeit vorzustellen, lädt Nigge Vorstandsmitglieder einzelner Vereine nacheinander ins Rathaus ein, um die jeweiligen Sparpotenziale zu erörtern. Die Betroffenen werden zur Verschwiegenheit verpflichtet. Einige Beispiele sind inzwischen der Öffentlichkeit bekannt: Der MTV Eintracht Celle bekommt keinen Ersatz, wenn die Nordwallhalle abgerissen wird. Auf dem B-Platz des SV Dicle stehen ab Sommer Wohnmobile. Dem SC Vorwerk drohte der Verlust seines C-Platzes (dieses Thema ist aber vom Tisch. Stattdessen übernimmt der Klub die Betriebs- und Unterhaltungskosten für sein Sportheim künftig allein). Gerüchte schwirren durch die Szene, die Vereinsvertreter reagieren nervös. „Wir befürchten, dass die Sportförderung als freiwillige Leistung zusammengestrichen wird. Und wir haben Angst, dabei gegeneinander ausgespielt zu werden. Das sät Misstrauen untereinander“, sagt der Vorsitzende eines Stadtteilklubs.

Sportentwicklungsplan als reiner Sparplan: Oberbürgermeister Nigge hat sich die Einsparpotenziale nicht allein ausgedacht. Vieles steckt bereits im Sportentwicklungsplan für Celle. An dem haben neben Politik und Verwaltung auch die Vereine selbst mitgearbeitet. Vielleicht hatten einige gehofft, die Studie würde in einer Rathaus-Schublade verschwinden und der Status Quo, über den sich die Vereine im Großen und Ganzen bislang nicht beschweren konnten, würde beibehalten. Unter dem ehemaligen Oberbürgermeister Dirk-Ulrich Mende (SPD) sah es zunächst auch danach aus. Doch dann kam Nigge – und packt an. „Das ist grundsätzlich zu begrüßen. Nur: Der OB pickt sich die Punkte aus dem Sportentwicklungsplan raus, mit denen er Einsparungen erzielen kann“, bemängelt ein Sportfunktionär. Ein neuer Kunstrasenplatz, zusätzliche Gymnastikräume für Seniorengruppen – auch das empfiehlt die Studie. Doch 100.000 Euro, die noch unter Mende für die Planung einer Freilufthalle an der Nienburger Straße in den Haushalt 2017 eingestellt worden waren, wurden im Nachtragshaushalt im Oktober durch Ratsbeschluss „umdisponiert“, wie es die Stadt nennt. „Momentan können wir uns im investiven Bereich nichts leisten. Das heißt nicht, dass in Zukunft nicht doch Investitionen in Sportstätten getätigt werden“, erklärt Sport-Fachdienstleiter Dirk Nothdurft. Auch eine „Rückkopplung“ mit den Vereinen zu den Zielen des Sportentwicklungsplans soll es geben.

Vermittlungsversuch: Um die verhärteten Fronten aufzuweichen, ist der Kreissportbund (KSB) Celle, der sich bislang in dieser Angelegenheit bedeckt hielt, von der Elefantenrunde gebeten worden, zwischen ihr und Nigge zu vermitteln. Kommende Woche ist ein Treffen geplant. „In der Celler Sportlandschaft rumort es“, bestätigt KSB-Vorsitzender Hartmut Ostermann. „Die Vereine wollen alle mitgenommen werden bei einschneidenden Veränderungen. Herr Nigge muss klar sagen, wohin die Reise gehen soll“, sagt der CDU-Politiker, der betont, für alle Celler Sportvereine zu sprechen. Ostermann unterstreicht: „Die Vereine sind bereit, ihren Anteil an der Haushaltskonsolidierung zu leisten. Der Sport hat in der Vergangenheit bewiesen, dass er diesbezüglich leidensfähig ist“, so der KSB-Chef. Er könne sich beispielsweise ein jährliches Sportforum vorstellen, bei dem sich Verwaltung und Vereine über Zielsetzungen austauschen. „Man muss offen miteinander reden, nicht hinter verschlossenen Türen.“