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Lokalsport Ex-Cellerin Janina Bonorden ist Deutsche Box-Meisterin
Sport Sport regional Lokalsport Ex-Cellerin Janina Bonorden ist Deutsche Box-Meisterin
17:10 21.05.2015
Von Carsten Richter
Ließ der Favoritin keine Chance: Janina Bonorden (rot) besiegte - Nina Meinke im Finale mit 2:0. Quelle: Fremdfotos/eingesandt
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SAARBRÜCKEN. „Ich kann es immer noch nicht fassen“, sagt Janina Bonorden. Erst seit neun Monaten ist die 29-Jährige, die früher für den VfK Celle im Boxring stand, wieder im Training. Und nun passierte das Unglaubliche: Bei den Deutschen Meisterschaften der Frauen in Saarbrücken holte sie in der Gewichtsklasse bis 60 Kilogramm den Titel. Im Finale besiegte sie die Berlinerin Nina Meinke klar mit 2:0.

„Damit hätte ich nicht gerechnet“, so Bonorden, „ich habe ja erst nur auf dem Dachboden trainiert“. Und der ist nun nicht mehr in Celle, sondern in Letter bei Hannover. Aus privaten Gründen war sie aus der Residenzstadt weggezogen, hatte wegen der Geburt ihres Sohnes zwei Jahre lang pausiert.

Nun schwingt die quirlige junge Frau mit den tätowierten Armen für den BSK Seelze die Fäuste. Anfang des Jahres hatte die nach 2004, 2007, 2008 und 2012 mittlerweile fünffache Deutsche Meisterin für ihren neuen Verein bereits den Vergleichskampf gegen die Schweizer Auswahl souverän für sich entschieden. Dass ihr dieser Erfolg nicht reicht, hatte sie da schon deutlich gemacht. Sie wollte sich bis zur Deutschen Meisterschaft hochkämpfen – das ist ihr gelungen.

Dabei sah es erst gar nicht so aus. „Nina Meinke war die klare Favoritin und der Liebling im Finale“, sagt die Ex-Cellerin über ihre Kontrahentin. Die Berlinerin trieb sie erst vor sich her, doch Bonorden passte gut auf und reagierte blitzschnell, noch bevor Meinke angreifen konnte. So brachte sie die Gegnerin aus dem Rhythmus. „Dieser Kampf war einfach unwahrscheinlich geil.“ Alle seien von Bonordens Angriff geschockt gewesen. „Gucken, auf Technik boxen, Punkte sammeln – das ist mein Ding.“

„Ich wollte unbedingt zurück in den Ring“, sagt Bonorden. „Viele sagen, mit einem Kind ist alles vorbei. Ich wollte das Gegenteil beweisen.“ Doch auch jetzt ist für „Mutti“ Bonorden noch lange nicht Schluss. „Olympia nächstes Jahr habe ich fest im Blick“, sagt sie. Möglich sei aber, dass sie zuvor noch einen Ausscheidungskampf gegen Tasheena Bugar, die im vergangenen Jahr Deutsche Meisterin wurde, bestreiten muss. „Das steht noch in den Sternen. Es kann dann auf einmal sehr schnell gehen.“ Auch ins Profigeschäft einzusteigen und Mitglied der Nationalmannschaft zu werden, ist eine Option für die 29-Jährige, die bislang als Friseurin arbeitet.

Bis sich der Deutsche Boxverband entschieden hat, wen er 2016 nach Rio de Janeiro schickt, übt Bonorden fleißig in Seelze. „Hier kann ich jeden Tag trainieren“, sagt sie und freut sich, dass ihre Familie ihr den Rücken frei hält und sich während des Trainings um den eineinhalbjährigen Sohn kümmert. „Besser kann es gar nicht sein.“