Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Lokalsport Freudentränen im Zielbereich: Celler Paar läuft bei längstem Skilanglauf der Welt mit
Sport Sport regional Lokalsport Freudentränen im Zielbereich: Celler Paar läuft bei längstem Skilanglauf der Welt mit
18:02 15.03.2017
Wie ein großes Wimmelbild: 15.800 Sportler gingen beim Wasa-Lauf in Schweden an den Start. Auch die Celler Thomas und Melanie Heß nahmen an dem 90 Kilometer langen Skilanglauf teil. Das Celler Paar möchte den "Schwedischen Klassiker", der aus vier Wettkämpfen besteht, schaffen. Quelle: Nisse Schmidt
Celle Stadt

„Wir haben kurzerhand Ski fahren beim schwedischen Ski-Weltmeister Robin Bryntesson gelernt“, erzählt der 40-Jährige. Im Juli 2016 standen er und seine Frau Melanie (34) das erste Mal auf Rollskiern. Voller Ehrgeiz übten sie zunächst auf Straßen das Fahren, bevor es dann im Dezember das erste Mal zum richtigen Skifahren in den Harz ging. Auf dem Flohmarkt kauften sie sich dafür ihre ersten eigenen Langlaufski. Von da an trainierten sie, bis sie nicht mehr konnten: In zehn Wochen legten sie 700 Kilometer auf Skiern zurück. Unterstützung bekamen die beiden auch von dem schwedischen Ski-Weltmeister Bertil Nordqvist, der die Skier gewachst hat.

Kontakte zu den bekannten Skifahrern knüpfte das Ehepaar Heß durch den schwedischen Freund Thomas Jönsson. Durch ihn entstand auch die Idee zur Teilnahme am schwedischen Wasa-Lauf. „Er ist mit uns bei verschiedenen deutschen Wettkämpfen mitgelaufen und dann dachten wir, dass es nun mal an der Zeit wäre, dass wir Deutschen auch mal an dem sogenannten Schwedischen Klassiker teilnehmen“, sagt Heß. Hinter diesem verbirgt sich die Kombination von vier großen Langstreckensport-Wettbewerben, einer davon ist der Wasa-Lauf. „Innerhalb von zwölf Monaten muss man den Wasa-Lauf über 90 Kilometer auf Skiern, ein Fahrradrennen über 300 Kilometer, einen Schwimmwettkampf über drei Kilometer und einen Crosslauf über 30 Kilometer schaffen. Dann hat man den schwedischen Klassiker geschafft“, erzählt der Celler.

Nummer vier auf der Liste hatte Heß im September vergangenen Jahres schon erfolgreich gemeistert, seine Frau fiel leider verletzungsbedingt aus. Nun stand mit dem Skilanglauf im März die wohl größte Herausforderung für die beiden an. 15.800 Sportler gingen Anfang März in Mora an den Start. „Ich hatte Angst ohne Ende. Wir hatten zwar das Skifahren gelernt und trainiert, aber sind noch nie 90 Kilometer am Stück gefahren.“ Heß machte sich auch Sorgen wegen der Zeit, denn die Teilnehmer müssen bei dem Wettkampf verschiedene Checkpoints innerhalb einer Zeit schaffen, ansonsten dürfen sie nicht mehr weiterlaufen.

Bei zum Teil minus zwölf Grad Celsius kämpften sich Thomas und Melanie Heß durch den Schnee. „Es waren so viele Skifahrer um einen rum, man hatte kaum Platz und die Strecke war schon total abgefahren, wenn man von hinten startet wie wir“, sagt der 40-Jährige. Doch Aufgeben kam für die begeisterten Sportler nicht infrage, schließlich hatten sie dem schwedischen Freund, der auch mitlief, ein Versprechen gegeben. Thomas Heß litt ab etwa der Hälfte des Rennens an einer sogenannten Schneeblindheit und sah nur noch sehr schlecht. Doch auch das konnte ihn nicht von seinem Ziel abbringen. Nach zehn Stunden und fünf Minuten (Gesamtrang 11.659) traf er im Ziel ein, seine Frau folgte ihm mit einer Laufzeit von elf Stunden und 31 Minuten (Gesamtrang 13.287). Sie hatten den härtesten Wasa-Lauf der Welt erfolgreich gemeistert.

„Ich habe geweint, als ich ins Ziel kam. Es war ein wahnsinnig tolles Gefühl“, sagt der Hustedter. Nun steht als nächstes das schwedische Radrennen („Vätternrundan“) im Juni für das Ehepaar an, wofür beide schon trainieren. Im Juli folgt dann der Schwimm-Wettbewerb („Vansbrosimningen“) und für Melanie Heß dann zusätzlich noch im September der Crosslauf („Lidingöloppet“). Beide wollen den „Schwedischen Klassiker“ unbedingt schaffen und Thomas Heß hat Blut geleckt: „Ich will den Vasaloppet unbedingt nochmal machen. Bald startet wieder die Ausschreibung und ich werde dabei sein.“

Von Jessica Poszwa