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Lokalsport Frühere Celler Boxerin Bonorden gibt sich nach Deutschem Vize-Meistertitel angriffslustig
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19:20 19.10.2016
Von Carsten Richter
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DORF MECKLENBURG. „Mit Titeln kann ich mich nicht zufriedengeben“, sagt die 31-Jährige. Drei Jahre hintereinander hatte sie die Meisterschaft für sich entschieden. „Ich weiß nicht, was schiefgelaufen ist“, meint sie zerknirscht. Nur mit Hilfspunkten hat ihre Finalgegnerin Regina Slobodyanikov am Ende 2:1 gewonnen. „Wenn ich mir im Nachhinein Videos vom Kampf anschaue, sehe ich, dass ich nicht verloren habe.“

Auch ihr Trainer Arthur Mattheiss spricht von einem „sehr unglücklichen Urteil“. Sie habe eine „bombige Leistung“ gezeigt. „Konditionell war Janina super drauf. Ich bin stolz auf sie“, meint Mattheis anerkennend. Über die genauen Gründe können die Boxerin und ihr Trainer nur spekulieren.

An der Meisterschaft teilgenommen zu haben, ist für die Niedersächsin Bonorden schon an sich ein Erfolg. „Mein Trainer hat mich mental super unterstützt“, freut sie sich. Immerhin hat die Mutter eines dreijährigen Sohnes außerhalb des Boxringes immer wieder Rückschläge erleben müssen. Schon vor der erfolgreichen Meisterschaftsteilnahme im vergangenen Jahr wollte sie allen beweisen, dass mit einem Kind längst nicht alles vorbei ist. „Viele sagen, mit einem Kind schafft man das nicht. Ich wollte das Gegenteil beweisen.“

Und das ist ihr schon in der Vorrunde gelungen. Daniela Singh aus Schleswig-Holstein ist Deutsche Juniorenmeisterin. Eine sehr junge und sehr starke Gegnerin – doch nicht stark genug für „Mutti“ Bonorden. Mit 3:0 hat die Ex-Cellerin den ersten Kampf für sich entschieden. „Der erste Kampf ist immer der schlimmste“, weiß Bonorden aus jahrelanger Erfahrung. „Umso wichtiger ist ein guter Start.“

Auch im Viertelfinale lief es rund. „Ich habe im Rückwärtskampf geboxt“, erzählt Bonorden. Es sei schwer gewesen gegen Joanna Loberzka, ihre Kontrahentin aus dem Niedersachsen-Team. „Die ist marschier“, meint sie – doch auch hier hieß es am Ende 3:0 für die frühere Boxerin des VfK Celle. Weitere Punkte sammelte sie im Halbfinale. Gegen Madeleine Morhardt aus Baden-Württemberg habe es „richtig Spaß gemacht“. „Sie ist eine Technikerin. Das war ein echt geiler Kampf“, so Bonorden.

Den Gegner beobachten, auf Technik boxen und dann Punkte sammeln – Bonorden kennt ihr Erfolgsrezept. Und daran will sie festhalten. Ans Aufhören denke ich manchmal schon, sagt sie. Aber dann hat sie ihr Ziel wieder vor Augen. „Ich werde einfach weitermachen, bis ich wieder den ersten Platz habe“, sagt sie. Jeden Tag trainiert sie und arbeitet so auf die nächste Deutsche Meisterschaft im Frühjahr 2017 hin. Doch auf den nächsten Kampf muss sie so lange nicht warten. Schon in einer Woche will sie sich beim Queenscup in Stralsund gegen internationale Gegner beweisen. „Gegen Russland habe ich noch nie geboxt“, sagt sie. Janina Bonorden liebt eben einfach die Herausforderungen.